Häufige Fragen – klar beantwortet
Manche Fragen lassen sich direkt beantworten und genau dafür gibt es diese Seite. Hier finden Sie Antworten auf die Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden, von Kalkputzen über Farben bis hin zu praktischen Tipps. Die wichtigsten Informationen habe ich für Sie kompakt und übersichtlich zusammengestellt.
Sollte Ihre Frage noch nicht dabei sein, lohnt es sich, später wieder vorbeizuschauen, die Liste wächst stetig. Gerne können Sie auch die Kommentarfunktion unter meinen Beiträgen nutzen oder mir direkt eine E-Mail schreiben. Ich nehme mir gerne die Zeit, Ihnen persönlich zu antworten.
- All
- Fachbegriffe
- Kalkputz und Kalkfarben
- Lehmputz, Lehmfarben, Lehmplatten
- Silikatfarben, Standölfarben, Naturfarben
- Wohngesundheit und Nachhaltigkeit
Ein harter Putz ist nicht automatisch besser als ein weicher Putz. Entscheidend ist, dass die Festigkeit und Steifigkeit des Putzes zum Untergrund und zur jeweiligen Beanspruchung passen.
Ein Putz muss ausreichend fest sein, um seine Aufgabe zu erfüllen. Eine möglichst hohe Druckfestigkeit ist jedoch kein Qualitätsmerkmal für sich. Besonders bei historischem Mauerwerk, weichen Ziegeln, Naturstein, Fachwerk sowie alten Kalk- und Lehmmörteln kann ein vergleichsweise weicher Putz sogar die bessere Wahl sein.
Ist der Putz wesentlich härter und steifer als der Untergrund, können Bewegungen und Spannungen nicht ausreichend aufgenommen werden. Statt dass der Putz nachgibt, können Risse, Ablösungen oder Schäden am weicheren Mauerwerk beziehungsweise an den Fugen entstehen.
Auch innerhalb eines mehrlagigen Putzaufbaus sollten die einzelnen Schichten aufeinander abgestimmt sein. Grundsätzlich sollte der Aufbau vom Untergrund zur Oberfläche nicht immer härter und steifer werden. Ein sehr harter Oberputz auf einem deutlich weicheren Unterputz kann beispielsweise zu Spannungen und Ablösungen führen.
Umgekehrt darf ein Putz natürlich auch nicht so weich oder schwach sein, dass er sandet, keine ausreichende Haftung besitzt oder der vorgesehenen Beanspruchung nicht standhält.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht: „Wie hart ist der Putz?“, sondern: „Passt die Festigkeit des Putzes zum Untergrund und zur Anwendung?“ Gerade im Altbau ist ein abgestimmter, vergleichsweise weicher Kalkputz häufig sinnvoller als ein besonders harter Putz.
Kalkputz kann im Vergleich zu zementhaltigen Putzen eine geringere Druckfestigkeit besitzen. Das ist jedoch nicht automatisch ein Nachteil, sondern kann eine wichtige und erwünschte Materialeigenschaft sein.
Sowohl Luftkalkputze als auch Putze aus natürlich hydraulischem Kalk (NHL) können vergleichsweise weich sein. Luftkalk erhärtet hauptsächlich durch Karbonatisierung. Bei NHL kommen zusätzlich hydraulische Erhärtungsreaktionen hinzu.
Wie fest ein Kalkputz tatsächlich wird, hängt jedoch nicht allein vom verwendeten Kalk ab. Auch Mischungsverhältnis, Zuschlag, Sieblinie, Wasserzugabe, Verarbeitung und Erhärtungsbedingungen beeinflussen die spätere Festigkeit.
Gerade bei historischem Mauerwerk, weichen Ziegeln, Sandstein, Fachwerk sowie alten Kalk- und Lehmmörteln kann eine geringere Festigkeit erwünscht sein. Der Putz sollte in seiner Festigkeit zum vorhandenen Untergrund passen. Ein wesentlich härterer und steiferer Putz kann Spannungen und Schäden in den weicheren Untergrund verlagern.
„Weich“ darf allerdings nicht mit sandend oder unzureichend erhärtet verwechselt werden. Ein fachgerecht hergestellter weicher Kalkputz besitzt ein stabiles Gefüge und eine für seinen Einsatzzweck ausreichende Festigkeit.
Ein Kalkputz muss deshalb nicht möglichst hart sein. Entscheidend ist, dass seine Festigkeit zum Untergrund und zur jeweiligen Anwendung passt.
Kalkputz sandet, wenn die Sandkörner im Putzgefüge nicht mehr ausreichend durch das Bindemittel gebunden sind. Dafür können Fehler bei Herstellung und Verarbeitung, eine unzureichende Erhärtung oder eine spätere Schädigung des Putzgefüges verantwortlich sein.
Eine mögliche Ursache ist ein ungünstiges Verhältnis von Kalk zu Zuschlag. Enthält der Mörtel zu wenig Bindemittel oder ist die Zusammensetzung des Zuschlags ungeeignet, kann kein ausreichend stabiles Putzgefüge entstehen.
Auch zu schnelles Austrocknen kann Absanden begünstigen. Wird dem frischen Kalkputz durch einen stark saugenden Untergrund, hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung oder Wind zu schnell Wasser entzogen, können Erhärtung und Gefügeentwicklung beeinträchtigt werden.
Problematisch können außerdem ungeeignete Grundierungen und Beschichtungen sein. Wird ein noch nicht ausreichend karbonatisierter Luftkalkputz beispielsweise mit einem filmbildenden Tiefengrund oder einer sehr dichten Dispersionsfarbe beschichtet, kann der Zutritt von Kohlendioxid reduziert und die weitere Karbonatisierung beeinträchtigt werden. Der Putz kann dadurch dauerhaft unzureichend erhärten und später sanden.
Auch ein alter, bereits karbonatisierter Kalkputz kann durch nachträglich aufgebrachte ungeeignete Beschichtungen geschädigt werden. Hier ist jedoch nicht eine verhinderte Karbonatisierung die Ursache. Dichte oder ungeeignete Beschichtungen können die Wasseraufnahme und vor allem die Austrocknung des Putzes verändern. In Verbindung mit Feuchtigkeit und Salzen kann dies langfristig zu einer Entfestigung des Putzgefüges führen.
Weitere Ursachen können Frost, dauerhafte Durchfeuchtung, Salzbelastungen oder eine altersbedingte Entfestigung sein.
Ein sandender Kalkputz muss nicht zwangsläufig entfernt werden. Ist er ansonsten noch tragfähig und erhaltenswert, kann eine fachgerechte Festigung, beispielsweise mit Kalksinterwasser oder bei geeigneten mineralischen Untergründen mit Lithiumwasserglas, möglich sein. Entscheidend ist, dass nicht lediglich die Oberfläche verhärtet wird, während der darunterliegende Putz weiterhin instabil bleibt.
Bevor ein sandender Kalkputz entfernt oder überarbeitet wird, sollte deshalb zunächst die Ursache und die Tiefe der Entfestigung festgestellt werden. Gerade bei historischem Kalkputz kann Erhalten und Festigen sinnvoller sein als vollständiges Abschlagen.
Wenn sich Kalkputz vom Untergrund löst, können eine unzureichende Haftung, ein ungeeigneter Untergrund, Bewegungen im Bauteil sowie Feuchte- und Salzbelastungen die Ursache sein. Um den Schaden dauerhaft zu beheben, sollte deshalb zunächst die Ursache festgestellt werden.
Der Untergrund muss tragfähig, sauber und ausreichend griffig sein. Staub, lose Altputze, Farbreste, Trennmittel oder andere haftungsmindernde Schichten können verhindern, dass sich der Kalkputz ausreichend mit dem Untergrund verbindet. Sehr glatte oder ungeeignete Untergründe benötigen eine entsprechende Vorbereitung.
Bei stark saugenden Untergründen kann dem frischen Kalkputz zu schnell Wasser entzogen werden. Dadurch kann insbesondere im Kontaktbereich zum Untergrund die Haftung beeinträchtigt werden. Deshalb werden stark saugende mineralische Untergründe vor dem Verputzen in der Regel vorgenässt.
Auch Bewegungen im Untergrund können dazu führen, dass sich Kalkputz löst. Ursachen können Bewegungen im Mauerwerk, Setzungen, Bauteilanschlüsse, Materialwechsel oder unterschiedliche thermische und feuchtebedingte Verformungen sein. Besonders bei Fachwerk und Mischmauerwerk treffen Baustoffe mit unterschiedlichem Bewegungsverhalten aufeinander. Werden die dabei entstehenden Spannungen zu groß, können Risse, Hohlstellen und schließlich Ablösungen entstehen.
Eine weitere Ursache können Feuchtigkeit und Salze sein. Mit Wasser transportierte Salze können im Putzgefüge oder im Übergangsbereich zum Untergrund kristallisieren und Schäden verursachen. Bei stark durchfeuchtetem Außenputz können zusätzlich Frost-Tau-Wechsel zu Abplatzungen und Ablösungen beitragen.
Auch ein nicht zum Untergrund passender Putz kann problematisch sein. Ist der neue Putz beispielsweise wesentlich härter oder steifer als ein weicher historischer Untergrund, können auftretende Bewegungen und Spannungen schlechter aufgenommen werden.
Nicht jede hohl klingende Stelle muss allerdings sofort abgeschlagen werden. Gerade bei historischem Kalkputz können hohlliegende, aber noch erhaltenswerte Putzflächen teilweise durch Hinterspritzen oder Hinterfüllen mit einem geeigneten mineralischen Mörtel wieder am Untergrund befestigt werden.
Löst sich Kalkputz ab, sollte deshalb nicht einfach neu darübergeputzt werden. Zuerst muss geklärt werden, ob die Ursache in der Haftung, im Untergrund, in Bauteilbewegungen oder in einer Feuchte- und Salzbelastung liegt.
Kalkputz kann die Austrocknung einer feuchten Wand unterstützen, die Ursache der Feuchtigkeit aber nicht beseitigen. Entscheidend ist deshalb zunächst, woher die Feuchtigkeit kommt und ob weiterer Feuchtenachschub stattfindet.
Ein geeigneter, kapillar aktiver Kalkputz kann Feuchtigkeit aus einem mineralischen Mauerwerk aufnehmen, innerhalb seines Porengefüges zur Oberfläche transportieren und dort die Verdunstung ermöglichen. Dadurch kann er die Austrocknung des Mauerwerks unterstützen.
Damit das funktioniert, müssen auch die raumklimatischen Bedingungen stimmen. In Innenräumen sollte die relative Luftfeuchtigkeit für eine gute Austrocknung möglichst unter etwa 60 % liegen. Die an die Raumluft abgegebene Feuchtigkeit muss anschließend durch Lüften oder gegebenenfalls durch technische Entfeuchtung aus dem Raum entfernt werden.
Bei aufsteigender Feuchtigkeit, seitlich eindringendem Wasser, Schlagregen, undichten Leitungen oder anderen dauerhaften Feuchtequellen reicht ein neuer Kalkputz allein nicht aus. Die Ursache muss untersucht und soweit möglich beseitigt oder reduziert werden.
Auch vorhandene Salzbelastungen müssen berücksichtigt werden. Salze können mit der Feuchtigkeit in den Putz transportiert werden, dort auskristallisieren und langfristig zu Absanden, Abplatzungen oder anderen Schäden führen. Je nach Belastung kann deshalb ein speziell abgestimmter Putzaufbau erforderlich sein.
