Ein harter Putz ist nicht automatisch besser als ein weicher Putz. Entscheidend ist, dass die Festigkeit und Steifigkeit des Putzes zum Untergrund und zur jeweiligen Beanspruchung passen.

Ein Putz muss ausreichend fest sein, um seine Aufgabe zu erfüllen. Eine möglichst hohe Druckfestigkeit ist jedoch kein Qualitätsmerkmal für sich. Besonders bei historischem Mauerwerk, weichen Ziegeln, Naturstein, Fachwerk sowie alten Kalk- und Lehmmörteln kann ein vergleichsweise weicher Putz sogar die bessere Wahl sein.

Ist der Putz wesentlich härter und steifer als der Untergrund, können Bewegungen und Spannungen nicht ausreichend aufgenommen werden. Statt dass der Putz nachgibt, können Risse, Ablösungen oder Schäden am weicheren Mauerwerk beziehungsweise an den Fugen entstehen.

Auch innerhalb eines mehrlagigen Putzaufbaus sollten die einzelnen Schichten aufeinander abgestimmt sein. Grundsätzlich sollte der Aufbau vom Untergrund zur Oberfläche nicht immer härter und steifer werden. Ein sehr harter Oberputz auf einem deutlich weicheren Unterputz kann beispielsweise zu Spannungen und Ablösungen führen.

Umgekehrt darf ein Putz natürlich auch nicht so weich oder schwach sein, dass er sandet, keine ausreichende Haftung besitzt oder der vorgesehenen Beanspruchung nicht standhält.

Die richtige Frage lautet deshalb nicht: „Wie hart ist der Putz?“, sondern: „Passt die Festigkeit des Putzes zum Untergrund und zur Anwendung?“ Gerade im Altbau ist ein abgestimmter, vergleichsweise weicher Kalkputz häufig sinnvoller als ein besonders harter Putz.