Kalkputz ist also kein Mittel, das eine feuchte Wand von selbst saniert. Als kapillar aktiver und diffusionsoffener Bestandteil eines geeigneten Wandaufbaus kann er jedoch wesentlich dazu beitragen, dass vorhandene Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk an die Oberfläche gelangt und dort abgegeben werden kann.
Kalkputz kann Feuchtigkeit aus einem feuchten mineralischen Untergrund kapillar aufnehmen und innerhalb seines Porengefüges weitertransportieren. Vereinfacht wird deshalb häufig gesagt, Kalkputz könne Feuchtigkeit „aus der Wand ziehen“.
Physikalisch handelt es sich um kapillaren Feuchtetransport. Steht der Kalkputz in gutem Kontakt mit einem feuchten, ebenfalls kapillar leitfähigen Mauerwerk, kann flüssiges Wasser in den Putz gelangen und sich dort bis zur Oberfläche verteilen. Dort kann die Feuchtigkeit an die Raumluft abgegeben werden.
Damit das Mauerwerk tatsächlich austrocknen kann, müssen jedoch auch die raumklimatischen Bedingungen stimmen. Besonders wichtig sind relative Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Luftbewegung. Für die praktische Austrocknung sollte die relative Luftfeuchtigkeit möglichst unter etwa 60 % liegen. Je trockener die Raumluft im Verhältnis zur feuchten Bauteiloberfläche ist, desto günstiger sind die Bedingungen für die Feuchteabgabe und damit für die weitere Austrocknung des Mauerwerks.
Ist die Raumluft dauerhaft sehr feucht, kann auch ein kapillar aktiver Kalkputz die aufgenommene Feuchtigkeit nur eingeschränkt an den Raum abgeben. Kapillarität allein trocknet deshalb keine Wand. Feuchtigkeit muss nicht nur aus dem Mauerwerk bis an die Oberfläche gelangen, sondern dort auch verdunsten und anschließend durch Lüftung oder Entfeuchtung aus dem Raum abgeführt werden.
Kalkputz beseitigt außerdem nicht die Ursache einer feuchten Wand. Bei aufsteigender Feuchtigkeit, seitlich eindringendem Wasser, Schlagregen oder undichten Leitungen muss die Ursache untersucht und gegebenenfalls beseitigt werden.
Kalkputz kann die Austrocknung eines feuchten Mauerwerks unterstützen, vorausgesetzt, der Putz ist kapillar aktiv und das Raumklima ermöglicht die Abgabe der Feuchtigkeit.
Sorption bezeichnet bei Baustoffen die Fähigkeit, Feuchtigkeit aus der Umgebung aufzunehmen und bei veränderten Bedingungen wieder abzugeben. Sie spielt deshalb eine wichtige Rolle für das Feuchteverhalten von Wand- und Deckenoberflächen.
Bei porösen Baustoffen wie Kalkputz oder Lehmputz kann Wasserdampf aus der Raumluft an den inneren Oberflächen des Porengefüges angelagert werden. Steigt die relative Luftfeuchtigkeit, nimmt der Baustoff Feuchtigkeit auf. Sinkt sie wieder, wird die gespeicherte Feuchtigkeit an die Raumluft abgegeben.
Die Aufnahme wird als Adsorption, die anschließende Abgabe als Desorption bezeichnet. Der übergeordnete Begriff für beide Vorgänge ist Sorption.
Sorption ist damit eine wesentliche Voraussetzung für die Feuchtepufferung eines Baustoffs. Je nach Porenstruktur und Material können kurzfristige Schwankungen der Raumluftfeuchtigkeit dadurch abgeschwächt werden.
Nicht verwechselt werden sollte Sorption mit Kapillarität. Bei der Sorption geht es vor allem um die Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit aus der Luft an den Porenoberflächen. Beim kapillaren Feuchtetransport wird dagegen flüssiges Wasser innerhalb des Porengefüges transportiert.
Bei Kalkputz tragen Sorption und kapillarer Feuchtetransport gemeinsam zu seinem Feuchteverhalten bei. Dichte oder wenig sorptionsfähige Beschichtungen können diese Eigenschaften der Putzoberfläche einschränken.
Feuchtepufferung bezeichnet die Fähigkeit eines Baustoffs, Feuchtigkeit aus der Raumluft vorübergehend aufzunehmen und später wieder an die Raumluft abzugeben. Dadurch können kurzfristige Schwankungen der relativen Luftfeuchtigkeit abgeschwächt werden.
Steigt die Luftfeuchtigkeit beispielsweise beim Duschen, Kochen oder durch anwesende Personen, kann ein sorptionsfähiger Kalkputz Wasserdampf beziehungsweise Feuchtigkeit an seiner Oberfläche aufnehmen und in seinem Porengefüge einlagern. Sinkt die Luftfeuchtigkeit anschließend wieder, wird die gespeicherte Feuchtigkeit nach und nach an die Raumluft abgegeben.
Wie gut ein Kalkputz Feuchtigkeit puffern kann, hängt unter anderem von seiner Porenstruktur, Zusammensetzung und Oberfläche ab. Auch der Anstrich spielt eine wichtige Rolle. Dichte oder wenig sorptionsfähige Beschichtungen können die Feuchtepufferung des darunterliegenden Kalkputzes deutlich einschränken.
Feuchtepufferung darf nicht mit der Aufnahme von Wasser aus einer feuchten Wand verwechselt werden. Sie beschreibt in erster Linie den Austausch von Feuchtigkeit zwischen Baustoffoberfläche und Raumluft.
Kalkputz kann dadurch kurzfristige Feuchtespitzen im Raum abpuffern, ersetzt aber weder ausreichendes Lüften und Heizen noch die Beseitigung baulicher Feuchteursachen.
Kapillar aktiv bedeutet, dass ein Baustoff flüssiges Wasser über seine feinen Poren aufnehmen, weitertransportieren und wieder abgeben kann. Ursache dafür sind Kapillarkräfte innerhalb des Porengefüges.
Bei einem kapillar aktiven Kalkputz kann Wasser von der Oberfläche oder aus angrenzenden feuchten Bereichen aufgenommen und im Putz verteilt werden. Dadurch konzentriert sich Feuchtigkeit nicht ausschließlich an einer Stelle, sondern kann sich über eine größere Fläche verteilen und bei geeigneten Umgebungsbedingungen wieder verdunsten.
Die kapillare Aktivität ist besonders bei älterem Mauerwerk und historischen Gebäuden von Bedeutung. Dort kann Feuchtigkeit beispielsweise durch Schlagregen, aufsteigende Feuchte oder andere Feuchtebelastungen in das Mauerwerk gelangen. Ein geeigneter Kalkputz kann den Feuchtetransport und die Austrocknung des Bauteils unterstützen.
Kapillarität darf dabei nicht mit Wasserdampfdiffusion verwechselt werden. Bei der Diffusion wird Wasserdampf transportiert, bei der kapillaren Wasserleitung dagegen flüssiges Wasser.
Auch eine kapillar aktive Oberfläche kann jedoch keine dauerhafte Feuchteursache beseitigen. Bei stark oder dauerhaft durchfeuchtetem Mauerwerk muss deshalb immer die Ursache der Feuchtigkeit untersucht werden.
Kapillar aktive Baustoffe können Wasser aufnehmen, verteilen und wieder abgeben, genau diese Eigenschaft ist ein wichtiger Bestandteil des Feuchteverhaltens von Kalkputz.
Kalkputz ist in der Regel diffusionsoffen. Das bedeutet, dass Wasserdampf durch den Putz hindurchtransportiert werden kann. Wie diffusionsoffen ein Kalkputz tatsächlich ist, hängt jedoch von seiner Zusammensetzung, Rohdichte und Porenstruktur ab.
Beschrieben wird der Widerstand gegen Wasserdampfdiffusion häufig durch die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl μ (My). Je niedriger dieser Wert ist, desto geringer ist der Widerstand, den ein Baustoff der Wasserdampfdiffusion entgegensetzt. Für die Beurteilung eines gesamten Bauteils spielt zusätzlich die Dicke der jeweiligen Materialschicht eine Rolle.
Bei Kalkputz ist allerdings wichtig, Diffusionsoffenheit nicht mit Feuchteregulierung gleichzusetzen. Für das Feuchteverhalten sind neben der Wasserdampfdiffusion auch Sorption und kapillarer Feuchtetransport von Bedeutung. Ein geeigneter Kalkputz kann Feuchtigkeit an seiner Oberfläche aufnehmen, im Porengefüge verteilen und bei entsprechenden Umgebungsbedingungen wieder abgeben.
Auch die nachfolgende Beschichtung beeinflusst das Verhalten. Ein diffusionsoffener Kalkputz kann durch ungeeignete oder sehr dichte Beschichtungen in seinen Eigenschaften eingeschränkt werden.
Die Diffusionsoffenheit ist deshalb nur eine von mehreren Eigenschaften, die das Feuchteverhalten eines Kalkputzes bestimmen. Gerade bei Kalkputz sind Sorptionsfähigkeit und kapillarer Feuchtetransport mindestens ebenso wichtig.
Kalkputz kann überstrichen werden, allerdings ist nicht jede Farbe für jeden Kalkputz geeignet. Entscheidend sind die Zusammensetzung des Putzes, sein Zustand und die Vorgaben des jeweiligen Herstellers.
Besonders geeignet sind mineralische Anstriche wie Kalkfarben, Reinsilikatfarben oder geeignete Silikatfarben. Sie sind auf mineralische Untergründe abgestimmt und erhalten die typischen Eigenschaften eines Kalkputzes weitgehend.
Eine Kalkfarbe kann je nach Putzsystem sogar auf noch frischem Kalkputz aufgetragen werden. Bei dieser freskalen Verarbeitung karbonatisieren Putz und Kalkfarbe gemeinsam. Der Kalkputz muss dafür also nicht vollständig durchgetrocknet oder karbonatisiert sein.
Bei anderen Anstrichen muss der Putz den für das jeweilige Farbsystem erforderlichen Zustand erreicht haben. Eine allgemeingültige Wartezeit gibt es deshalb nicht.
Dispersionsfarben sind nicht für jeden Kalkputz geeignet. Bei manchen Kalkputzen schließen die Hersteller Dispersionsfarben ausdrücklich aus. Darüber hinaus können organisch gebundene Beschichtungen je nach Zusammensetzung die Wasseraufnahme, Sorptionsfähigkeit und kapillare Feuchteabgabe des Kalkputzes verändern. Sehr dichte Beschichtungen können bei noch nicht ausreichend karbonatisiertem Luftkalkputz außerdem die weitere Karbonatisierung beeinträchtigen.
Vor dem Überstreichen eines Kalkputzes sollten deshalb immer die Verarbeitungsvorgaben des Putz- und Farbenherstellers beachtet werden. Wer die Eigenschaften eines reinen Kalkputzes möglichst erhalten möchte, ist mit einem darauf abgestimmten mineralischen Anstrich in der Regel am besten beraten.
Ob Kalkputz mit Dispersionsfarbe gestrichen werden kann, hängt vom verwendeten Kalkputz und der Dispersionsfarbe ab. Bei einigen Kalkputzen schließen die Hersteller Dispersionsfarben ausdrücklich aus. Wer die typischen Eigenschaften eines Kalkputzes möglichst erhalten möchte, sollte jedoch besser einen darauf abgestimmten mineralischen Anstrich verwenden.
Dispersionsfarben enthalten organische Kunststoffdispersionen als Bindemittel. Beim Trocknen bilden sie einen zusammenhängenden Film auf der Putzoberfläche. Je nach Zusammensetzung und Schichtdicke kann dieser die Wasseraufnahme, Sorptionsfähigkeit und kapillare Feuchteabgabe des Kalkputzes verändern beziehungsweise vermindern.
Dabei sind Dispersionsfarben nicht grundsätzlich „dampfdicht“. Moderne Produkte können durchaus eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit besitzen. Für das Feuchteverhalten eines Kalkputzes ist jedoch nicht allein die Diffusionsoffenheit entscheidend, sondern auch, wie die Oberfläche Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann.
Bei einem noch nicht ausreichend karbonatisierten Kalkputz kann eine sehr dichte Beschichtung außerdem den Zutritt von Kohlendioxid (CO₂) reduzieren und dadurch die weitere Karbonatisierung verlangsamen.
Soll ein reiner Kalkputz seine mineralischen und feuchteregulierenden Eigenschaften möglichst uneingeschränkt behalten, sind Kalkfarben, Reinsilikatfarben oder geeignete hochwertige Silikatfarben in der Regel die bessere Wahl.
Dispersionsfarbe auf Kalkputz ist möglich, aus bauphysikalischer und materialgerechter Sicht aber nicht die beste Lösung.
Kalkfarbe und Silikatfarbe sind mineralische Anstriche, unterscheiden sich aber vor allem durch ihr Bindemittel und die Art ihrer Erhärtung. Bei reiner Kalkfarbe ist Kalk das Bindemittel, bei Silikatfarbe ist es Wasserglas.
Kalkfarbe wird traditionell aus gelöschtem Kalk, beispielsweise Sumpfkalk, und Wasser hergestellt. Für farbige Anstriche können kalkechte Pigmente zugesetzt werden. Die Erhärtung erfolgt durch Karbonatisierung: Calciumhydroxid reagiert mit Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft zu Calciumcarbonat. Auf frischem Kalkputz kann Kalkfarbe auch freskal verarbeitet werden, sodass Putz und Anstrich gemeinsam karbonatisieren.
Reinsilikatfarbe verwendet in der Regel Kaliwasserglas als Bindemittel. Sie erhärtet durch Verkieselung, wobei das Wasserglas mit geeigneten mineralischen Bestandteilen des Untergrundes und der Farbe reagiert. Dadurch entsteht eine feste Verbindung mit dem mineralischen Untergrund.
Daneben gibt es Dispersionssilikatfarben. Sie enthalten zusätzlich organische Bestandteile beziehungsweise Dispersionsbindemittel und sind deshalb nicht mit einer reinen Silikatfarbe gleichzusetzen.
Beide Farbsysteme können diffusionsoffen sein und eignen sich grundsätzlich für mineralische Untergründe. Kalkfarbe passt besonders gut zu reinem Kalkputz, während Reinsilikatfarbe eine sehr widerstandsfähige mineralische Beschichtung ermöglichen kann.
Wer einen möglichst ursprünglichen und vollständig mineralischen Aufbau auf einem Kalkputz erhalten möchte, kann daher Kalkfarbe oder eine geeignete Reinsilikatfarbe verwenden. Entscheidend sind immer Untergrund, gewünschte Oberfläche, Beanspruchung und die tatsächliche Zusammensetzung der Farbe.
Für Kalkputz eignen sich besonders mineralische Anstriche, die auf das Feuchteverhalten des Putzes abgestimmt sind. Dazu gehören vor allem Kalkfarben, Reinsilikatfarben und hochwertige Silikatfarben.
Besonders gut passt eine reine Kalkfarbe, beispielsweise Sumpfkalkfarbe, zu einem reinen Kalkputz. Kalkfarbe ist mineralisch, diffusionsoffen und beeinträchtigt die Sorptionsfähigkeit und den kapillaren Feuchtetransport des Kalkputzes kaum. Auf frischem Kalkputz kann sie je nach System auch freskal aufgetragen werden. Putz und Anstrich karbonatisieren dann gemeinsam.
Auch Silikatfarben können auf Kalkputz eingesetzt werden. Dabei sollte jedoch zwischen Reinsilikatfarben und Dispersionssilikatfarben unterschieden werden. Letztere enthalten zusätzlich organische Bindemittel. Entscheidend sind deshalb die Zusammensetzung der Farbe und ihre Eignung für den vorhandenen Kalkputz.
Dispersions- und Latexfarben sind technisch ebenfalls möglich, verändern jedoch die Oberflächeneigenschaften des Kalkputzes. Je nach Produkt können sie Wasseraufnahme, Sorption und kapillare Feuchteabgabe stärker einschränken als mineralische Anstriche.
Bei einem noch nicht ausreichend karbonatisierten Kalkputz können sehr dichte Beschichtungen außerdem den Zutritt von Kohlendioxid erschweren und damit die weitere Karbonatisierung behindern.
Wer die typischen Eigenschaften eines Kalkputzes möglichst erhalten möchte, sollte deshalb einen darauf abgestimmten mineralischen Anstrich verwenden. Besonders geeignet sind reine Kalkfarben, Reinsilikatfarben oder hochwertige Silikatfarben mit einem möglichst geringen Anteil organischer Bestandteile.
Trocknung und Erhärtung sind bei Kalkputz zwei unterschiedliche Vorgänge. Beim Trocknen gibt der Putz überschüssiges Wasser an seine Umgebung ab. Bei der Erhärtung laufen chemische Reaktionen ab, durch die der Kalkputz seine Festigkeit entwickelt.
Für die Trocknung kann als grobe Faustregel mit etwa 24 Stunden pro Millimeter Putzdicke gerechnet werden. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Untergrund, Luftbewegung und Putzart können diese Zeit jedoch deutlich beeinflussen.
Bei einem Luftkalkputz erfolgt die Erhärtung hauptsächlich durch Karbonatisierung. Calciumhydroxid reagiert dabei mit Kohlendioxid (CO₂) zu Calciumcarbonat. Dieser Vorgang dauert wesentlich länger als die reine Trocknung. Als sehr grobe Orientierung wird häufig von einer Karbonatisierungstiefe von etwa 1 mm pro Monat ausgegangen. Die tatsächliche Geschwindigkeit hängt jedoch stark von den jeweiligen Bedingungen ab.
Bei natürlich hydraulischem Kalk (NHL) laufen zusätzlich hydraulische Erhärtungsreaktionen ab. Gleichzeitig karbonatisiert der vorhandene freie Kalkanteil.
Für das Aufbringen der nächsten Putzlage muss die vorherige Lage jedoch nicht vollständig erhärtet oder karbonatisiert sein. Entscheidend ist der jeweilige Putzaufbau. Manche Kalkoberputze werden bereits nach kurzer Wartezeit nass in nass aufgebracht. Bei Kalkgrundputzen und größeren Schichtdicken wird dagegen meist eine entsprechende Trocknungszeit zwischen den einzelnen Lagen eingehalten.
Auch das Einziehen beziehungsweise Glätten einer Kalkputzoberfläche erfolgt lange vor der vollständigen Erhärtung. Maßgeblich ist dabei der richtige Bearbeitungszeitpunkt und nicht die abgeschlossene Karbonatisierung.
Trocknung bedeutet Wasserabgabe. Erhärtung bedeutet Festigkeitsentwicklung. Ein Kalkputz kann daher bereits für den nächsten Arbeitsgang geeignet sein, obwohl seine Erhärtung und Karbonatisierung noch lange nicht abgeschlossen sind.
Wie lange zwischen zwei Kalkputzlagen gewartet werden muss, hängt vor allem von der Putzart, der Schichtdicke und der vorgesehenen Verarbeitungstechnik ab. Die Wartezeit kann deshalb von wenigen Minuten bis zu mehreren Wochen reichen.
Bei Kalkoberputzen, die zweilagig nass in nass verarbeitet werden, wird die zweite Lage bereits aufgebracht, wenn die erste ausreichend angezogen hat. Je nach Material und Baustellenbedingungen können dafür bereits etwa 15 bis 60 Minuten ausreichen. Die erste Lage soll dabei nicht durchtrocknen, sondern eine geeignete Festigkeit für die weitere Bearbeitung erreicht haben.
Anders ist es bei Kalkgrundputzen und größeren Putzdicken. Hier muss die vorherige Lage ausreichend trocknen und erhärten, bevor die nächste Lage aufgebracht wird. Als grobe Orientierung wird häufig mit etwa einem Tag Trocknungszeit pro Millimeter Putzdicke gerechnet. Diese Faustregel ersetzt jedoch nicht die Beurteilung des tatsächlichen Putzes.
Bei mehreren Zentimeter dicken Kalkgrund- oder Kalkdämmputzen können entsprechend deutlich längere Trocknungszeiten zwischen den einzelnen Lagen erforderlich sein. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Untergrund und Luftbewegung beeinflussen die Trocknung zusätzlich.
Wichtig ist außerdem: Trocknung, Erhärtung und Karbonatisierung sind nicht dasselbe. Ein Kalkputz kann ausreichend trocken für den nächsten Arbeitsgang sein, obwohl seine chemische Erhärtung noch nicht abgeschlossen ist.
Die notwendige Wartezeit zwischen zwei Kalkputzlagen reicht daher je nach System von etwa 15 bis 60 Minuten bei einer Nass-in-nass-Verarbeitung bis zu mehreren Tagen oder Wochen bei dickeren Putzlagen. Maßgeblich sind immer Putzart, Schichtdicke, Baustellenbedingungen und die Verarbeitungsvorgaben des verwendeten Materials.
Kalkputz darf nicht zu schnell austrocknen, weil ausreichend Feuchtigkeit für seine Erhärtung erforderlich ist. Wird dem frischen Putz zu schnell Wasser entzogen, können Festigkeit, Haftung und Gefügeentwicklung beeinträchtigt werden.
Bei Luftkalkputz erfolgt die Erhärtung hauptsächlich durch Karbonatisierung. Dabei reagiert Calciumhydroxid mit Kohlendioxid (CO₂) zu Calciumcarbonat. Für diese Reaktion ist neben Kohlendioxid auch Feuchtigkeit erforderlich. Trocknet der Putz zu schnell aus, wird die Karbonatisierung stark verlangsamt.
Natürlich hydraulischer Kalk (NHL) erhärtet ebenfalls durch Karbonatisierung des freien Kalkanteils. Zusätzlich laufen hydraulische Erhärtungsreaktionen ab. Für beide Vorgänge ist Wasser beziehungsweise eine ausreichende Feuchtigkeit erforderlich. Zu schnelles Austrocknen kann deshalb auch bei NHL die Erhärtung beeinträchtigen.
Darüber hinaus kann ein schneller Wasserverlust zu Schwindrissen, Absanden und einer verminderten Festigkeit des Kalkputzes führen. Ursachen können stark saugende Untergründe, hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung, Wind oder eine zu geringe Luftfeuchtigkeit sein.
Frischer Kalkputz sollte deshalb vor zu schneller Austrocknung geschützt werden. Je nach Baustellenbedingungen kann es notwendig sein, den Untergrund vorzunässen, Fassaden zu beschatten und den Putz während der ersten Zeit vorsichtig nachzufeuchten.
Kalkputz muss trocknen aber kontrolliert und nicht zu schnell. Besonders die Bedingungen während der ersten Tage haben einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität des fertigen Putzes.
Kalkputz sollte in der Regel bei Temperaturen von mindestens +5 °C verarbeitet werden. Dabei ist nicht nur die Lufttemperatur entscheidend, sondern auch die Temperatur des Untergrundes und des verwendeten Materials.
Während der Verarbeitung und der ersten Erhärtungsphase darf der frische Kalkputz keinem Frost ausgesetzt werden. Gefriert das im Putz enthaltene Wasser, bevor der Putz ausreichend erhärtet ist, kann das Gefüge geschädigt werden und es können Festigkeitsverluste, Abplatzungen oder andere Putzschäden entstehen.
Auch hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung und starker Wind können problematisch sein. Sie führen dazu, dass dem frischen Kalkputz zu schnell Wasser entzogen wird. Besonders bei Fassaden muss der Putz deshalb gegebenenfalls beschattet, vor Wind geschützt und ausreichend feucht gehalten werden.
Als günstiger Verarbeitungsbereich gelten Temperaturen zwischen etwa +5 °C und +30 °C. Die konkreten Temperaturgrenzen können jedoch je nach Kalkputz unterschiedlich sein, weshalb die Angaben des jeweiligen Herstellers zu beachten sind.
Entscheidend ist außerdem nicht nur die Temperatur beim Auftragen. Auch während der anschließenden Erhärtungs- und Trocknungszeit müssen geeignete Bedingungen herrschen. Deshalb sollte Kalkputz im Außenbereich nicht verarbeitet werden, wenn kurz nach der Ausführung Frost, große Hitze oder extreme Austrocknung zu erwarten sind.
Saugfähige Untergründe werden vor dem Auftragen von Kalkputz vorgenässt, damit sie dem frischen Putz nicht zu schnell Wasser entziehen. Saugfähige Mauersteine wie Ziegel, Betonhohlblocksteine oder Kalksandsteine, aber auch saugfähige Bestandsputze, können große Mengen Wasser aufnehmen.
Entzieht der Untergrund dem frischen Kalkputz zu schnell Wasser, kann dies die Verarbeitung, Haftung und Erhärtung beeinträchtigen und die Entstehung von Schwindrissen begünstigen. Für die Erhärtung von Kalkputzen sind geeignete Feuchtebedingungen besonders wichtig.
Durch das Vornässen wird die Saugfähigkeit des Untergrundes reduziert und vergleichmäßigt. Der Kalkputz lässt sich dadurch besser verarbeiten und trocknet nicht unmittelbar an der Kontaktfläche zum Untergrund aus.
Der Untergrund sollte beim Verputzen mattfeucht, aber nicht wassergesättigt oder mit einem Wasserfilm bedeckt sein. Stehendes Wasser kann die Haftung des Putzes beeinträchtigen.
Nicht jeder Untergrund muss vorgenässt werden. Entscheidend sind Material, Saugfähigkeit, Temperatur und Baustellenbedingungen. Stark saugende mineralische Untergründe können ein mehrmaliges oder bereits am Vortag beginnendes Vornässen erforderlich machen.
Kalkunterputz und Kalkoberputz unterscheiden sich vor allem durch ihre Aufgabe, Körnung und Schichtdicke innerhalb des Putzaufbaus. Der Unterputz bildet die ausgleichende und tragfähige Grundlage, während der Oberputz die sichtbare Oberfläche herstellt.
Der Kalkunterputz, häufig auch Kalkgrundputz genannt, wird direkt auf den entsprechend vorbereiteten Untergrund aufgebracht. Er gleicht Unebenheiten aus und stellt eine möglichst gleichmäßige Fläche für die weiteren Putzlagen her. Im Innenbereich wird ein klassischer Kalkgrundputz häufig etwa 15 mm, im Außenbereich etwa 20 mm dick ausgeführt. Größere Schichtdicken können mehrlagig aufgebaut werden.
Der Kalkoberputz wird auf den Grundputz aufgetragen und bestimmt wesentlich die spätere Struktur und Optik der Oberfläche. Je nach Material und gewünschter Gestaltung kann er beispielsweise gefilzt, gerieben, geglättet oder frei strukturiert werden. Kalkoberputze werden deutlich dünner verarbeitet und können je nach Produkt und Körnung etwa 0,5 bis 5 mm dick sein.
Grund- und Oberputz sollten hinsichtlich Festigkeit, Saugverhalten und Verarbeitung aufeinander abgestimmt sein. Besonders bei traditionellen Kalkputzsystemen sollte der Oberputz nicht wesentlich härter oder dichter als der darunterliegende Grundputz sein.
Vereinfacht gesagt: Der Kalkunterputz stellt den Putzgrund und den erforderlichen Ausgleich her, der Kalkoberputz bildet die fertige sichtbare Oberfläche.
Kalkputz wird meistens mehrlagig aufgebaut. Wie viele Schichten erforderlich sind, hängt vom Untergrund, der benötigten Putzdicke, der Beanspruchung und der gewünschten Oberfläche ab.
Ein klassischer Putzaufbau besteht häufig aus Kalkgrundputz und Kalkoberputz. Der Grundputz gleicht Unebenheiten aus und bildet die Grundlage für den dünneren Oberputz, der Struktur und Aussehen der fertigen Oberfläche bestimmt.
Bei stark saugenden, ungleichmäßigen oder schwierigen Untergründen kann zusätzlich ein Vorspritzmörtel beziehungsweise eine geeignete Untergrundvorbereitung erforderlich sein.
Auf Fassaden sowie bei kritischen oder unterschiedlichen Untergründen hat sich zusätzlich eine Armierungslage aus geeignetem Kalkmörtel mit eingebettetem Armierungsgewebe bewährt. Sie kann Spannungen im Putzaufbau verteilen und dadurch das Risiko von Rissen reduzieren. Besonders sinnvoll kann sie beispielsweise bei Materialwechseln, Mischmauerwerk oder größeren ausgebesserten Flächen sein.
Sind größere Gesamtdicken erforderlich, kann der Kalkgrundputz in mehreren Lagen aufgebaut werden. Auch Kalkdämmputze werden bei größeren Schichtdicken mehrlagig verarbeitet.
Zwischen den einzelnen Putzlagen muss ausreichend Trocknungs- und Erhärtungszeit eingehalten werden. Bei größeren Schichtdicken ist dies besonders wichtig.
Ein Kalkputz kann somit aus Grundputz und Oberputz bestehen, aber auch Vorspritzmörtel, mehrere Grundputzlagen und eine zusätzliche Armierungslage umfassen. Entscheidend ist ein auf Untergrund und Beanspruchung abgestimmter Putzaufbau.
Die Schichtdicke von Kalkputz hängt davon ab, ob es sich um Grundputz, Oberputz oder Dämmputz handelt. Außerdem spielen Untergrund, Material und der erforderliche Putzaufbau eine wichtige Rolle.
Ein klassischer Kalkgrundputz wird im Innenbereich üblicherweise etwa 15 mm und im Außenbereich etwa 20 mm dick aufgetragen. Diese Schichtdicken können je nach verwendetem Produkt und Untergrund variieren.
Kalkoberputze werden wesentlich dünner verarbeitet. Je nach Material, Körnung und gewünschter Oberfläche liegen die Schichtdicken ungefähr zwischen 0,5 und 5 mm.
Deutlich größere Schichtdicken sind ebenfalls möglich. Müssen beispielsweise Unebenheiten im Mauerwerk ausgeglichen werden, kann ein Kalkgrundputz mehrlagig auch 4, 6 oder sogar 10 cm Gesamtdicke erreichen.
Kalkdämmputze können je nach Material in einer Lage bis etwa 5 cm dick aufgetragen werden. Durch einen mehrlagigen Aufbau sind Gesamtdicken von 10, 15 oder auch 20 cm möglich.
Bei solchen großen Putzdicken ist die Trocknung zwischen den einzelnen Lagen besonders wichtig. Die nächste Lage sollte nicht einfach auf einen noch zu feuchten Unterputz aufgebracht werden. Trocknungszeit, Schichtdicke und Baustellenbedingungen müssen beim gesamten Putzaufbau berücksichtigt werden.
Eine pauschale maximale Dicke für Kalkputz gibt es deshalb nicht. Entscheidend ist, welche Kalkputzart verwendet wird und ob die erforderliche Gesamtdicke fachgerecht ein- oder mehrlagig aufgebaut werden kann.
Kalkputz kann im Innenbereich grundsätzlich auf einen tragfähigen Zementputz aufgebracht werden. Im Außenbereich ist ein solcher Aufbau dagegen kritisch und sollte insbesondere bei reinen, kapillar aktiven Kalkputzen vermieden werden.
Im Innenbereich muss der vorhandene Zementputz fest, sauber und ausreichend tragfähig sein. Sehr glatte oder schwach saugende Oberflächen müssen gegebenenfalls aufgeraut oder mit einer geeigneten mineralischen Haftbrücke beziehungsweise einem abgestimmten Vorspritzmörtel vorbereitet werden.
Problematischer ist die Kombination Kalkputz auf Zementputz an der Außenfassade. Kalkputz kann Niederschlagsfeuchtigkeit kapillar aufnehmen und wieder abgeben. Trifft diese Feuchtigkeit innerhalb des Putzaufbaus auf einen wesentlich dichteren und weniger kapillar leitfähigen Zementputz, kann die Weiterleitung beziehungsweise Austrocknung nach innen behindert werden. Dadurch kann sich die Feuchtebelastung im Bereich des Materialübergangs erhöhen.
Kommt bei niedrigen Temperaturen Frost hinzu, steigt das Schadensrisiko zusätzlich. Gefrierendes Wasser vergrößert sein Volumen und kann bei ausreichender Wassersättigung zu Abplatzungen, Ablösungen und Gefügeschäden im Putz führen. Wiederholte Frost-Tau-Wechsel können diesen Prozess verstärken.
Im Außenbereich sollte deshalb kein stark kapillar aktiver Kalkputz einfach auf einen vorhandenen dichten Zementputz aufgebracht werden. Besonders bei historischen Fassaden ist ein in seinen Festigkeits-, Kapillar- und Feuchteeigenschaften durchgängig aufeinander abgestimmter Putzaufbau die sicherere Lösung.
Im Innenbereich kann Kalkputz auf Zementputz dagegen funktionieren, wenn Haftung, Saugverhalten und Festigkeiten der einzelnen Schichten aufeinander abgestimmt sind.
Kalkputz kann auf Gipsputz aufgebracht werden, allerdings ist Gips kein idealer Untergrund für jeden Kalkputz. Entscheidend sind der vorhandene Gipsputz, seine Tragfähigkeit und der verwendete Kalkputz.
Der Gipsputz muss trocken, fest, sauber und ausreichend tragfähig sein. Glatte oder stark saugende Oberflächen benötigen gegebenenfalls eine geeignete Untergrundvorbereitung beziehungsweise Haftbrücke.
Besondere Vorsicht ist bei hydraulischen oder zementhaltigen Kalkputzen geboten. Treffen sulfathaltiger Gips und calciumaluminathaltige Bindemittel unter Feuchteeinwirkung zusammen, können sich unter ungünstigen Bedingungen expansive Reaktionsprodukte wie Ettringit bilden. Dadurch können Spannungen, Ablösungen oder andere Putzschäden entstehen.
Bei einem reinen Luftkalkputz ohne Zement und ohne hydraulische Bestandteile ist dieses spezielle Ettringitrisiko wesentlich geringer. Trotzdem müssen Haftung, Saugverhalten und Festigkeit des vorhandenen Gipsputzes zum neuen Putzaufbau passen.
Soll lediglich eine dünne mineralische Oberfläche hergestellt werden, kann ein dafür abgestimmter Kalkfeinputz oder eine Kalkglätte auf entsprechend vorbereitetem Gipsputz möglich sein. Für dickere Putzlagen muss der gesamte Aufbau genauer beurteilt werden.
Kalkputz auf Gipsputz ist deshalb nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Bei zementhaltigen oder hydraulischen Kalkputzen muss die Materialverträglichkeit jedoch vor der Ausführung noch genauer geprüft und ein vom Hersteller freigegebener Systemaufbau verwendet werden.
Alten Kalkputz kann man anhand verschiedener Merkmale vermuten, eindeutig bestimmen lässt er sich allein durch eine Sichtprüfung jedoch nicht immer. Farbe, Festigkeit, Körnung, Bruchbild und das Verhalten gegenüber Wasser können erste Hinweise geben.
Traditionelle Kalkputze sind häufig weißlich, beige oder hellgrau, wobei die Farbe wesentlich von den verwendeten Sanden und Zuschlägen bestimmt wird. Sie sind meist vergleichsweise weich und lassen sich leichter ritzen oder abreiben als viele zementreiche Putze. Historische Kalkputze können außerdem sehr unterschiedliche Körnungen und örtlich auch gröbere Zuschläge besitzen.
Ein weiterer Hinweis ist das Feuchteverhalten. Unbeschichteter Kalkputz nimmt Wasser in der Regel relativ schnell auf und verteilt es kapillar. Alte Anstriche, Verschmutzungen oder nachträgliche Beschichtungen können dieses Verhalten allerdings deutlich verändern.
Auch eine Probe mit verdünnter Salzsäure kann einen Hinweis liefern. Enthält der Putz Calciumcarbonat, reagiert dieses mit der Salzsäure unter Freisetzung von Kohlendioxid (CO₂) und es kommt zu einem sichtbaren Aufbrausen. Salzsäure kann je nach Konzentration reizend oder ätzend wirken. Bei der Anwendung sind deshalb die Angaben des Herstellers und die entsprechenden Schutzmaßnahmen zu beachten.
Die Reaktion beweist jedoch nicht, dass es sich um einen reinen Kalkputz handelt. Auch Kalkzementputze, carbonathaltige Zuschläge und andere carbonathaltige Baustoffe können mit Salzsäure reagieren. Die Salzsäureprobe weist daher Carbonate nach, nicht die genaue Zusammensetzung oder die Art des Bindemittels.
An Farbe, Härte oder einer einzelnen Baustellenprobe lässt sich ein alter Putz deshalb nicht sicher als Kalkputz identifizieren. Wenn die genaue Zusammensetzung beispielsweise für eine denkmalgerechte Sanierung wichtig ist, kann eine Mörtel- beziehungsweise Laboranalyse sinnvoll sein.
Alter Kalkputz sollte möglichst erhalten werden, wenn er noch ausreichend tragfähig ist oder sich fachgerecht sichern und festigen lässt. Gerade bei historischen Gebäuden ist alter Putz Teil der ursprünglichen Bausubstanz und muss nicht allein wegen Rissen, Fehlstellen, Hohlstellen oder einer sandenden Oberfläche vollständig entfernt werden.
Zunächst wird geprüft, wie fest der Putz noch mit dem Untergrund verbunden und wie stabil sein Gefüge ist. Tragfähige Flächen können bestehen bleiben, Fehlstellen lassen sich mit einem zum Bestand passenden Kalkmörtel ergänzen.
Auch hohlliegender Kalkputz muss nicht zwangsläufig abgeschlagen werden. Ist die Putzschale noch ausreichend stabil, kann sie beispielsweise durch Hinterspritzen beziehungsweise Hinterfüllen mit einem geeigneten mineralischen Mörtel wieder mit dem Untergrund verbunden werden.
Ein weiteres häufiges Problem ist sandender oder mürber Kalkputz. Ist der Putz grundsätzlich noch erhaltenswert, kann eine begrenzte Entfestigung beispielsweise durch wiederholtes Auftragen von Kalksinterwasser behandelt werden. Reicht dessen Festigungswirkung nicht aus, kann bei geeigneten mineralischen Untergründen auch Lithiumwasserglas zur Festigung eingesetzt werden.
Lithiumwasserglas dringt in den porösen mineralischen Untergrund ein und kann durch Reaktionen mit mineralischen Bestandteilen das Gefüge festigen. Gegenüber anderen Wassergläsern besitzt es für solche Anwendungen Vorteile und wird deshalb auch zur Festigung mineralischer Oberflächen eingesetzt.
Entscheidend ist jedoch, dass nicht nur eine harte Oberflächenschicht entsteht. Soll auf dem alten Kalkputz anschließend weiterverputzt werden, muss der vorhandene Putz insgesamt ausreichend tragfähig sein und die Festigung mit dem vorgesehenen Putzaufbau verträglich bleiben. Bei stark entfestigtem Putz sind auch der Festigung mit Kalksinterwasser oder Lithiumwasserglas Grenzen gesetzt.
Kalkputz lässt sich in der Regel sehr gut reparieren. Schadstellen können häufig örtlich ausgebessert und historische Putzflächen teilweise sogar erhalten werden, wenn sie sich bereits vom Untergrund gelöst haben.
Zunächst sollte geklärt werden, wodurch der Schaden entstanden ist. Lose oder nicht mehr erhaltenswerte Bereiche können entfernt und mit einem zum Bestand passenden Kalkmörtel ergänzt werden. Der Reparaturmörtel sollte hinsichtlich Bindemittel, Festigkeit, Körnung und Feuchteverhalten möglichst gut zum vorhandenen Putz und Untergrund passen.
Besonders in der Baudenkmalpflege gilt jedoch der Grundsatz, möglichst viel historische Substanz zu erhalten. Hohlliegender Altputz muss deshalb nicht automatisch abgeschlagen werden. Ist die Putzschale noch ausreichend erhalten, kann sie beispielsweise durch Hinterspritzen beziehungsweise Hinterfüllen mit einem geeigneten mineralischen Injektions- oder Hinterfüllmörtel wieder mit dem Untergrund verbunden werden.
Risse und kleinere Fehlstellen können ebenfalls mit abgestimmten Kalkmörteln geschlossen beziehungsweise ergänzt werden. Tiefere Fehlstellen werden gegebenenfalls mehrlagig aufgebaut und die Oberfläche anschließend an den vorhandenen Putz angepasst.
Bei historischen Kalkputzen gilt deshalb: Erhalten und reparieren geht möglichst vor vollständigem Ersetzen. Selbst hohlliegende Putzflächen können unter geeigneten Voraussetzungen gesichert und dauerhaft erhalten werden.
Risse im Kalkputz können unterschiedliche Ursachen haben und entstehen häufig durch Spannungen im Putz oder durch Bewegungen des Untergrundes. Nicht jeder Riss bedeutet deshalb automatisch, dass der Kalkputz mangelhaft ist.
Typische Ursachen sind ein zu schnelles Austrocknen, eine zu dick aufgetragene Putzlage, unterschiedliche Schichtdicken, ein ungünstiges Mischungsverhältnis oder ein Untergrund, der dem frischen Putz zu schnell Wasser entzieht. Dadurch können insbesondere während der Erhärtung Schwundrisse entstehen.
Auch ein zu hoher Bindemittel- oder Wasseranteil kann die Rissbildung begünstigen. Deshalb sind die richtige Zusammensetzung des Mörtels, eine angepasste Schichtdicke, gegebenenfalls das Vornässen des Untergrundes und der Schutz des frischen Putzes vor Sonne, Wind und zu schneller Austrocknung wichtig.
Andere Risse entstehen nicht im Putz selbst, sondern werden durch Bewegungen im Untergrund verursacht. Materialwechsel, Fugen, Setzungen, schwingende Bauteile oder unterschiedliche thermische und hygrische Verformungen können sich im Kalkputz abzeichnen.
Feine oberflächliche Schwund- oder Haarrisse sind anders zu bewerten als breite oder sich weiter bewegende Risse. Vor einer Reparatur sollte deshalb zunächst die Ursache festgestellt werden. Nur dann lässt sich entscheiden, ob der Riss lediglich oberflächlich behandelt werden kann oder ob der Untergrund beziehungsweise der gesamte Putzaufbau überprüft werden muss.
Kalkputz kann sehr gut als Außenputz verwendet werden und gehört zu den traditionellen Fassadenputzen. Entscheidend sind die richtige Zusammensetzung, die Schichtdicke vom Kalkputz, ein geeigneter Untergrund, die Verarbeitung und die Beanspruchung der Fassade durch Witterung.
Für Außenflächen können je nach Untergrund und Wetterbelastung Luftkalkputze oder Putze mit natürlich hydraulischem Kalk (NHL) eingesetzt werden. Besonders bei historischen Gebäuden sollte die Festigkeit des Putzes auf das vorhandene Mauerwerk abgestimmt sein.
Kalkputze sind wasserdampfdurchlässig und kapillar aktiv. Sie können Niederschlagsfeuchtigkeit aufnehmen und bei geeigneten Bedingungen wieder abgeben. Gleichzeitig muss der Putz so aufgebaut und verarbeitet sein, dass er der jeweiligen Schlagregen- und Frostbeanspruchung standhält.
Besonders wichtig ist die Nachbehandlung und Erhärtung. Frischer Kalkputz muss vor zu schnellem Austrocknen, starkem Wind, direkter Sonneneinstrahlung, Frost und starkem Regen geschützt werden. Bei Luftkalk ist außerdem eine ausreichende Karbonatisierung erforderlich.
Als zusätzlicher Witterungsschutz haben sich auf Kalkputz traditionelle Sumpfkalkanstriche beziehungsweise Kalkfarben sowie geeignete Silikatfarben bewährt. Sie schützen die Putzoberfläche, ohne das Feuchteverhalten unnötig einzuschränken.
Kalkputz ist damit auch außen sehr gut einsetzbar. Der Putzaufbau muss jedoch auf Untergrund, Gebäude und Witterungsbeanspruchung abgestimmt werden.
Kalkputz kann für Keller sehr gut geeignet sein, insbesondere wenn ein mineralischer, kapillar aktiver und feuchteregulierender Wandaufbau gewünscht ist. Entscheidend ist jedoch, woher die Feuchtigkeit kommt und wie stark das Mauerwerk belastet ist.
Reine Kalkputze können Feuchtigkeit kapillar aufnehmen, innerhalb ihres Porengefüges verteilen und bei geeigneten Bedingungen wieder an die Raumluft abgeben. Gerade bei älteren Kellern mit massivem Ziegel- oder Natursteinmauerwerk kann diese Eigenschaft von Vorteil sein.
Kalkputz kann jedoch keine Ursache für dauerhaft eindringende Feuchtigkeit beseitigen. Bei aufsteigender Feuchte, seitlich eindringendem Wasser oder größeren Undichtigkeiten muss zunächst geklärt werden, ob und welche baulichen Maßnahmen erforderlich sind.
Auch eine starke Salzbelastung des Mauerwerks muss berücksichtigt werden. Kristallisierende Salze können selbst einen geeigneten Kalkputz langfristig schädigen. In solchen Fällen muss der Putzaufbau gezielt auf die vorhandene Feuchte- und Salzbelastung abgestimmt werden.
Für viele Keller sind weiche, kapillar aktive und zementfreie Kalkputze eine gute Lösung. Besonders wichtig ist, anschließend keine dichten Beschichtungen aufzubringen, die die Austrocknung der Wandoberfläche behindern können.
Kalkputz ist im Keller also häufig sehr gut geeignet, eine dauerhaft feuchte Kellerwand wird durch Kalkputz allein jedoch nicht saniert.
Zementputz kann im Altbau problematisch sein, weil seine Festigkeit, Steifigkeit und sein Feuchteverhalten häufig nicht zum vorhandenen historischen Untergrund passen. Besonders weiche Ziegel, Naturstein, Fachwerk sowie traditionelle Kalk- oder Lehmbaustoffe benötigen einen darauf abgestimmten Putz.
Zementgebundene Putze erreichen in der Regel eine höhere Festigkeit und Steifigkeit als traditionelle Kalkputze. Bewegungen und Spannungen im Untergrund können dadurch schlechter aufgenommen werden. Ist der Putz deutlich härter und steifer als der vorhandene Untergrund, können Risse, Ablösungen oder Schäden am weicheren historischen Material entstehen.
Auch das Feuchteverhalten kann sich unterscheiden. Je nach Zusammensetzung können zementreiche Putze eine geringere kapillare Wasseraufnahme und ein anderes Trocknungsverhalten als traditionelle Kalkputze besitzen. Bei feuchte- oder salzbelastetem Mauerwerk kann dies dazu führen, dass sich Feuchtigkeit und Salze verstärkt in andere Bereiche des Wandaufbaus oder an Grenzflächen verlagern.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Zementputz in jedem Altbau grundsätzlich ungeeignet ist. Entscheidend sind Untergrund, vorhandene Mörtel und Putze, Feuchte- und Salzbelastung sowie die Eigenschaften des eingesetzten Putzes.
Bei historischen und besonders weichen Untergründen sind deshalb häufig weichere, kapillar aktive und auf den Bestand abgestimmte Kalkputze die verträglichere Lösung. Entscheidend ist der Grundsatz: Der neue Putz sollte zum historischen Untergrund passen, nicht der Untergrund an einen möglichst harten Putz angepasst werden.
Kalkputz eignet sich besonders für historische Gebäude, weil seine Festigkeit und sein Feuchteverhalten gut auf viele traditionelle Mauerwerke abgestimmt werden können. Kalkmörtel und Kalkputze wurden über Jahrhunderte verwendet und sind deshalb Bestandteil vieler historischer Konstruktionen.
Reine Kalkputze sind wasserdampfdurchlässig, sorptionsfähig und kapillar aktiv. Sie können Feuchtigkeit aufnehmen, innerhalb ihres Porengefüges verteilen und bei geeigneten Bedingungen wieder abgeben. Das ist besonders bei älterem Mauerwerk wichtig, das häufig keine modernen Abdichtungen besitzt und zeitweise mit Feuchtigkeit belastet sein kann.
Ein weiterer Vorteil ist die vergleichsweise geringe Festigkeit und gute Verformungsfähigkeit vieler traditioneller Kalkputze. Der Putz kann dadurch an weiches Ziegel-, Naturstein- oder Mischmauerwerk angepasst werden. Ein wesentlich härterer Putz kann dagegen Spannungen erzeugen und Schäden am historischen Untergrund begünstigen.
Auch bei Reparaturen bietet Kalk Vorteile: Erhaltenswerte historische Putzflächen können häufig bestehen bleiben und mit passend zusammengesetzten Kalkmörteln ergänzt werden, anstatt den gesamten Altputz zu entfernen.
Entscheidend ist jedoch die richtige Auswahl. Nicht jeder als „Kalkputz“ bezeichnete Putz besitzt automatisch die Eigenschaften eines traditionellen Kalkputzes. Für historische Gebäude sollte deshalb besonders auf Zusammensetzung, Festigkeit und die Verträglichkeit mit dem vorhandenen Bestand geachtet werden.
Für den Altbau eignet sich besonders ein Kalkputz, dessen Festigkeit, Porenstruktur und Feuchteverhalten zum vorhandenen Mauerwerk und zum historischen Bestand passen. Gerade bei älteren Gebäuden ist ein möglichst harter oder hochfester Putz nicht automatisch die beste Wahl.
Bei historischem Ziegel-, Naturstein- oder Mischmauerwerk sind häufig weiche, kapillar aktive und wasserdampfdurchlässige Kalkputze sinnvoll. Je nach Untergrund und Beanspruchung können Putze auf Basis von Luftkalk oder natürlich hydraulischem Kalk (NHL) eingesetzt werden.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Bezeichnung „Kalkputz“. Handelsübliche Kalkputze können zusätzlich Zement, Gips, organische Bindemittel oder weitere Zusatzstoffe enthalten. Diese können Festigkeit, Wasseraufnahme, Trocknungsverhalten und andere Eigenschaften des Putzes deutlich verändern.
Besonders bei historischen Gebäuden sollte der neue Putz deshalb an den vorhandenen Untergrund angepasst werden und nicht umgekehrt. Ein zu harter oder zu dichter Putz kann auf weichem Mauerwerk oder Bestandsputz problematisch sein und darüber hinaus, bei Feuchte- oder Salzbelastung Schäden begünstigen.
Für viele Altbauten sind deshalb reine, zementfreie Kalkputze mit nachvollziehbarer Zusammensetzung eine gute Wahl. Welcher Kalkputz konkret geeignet ist, hängt jedoch von Mauerwerk, vorhandenem Altputz, Feuchte- und Salzbelastung sowie davon ab, ob der Putz innen oder außen eingesetzt wird.
NHL 2, NHL 3,5 und NHL 5 bezeichnen Festigkeitsklassen von natürlich hydraulischem Kalk (Natural Hydraulic Lime) nach EN 459-1. Die Zahlen beziehen sich dabei auf die Druckfestigkeit eines unter festgelegten Bedingungen hergestellten und geprüften Normmörtels und nicht auf die Druckfestigkeit eines daraus hergestellten Kalkputzes oder Baustellenmörtels.
Für die Klassifizierung gelten nach 28 Tagen folgende Bereiche: NHL 2 von 2 bis 7 N/mm², NHL 3,5 von 3,5 bis 10 N/mm² und NHL 5 von 5 bis 15 N/mm².
Die tatsächliche Festigkeit eines mit NHL hergestellten Putzes oder Mörtels kann deutlich davon abweichen. Sie hängt unter anderem vom Mischungsverhältnis, Zuschlag, Wassergehalt, Verarbeitung und den Erhärtungsbedingungen ab. Ein mit NHL 2 hergestellter Kalkputz muss deshalb nach 28 Tagen keineswegs eine Druckfestigkeit von mindestens 2 N/mm² besitzen.
Eine höhere NHL-Klasse bedeutet außerdem nicht automatisch, dass der Kalk für eine bestimmte Anwendung besser geeignet ist. Gerade bei historischem und weichem Mauerwerk kann eine geringere Festigkeit erwünscht sein.
Die Bezeichnungen NHL 2, NHL 3,5 und NHL 5 sollten deshalb vor allem als Klassifizierung des verwendeten Kalkbindemittels verstanden werden, nicht als Festigkeitsangabe für den fertigen Kalkputz.
CL 90 bezeichnet einen Calciumkalk mit einem hohen Gehalt an Calciumoxid und Magnesiumoxid und gehört nach EN 459-1 zur Gruppe der Luftkalke. Die Abkürzung CL steht für Calcium Lime beziehungsweise Calciumkalk.
Die Zahl 90 ist keine Festigkeitsklasse. Sie bezeichnet die chemische Zusammensetzung: Bei CL 90 muss der Gehalt an CaO + MgO mindestens 90 Massen-% betragen. Zusätzlich legt die Norm Grenzwerte unter anderem für Magnesiumoxid, Kohlendioxid und Schwefeltrioxid fest.
CL 90 kann beispielsweise als Branntkalk (Q) oder als Kalkhydrat (S) angeboten werden. Bei einem gelöschten CL 90 besteht der wirksame Kalk überwiegend aus Calciumhydroxid Ca(OH)₂.
Als Luftkalk besitzt CL 90 keine wesentlichen hydraulischen Eigenschaften. Nach der Verarbeitung erhärtet er hauptsächlich durch Karbonatisierung: Calciumhydroxid reagiert mit Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft wieder zu Calciumcarbonat.
CL 90 sagt jedoch nicht automatisch etwas über die Zusammensetzung eines fertigen Kalkputzes aus. Wird CL 90 als Bindemittel eingesetzt, können dem Putz trotzdem weitere Bindemittel oder Zusatzstoffe zugesetzt worden sein. Wer einen reinen oder zementfreien Kalkputz sucht, muss deshalb die Zusammensetzung des gesamten Produktes betrachten.
Luftkalk, natürlich hydraulischer Kalk (NHL) und hydraulischer Kalk (HL) sind Kalkbindemittel, unterscheiden sich jedoch in ihrer Zusammensetzung und ihrer Erhärtung.
Luftkalk ist ein nicht hydraulisches Kalkbindemittel. Er erhärtet hauptsächlich durch Karbonatisierung: Calciumhydroxid reagiert mit Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft zu Calciumcarbonat. Nach EN 459-1 gehören dazu Calciumkalk (CL) und Dolomitkalk (DL).
Natürlich hydraulischer Kalk (NHL) wird aus kalkreichem Ausgangsgestein hergestellt, das von Natur aus Bestandteile enthält, aus denen beim Brennen hydraulisch reagierende Verbindungen entstehen. Deshalb erhärtet NHL sowohl durch hydraulische Reaktionen mit Wasser als auch durch Karbonatisierung des freien Kalkes.
Die Bezeichnungen NHL 2, NHL 3,5 und NHL 5 kennzeichnen Festigkeitsklassen. Die Zahlen beziehen sich auf die Mindestdruckfestigkeit nach 28 Tagen; die Norm legt zugleich einen Festigkeitsbereich fest.
Hydraulischer Kalk (HL) kann dagegen aus Kalk und weiteren Bestandteilen hergestellt werden. Nach EN 459-1 können dazu beispielsweise Zement, Hüttensand, Flugasche, Kalksteinfüller oder andere geeignete Materialien gehören. Auch HL erhärtet hydraulisch; Kohlendioxid aus der Luft trägt zusätzlich zur Erhärtung bei.
Der entscheidende Unterschied ist deshalb:
Luftkalk erhärtet hauptsächlich durch Karbonatisierung. NHL besitzt hydraulische Eigenschaften, die aus dem natürlichen Ausgangsgestein und dem Brennprozess entstehen. HL kann seine hydraulischen Eigenschaften auch durch weitere zugesetzte Bestandteile erhalten.
NHL und HL sind daher nicht dasselbe. Wer einen zementfreien Kalkputz herstellen oder verwenden möchte, sollte insbesondere bei HL die tatsächliche Zusammensetzung des Bindemittels beziehungsweise des fertigen Produktes prüfen.
Luftkalk ist ein nicht hydraulisches Kalkbindemittel, das durch die Aufnahme von Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft erhärtet. Dieser Vorgang wird als Karbonatisierung bezeichnet. Dabei reagiert Calciumhydroxid mit Kohlendioxid wieder zu Calciumcarbonat.
Luftkalk wird durch das Brennen geeigneter kalkreicher Ausgangsgesteine hergestellt. Dabei entsteht Branntkalk. Durch das anschließende Löschen mit Wasser entsteht Calciumhydroxid, das beispielsweise als Kalkhydrat, Kalkteig oder Sumpfkalk weiterverarbeitet werden kann.
Im Gegensatz zu hydraulischen Kalken besitzt Luftkalk keine wesentliche hydraulische Erhärtung. Für die Karbonatisierung benötigt er Kohlendioxid und geeignete Feuchtebedingungen. Unter dauerhaftem Wassereinfluss beziehungsweise ohne ausreichenden CO₂-Zutritt kann Luftkalk deshalb nicht wie ein hydraulisches Bindemittel erhärten.
Luftkalk wird traditionell zur Herstellung von Kalkputzen, Kalkmörteln und Kalkfarben verwendet. Luftkalkmörtel und -putze besitzen in der Regel eine vergleichsweise geringe Festigkeit und können dadurch besonders gut zu vielen weichen und historischen Untergründen passen.
In der europäischen Kalknorm EN 459-1 werden Luftkalke als CL (Calcium Lime/Calciumkalk) und DL (Dolomitic Lime/Dolomitkalk) bezeichnet. Ein häufig verwendeter Calciumkalk ist beispielsweise CL 90.
Organische Zusätze sind Bestandteile eines Kalkputzes, die auf kohlenstoffhaltigen organischen Stoffen basieren. In modernen Kalkputzen werden sie unter anderem eingesetzt, um Verarbeitung, Haftung, Wasserhaltevermögen oder andere technische Eigenschaften des Putzes gezielt zu verändern.
Dazu gehören beispielsweise Kunstharz- und Kunststoffdispersionen, Celluloseether, Stärkeether oder andere organische Additive. Je nach Art und Menge können solche Zusätze die Eigenschaften eines Kalkputzes deutlich beeinflussen.
Dabei muss zwischen organischen Bindemitteln und organischen Verarbeitungshilfen unterschieden werden. Eine Kunststoffdispersion kann beispielsweise als zusätzliches organisches Bindemittel wirken. Cellulose wird dagegen in sehr kleinen Mengen vor allem eingesetzt, um Wasserhaltevermögen und Verarbeitung eines Trockenmörtels zu verbessern.
Organisch bedeutet außerdem nicht automatisch synthetisch oder schädlich. Auch traditionelle Bestandteile wie Pflanzenfasern, Tierhaare oder Kasein sind organische Stoffe. Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob ein Bestandteil organisch ist, sondern welcher Stoff enthalten ist, in welcher Menge und welche Funktion er im Kalkputz erfüllt.
Wer wissen möchte, welche organischen Zusätze ein Kalkputz enthält, benötigt eine Volldeklaration. Aus der Bezeichnung „Kalkputz“ allein lässt sich die Zusammensetzung nicht erkennen.
Nein. Zementfrei bedeutet zunächst nur, dass dem Kalkputz kein Zement zugesetzt wurde. Ein zementfreier Kalkputz kann trotzdem weitere Bindemittel und Zusätze enthalten, beispielsweise Gips, organische Bindemittel, Kunstharz- oder Kunststoffdispersionen, Additive oder Pigmente.
Solche Bestandteile können eingesetzt werden, um beispielsweise Verarbeitung, Haftung, Wasseraufnahme, Festigkeit oder Abbinde- und Trocknungsverhalten des Putzes zu verändern. Dadurch können sich jedoch auch Eigenschaften verändern, die man von einem traditionellen Kalkputz erwartet.
Ein reiner Kalkputz, von mir Naturkalkputz genannt, geht deshalb über die Forderung „zementfrei“ hinaus. Er enthält weder Zement noch Gips oder organische Bindemittel und keine Additive, die die natürlichen Eigenschaften des Kalkputzes verändern. Natürliche Bestandteile wie Pflanzenfasern oder Tierhaare sowie Cellulose zur Verbesserung der Verarbeitung können enthalten sein. Für Naturkalkputze gelten darüber hinaus die von mir beschriebenen Anforderungen an Zusammensetzung und Volldeklaration.
Ob ein zementfreier Kalkputz tatsächlich ein reiner Kalkputz ist, lässt sich deshalb nur beurteilen, wenn die gesamte Zusammensetzung des Produktes bekannt ist. Die Angabe „zementfrei“ allein reicht dafür nicht aus.
Kurz gesagt: Jeder Naturkalkputz ist zementfrei, aber nicht jeder zementfreie Kalkputz ist ein Naturkalkputz.
Eine Volldeklaration, auch gläserne Rezeptur genannt, bedeutet, dass ein Hersteller die Zusammensetzung eines Baustoffes vollständig offenlegt. Angegeben werden nicht nur die Hauptbestandteile oder Bindemittel, sondern grundsätzlich alle eingesetzten Bestandteile, also beispielsweise Zuschläge, Füllstoffe, Fasern, Pigmente und Additive.
Eine Volldeklaration geht damit deutlich über die Angaben in einem Technischen Merkblatt oder Sicherheitsdatenblatt hinaus. Diese Dokumente erfüllen jeweils bestimmte technische beziehungsweise rechtliche Zwecke und müssen deshalb nicht automatisch die vollständige Rezeptur eines Baustoffes offenlegen.
Gerade bei Baustoffen, die als natürlich oder ökologisch bezeichnet werden, ist eine Volldeklaration wichtig. Die Bezeichnung „Kalkputz“ allein gibt beispielsweise keine vollständige Auskunft über die Zusammensetzung. Neben Kalk können Zement, Gips, organische Bindemittel oder weitere Zusätze enthalten sein.
Eine Volldeklaration ermöglicht es Planern, Handwerkern und Bauherren, einen Baustoff nicht nur nach Produktnamen, Werbeaussagen oder einzelnen technischen Kennwerten zu beurteilen, sondern anhand seiner tatsächlichen Zusammensetzung.
Für mich gehört eine Volldeklaration deshalb zu einem transparenten Umgang mit Baustoffen. Wer wissen möchte, was er an seine Wand bringt, sollte auch erfahren können, was im Produkt enthalten ist.
Ob ein Kalkputz tatsächlich zementfrei ist, lässt sich weder am Produktnamen noch an der Bezeichnung „Kalkputz“ zuverlässig erkennen. Auch Begriffe wie „natürlich“, „ökologisch“, „mineralisch“ oder „für die Denkmalsanierung geeignet“ sagen zunächst nichts darüber aus, ob Zement als zusätzliches Bindemittel enthalten ist.
Die sicherste Möglichkeit ist eine Volldeklaration, in der sämtliche Bestandteile des Produktes angegeben werden. Fehlt diese, sollte beim Hersteller eine schriftliche Bestätigung angefordert werden, dass das Produkt keinen Zement enthält.
Zusätzliche Hinweise kann das Sicherheitsdatenblatt, insbesondere Abschnitt 3, liefern. Dort werden bestimmte Inhaltsstoffe eines Gemisches aufgeführt. Ein Sicherheitsdatenblatt ist jedoch keine Volldeklaration. Aus dem Fehlen von Zement in Abschnitt 3 kann deshalb nicht automatisch geschlossen werden, dass ein Produkt vollständig zementfrei ist.
Besondere Aufmerksamkeit ist bei hydraulischem Kalk (HL) geboten. Nach EN 459-1 kann HL neben Kalk weitere Bestandteile wie beispielsweise Zement enthalten. Die Bezeichnung „hydraulischer Kalk“ ist deshalb nicht mit natürlich hydraulischem Kalk (NHL) gleichzusetzen. NHL erhält seine hydraulischen Eigenschaften dagegen aus der natürlichen Zusammensetzung des Ausgangsgesteins.
Auch Druckfestigkeit und Wasserdampfdiffusionswiderstand können Hinweise auf die Eigenschaften eines Putzes geben. Niedrige Werte können für einen zementfreien Kalkputz sprechen. Sie sind aber kein sicherer Nachweis für Zementfreiheit. Ein zementfreier Putz kann je nach verwendetem Kalk und Rezeptur ebenfalls höhere Festigkeiten erreichen. Umgekehrt kann auch ein zementhaltiger Putz durch seine Rezeptur und entsprechende Zusätze weich und diffusionsoffen eingestellt werden.
Wer sicher wissen möchte, ob ein Kalkputz zementfrei ist, sollte deshalb nicht einen einzelnen technischen Kennwert betrachten, sondern vor allem auf eine vollständige Deklaration der verwendeten Bindemittel und Zusätze achten.
Der wesentliche Unterschied liegt im Bindemittel. Bei einem reinen Kalkputz ist Kalk, also Luftkalk oder natürlich hydraulischer Kalk (NHL), das Bindemittel. Ein Kalkzementputz enthält dagegen neben Kalk zusätzlich Zement als Bindemittel.
Durch die Zugabe von Zement verändern sich die Eigenschaften des Putzes. Die Festigkeit steigt, während die Verformungsfähigkeit in der Regel abnimmt. Besonders auf weichen Untergründen wie alten Kalk- oder Lehmputzen kann eine hohe Festigkeit zu Haftungsproblemen und Rissen führen.
Auch das Feuchteverhalten verändert sich. Mit zunehmendem Zementanteil verändert sich die Porenstruktur. Kapillare Wasseraufnahme und die Fähigkeit des Putzes, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben, können gegenüber einem reinen Kalkputz abnehmen. Wie stark diese Unterschiede ausfallen, hängt von der jeweiligen Rezeptur ab.
Die höhere Festigkeit eines Kalkzementputzes kann aber durchaus erwünscht sein. Als Untergrund für Fliesen beispielsweise ist ein ausreichend fester und feuchtebeständiger Putz von Vorteil, weshalb Kalkzementputze hierfür gut geeignet sein können.
Geht es um eine Altbausanierung, ein angenehmes Wohnklima und den Erhalt der Bausubstanz, ist ein Naturkalkputz in der Regel die bessere Wahl. Geht es hingegen um schnellere Erhärtung und hochfeste Untergründe, kann ein Kalkzementputz die bessere Wahl sein.
Wer gezielt einen reinen, zementfreien Kalkputz verwenden möchte, sollte deshalb die vollständige Zusammensetzung bzw. Volldeklaration des Produktes prüfen.
Ja kann, sollte er aus meiner Sicht aber nicht. Enthält ein Kalkputz Zement als zusätzliches Bindemittel, handelt es sich nach meinem Verständnis nicht mehr um einen Kalkputz, sondern um einen Kalk-Zementputz. Dennoch werden zahlreiche Produkte mit Zementanteil als Kalkputz angeboten und beworben.
Bei industriell hergestellten Kalkputzen können neben Kalk weitere Bindemittel wie Zement sowie organische Bindemittel und andere Zusätze eingesetzt werden. Dadurch lassen sich beispielsweise Festigkeit, Haftung, Verarbeitung oder Abbindezeit beeinflussen. Gleichzeitig können sich dadurch Eigenschaften verändern, die man von einem reinen Kalkputz erwartet.
Ob ein Kalkputz Zement enthält, lässt sich nicht allein am Produktnamen oder an der Bezeichnung „Kalkputz“ erkennen. Auch technische Kennwerte oder die Festigkeitsklasse geben darüber nicht zwingend eindeutig Auskunft. Wer einen zementfreien Kalkputz verwenden möchte, sollte deshalb die vollständige Zusammensetzung bzw. Volldeklaration des Produktes prüfen.
Ein von mir als Naturkalkputz bezeichneter reiner Kalkputz enthält keinen Zement.
Naturkalk ist eine Bezeichnung für Kalkbaustoffe, bei denen Kalk das Bindemittel bildet und dessen natürliche Eigenschaften nicht durch Zement, Gips, organische Bindemittel wie Kunstharz- oder Kunststoffdispersionen oder andere Zusätze verändert werden. Der Begriff „Naturkalk“ soll diese Produkte von industriell modifizierten Kalkprodukten unterscheiden, die zwar als Kalkprodukt bezeichnet werden, aber weitere Bindemittel und Zusätze enthalten können.
Naturkalk beschreibt dabei weniger den Kalk als Bindemittel, sondern vielmehr das daraus hergestellte Produkt. Kalkbindemittel wie Luftkalk oder natürlich hydraulischer Kalk (NHL) werden aus geeigneten natürlichen Kalksteinen hergestellt. Davon zu unterscheiden ist hydraulischer Kalk (HL), dem bei der Herstellung weitere Bestandteile zugesetzt werden können.
Für mich steht Naturkalk darüber hinaus für eine transparente Zusammensetzung. Naturkalkprodukte sollen vollständig deklariert sein und keinen Zement, keinen Gips, keine organischen Bindemittel und kein Titandioxid enthalten. Natürliche Zusätze wie Pflanzenfasern oder Tierhaare sowie Cellulose zur Verbesserung der Verarbeitung können enthalten sein.
Aus Naturkalk lassen sich unter anderem Naturkalkputze, Kalkmörtel und Kalkfarben herstellen.
Kalkputz und Lehmputz sind mineralische Putze, unterscheiden sich aber vor allem durch ihr Bindemittel, ihre Erhärtung und ihr Verhalten gegenüber Wasser. Beim Kalkputz dient Kalk als Bindemittel, beim Lehmputz übernehmen vor allem die Tonminerale diese Funktion.
Kalkputz erhärtet je nach verwendeter Kalkart durch Karbonatisierung und gegebenenfalls zusätzlich durch hydraulische Reaktionen. Reiner Kalkputz ist wasserdampfdurchlässig, sorptionsfähig und kapillar aktiv. Frischer Kalk besitzt aufgrund des enthaltenen Calciumhydroxids außerdem eine hohe Alkalität.
Lehmputz erhärtet dagegen nicht durch eine chemische Bindemittelreaktion, sondern hauptsächlich durch das Trocknen. Die Tonminerale sorgen für den Zusammenhalt. Wird Lehm erneut ausreichend mit Wasser durchfeuchtet, kann er wieder weich und formbar werden. Dadurch lässt sich Lehmputz besonders gut wiederverwenden und reparieren.
Lehmputz besitzt wie Kalkputz eine sehr gute Fähigkeit zur Feuchtepufferung und kann kurzfristige Schwankungen der Luftfeuchtigkeit aufnehmen und wieder ausgleichen. Gegen dauerhafte oder direkte Wasserbelastung ist er jedoch empfindlich. Kalkputz ist gegenüber Feuchtigkeit und Witterung grundsätzlich widerstandsfähiger, wobei seine Eignung immer von der verwendeten Kalkart, dem Putzaufbau und der jeweiligen Beanspruchung abhängt.
Lehmputz wird deshalb überwiegend im Innenbereich eingesetzt. Kalkputz kann sowohl innen als auch außen verwendet werden. Beide Materialien eignen sich besonders für diffusionsoffene und feuchteregulierende Wandaufbauten und werden häufig bei der Sanierung historischer Gebäude eingesetzt.
Welcher Putz besser geeignet ist, hängt daher vom Untergrund, der Feuchtebelastung, dem Einsatzbereich und der gewünschten Oberfläche ab.
Kalkputz und Gipsputz unterscheiden sich vor allem durch ihre Bindemittel, ihre Erhärtung und ihr Verhalten gegenüber Feuchtigkeit. Bei Kalkputz ist Kalk das wesentliche Bindemittel, bei Gipsputz sind es Gips.
Kalkputz erhärtet je nach verwendeter Kalkart durch Karbonatisierung und gegebenenfalls zusätzlich durch hydraulische Reaktionen. Reine Kalkputze sind sorptionsfähig und kapillar aktiv. Sie können Feuchtigkeit aufnehmen, innerhalb ihres Porengefüges verteilen und wieder an die Umgebung abgeben.
Gipsputz erhärtet durch die Reaktion des Gipsbindemittels mit Wasser. Er erreicht vergleichsweise schnell seine Festigkeit, lässt sich gut verarbeiten und ermöglicht sehr glatte Oberflächen. Auch Gipsputz kann Wasserdampf aus der Raumluft aufnehmen gibt dieses aber wesentlich langsamer wieder ab. Gegenüber länger anhaltender oder stärkerer Feuchtebelastung ist Gips jedoch empfindlicher als ein dafür geeigneter Kalkputz.
Auch beim pH-Wert muss genau unterschieden werden. Reiner Kalk besitzt aufgrund des Calciumhydroxids eine hohe Alkalität. Handelsübliche Gipsputze können ebenfalls alkalisch eingestellt sein und beispielsweise Calciumhydroxid enthalten. Bei einzelnen Gipsputzen werden pH-Werte von 11 bis 12 angegeben. Ein hoher pH-Wert ist deshalb kein sicherer Beweis dafür, dass ein Putz ein Kalkputz ist.
Besonders bei Altbauten, historischem Mauerwerk und feuchtebelasteten Konstruktionen kann ein geeigneter Kalkputz aufgrund seiner kapillaren Eigenschaften und seiner Materialverträglichkeit Vorteile bieten. Gipsputze werden dagegen hauptsächlich in trockenen Innenräumen eingesetzt.
Entscheidend ist letztlich die tatsächliche Zusammensetzung des Putzes. Weder die Bezeichnung „Kalkputz“ noch „Gipsputz“ beschreibt automatisch alle enthaltenen Bindemittel und Zusatzstoffe.
Reiner Kalkputz (von mir Naturkalkputz genannt) ist ein mineralischer Putz, bei dem Kalk das Bindemittel ist. Er enthält keinen Zement, keinen Gips und keine organischen Bindemittel wie Kunstharz- oder Kunststoffdispersionen. Die klassische Zusammensetzung besteht aus Kalk, Sand und Wasser. Ein Naturkalkputz nach dieser Definition enthält außerdem kein Titandioxid und keine synthetischen Additive. Enthalten sein können natürliche Zusätze wie Pflanzenfasern oder Tierhaare sowie Cellulose, um die Verarbeitung mit der Putzmaschine zu ermöglichen bzw. zu verbessern.
Der Begriff „Kalkputz“ allein bedeutet nicht automatisch, dass es sich um einen reinen Kalkputz (Naturkalkputz) handelt. Handelsübliche Kalkputze können weitere Bindemittel und Zusatzstoffe enthalten, die die Eigenschaften des Kalkputzes beeinflussen können. Wer einen reinen Kalkputz verwenden möchte, sollte deshalb nicht nur auf die Produktbezeichnung achten, sondern die vollständige Zusammensetzung bzw. Volldeklaration prüfen.
Reine Kalkputze sind wasserdampfdurchlässig, können Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und wieder abgeben und besitzen aufgrund ihrer Alkalität günstige Voraussetzungen für schimmelhemmende Oberflächen. Wie stark diese Eigenschaften ausgeprägt sind, hängt unter anderem von der Zusammensetzung, Porenstruktur und Verarbeitung des Putzes ab.
Kalkhydrat und Sumpfkalk bestehen beide im Wesentlichen aus Calciumhydroxid Ca(OH)₂. Der wesentliche Unterschied liegt in der Herstellung und der Form, in der der gelöschte Kalk vorliegt.
Kalkhydrat entsteht durch das Löschen von Branntkalk mit einer genau bemessenen Wassermenge. Das Ergebnis ist ein trockenes, pulverförmiges Calciumhydroxid, das beispielsweise mit Sand und Wasser zu Kalkmörtel oder Kalkputz verarbeitet werden kann.
Sumpfkalk wird dagegen mit einem Wasserüberschuss gelöscht und als pastöser Kalkteig unter Luftabschluss beziehungsweise vor Kohlendioxid geschützt feucht gelagert. Traditionell kann Sumpfkalk über längere Zeit eingesumpft werden. Dadurch können sich seine Geschmeidigkeit, Plastizität und Verarbeitungseigenschaften verbessern.
Vereinfacht lässt sich der Unterschied so zusammenfassen:
Kalkhydrat = trocken gelöschter Kalk in Pulverform
Sumpfkalk = nass gelöschter und feucht gelagerter Kalk in pastöser Form
Nach der Verarbeitung erhärten beide als Luftkalk durch Karbonatisierung: Das Calciumhydroxid nimmt Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft auf und wird wieder zu Calciumcarbonat (CaCO₃).
Sumpfkalk ist also chemisch kein grundsätzlich anderes Bindemittel als Kalkhydrat. Der wesentliche Unterschied liegt in Herstellung, Lagerung und Verarbeitungseigenschaften.
Der Kalkkreislauf beschreibt die chemischen Umwandlungen vom Kalkstein über Branntkalk und gelöschten Kalk bis zurück zum Calciumcarbonat. Die drei wesentlichen Schritte sind Brennen, Löschen und Karbonatisieren.
Ausgangspunkt ist Kalkstein, der überwiegend aus Calciumcarbonat (CaCO₃) besteht. Beim Brennen wird Kohlendioxid (CO₂) ausgetrieben und es entsteht Calciumoxid (CaO), der sogenannte Branntkalk:
Calciumcarbonat → Calciumoxid + Kohlendioxid
CaCO₃ → CaO + CO₂
Anschließend wird der Branntkalk mit Wasser gelöscht. Dabei entsteht unter starker Wärmeentwicklung Calciumhydroxid Ca(OH)₂, der gelöschte Kalk:
Calciumoxid + Wasser → Calciumhydroxid
CaO + H₂O → Ca(OH)₂
Je nach Löschverfahren und Wassermenge kann daraus beispielsweise Kalkhydrat, Kalkteig oder Sumpfkalk hergestellt werden.
Wird Calciumhydroxid als Bindemittel in Kalkmörtel, Kalkputz oder Kalkfarbe verarbeitet, beginnt die Karbonatisierung. Der Kalk nimmt Kohlendioxid aus der Luft auf und wird wieder zu Calciumcarbonat:
Calciumhydroxid + Kohlendioxid → Calciumcarbonat + Wasser
Ca(OH)₂ + CO₂ → CaCO₃ + H₂O
Damit entsteht wieder die chemische Verbindung, die am Anfang des Kalkkreislaufs im Kalkstein vorhanden war.
Für die Karbonatisierung sind Kohlendioxid und geeignete Feuchtebedingungen erforderlich. Zu schnelles Austrocknen oder eine sehr dichte Beschichtung können den Vorgang beeinträchtigen.
Der Kalkkreislauf findet sowohl bei Luftkalk als auch bei natürlich hydraulischem Kalk (NHL) statt. Bei NHL entstehen aufgrund der natürlichen Zusammensetzung des Ausgangsgesteins beim Brennen zusätzlich hydraulisch reagierende Verbindungen. Deshalb wirken bei NHL hydraulische Erhärtungsreaktionen und die Karbonatisierung des freien Kalkes zusammen.
Kalkmilch ist eine dünnflüssige Suspension aus gelöschtem Kalk (Calciumhydroxid) und Wasser. Sie entsteht, wenn Löschkalk mit reichlich Wasser angerührt wird. Kalkmilch wird im Bauwesen vor allem als Anstrich (Kalkfarbe), zur Untergrundvorbereitung, zur Desinfektion und in der Landwirtschaft als Bodenverbesserer eingesetzt.
Aufgrund des enthaltenen Calciumhydroxids ist frische Kalkmilch stark alkalisch.
An der Luft reagiert das Calciumhydroxid mit Kohlendioxid und wird durch Karbonatisierung wieder zu Calciumcarbonat. Dieser Vorgang ist entscheidend für die Erhärtung eines traditionellen Kalkanstrichs.
Stückkalk ist gebrannter Kalk, der nach dem Brennen nicht zu Pulver vermahlen wird, sondern in Form von Stücken oder Brocken vorliegt. Bei calciumreichem Kalk besteht er überwiegend aus Calciumoxid (CaO) und wird auch als Branntkalk bezeichnet.
Stückkalk entsteht beim Brennen von Kalkstein. Dabei wird aus Calciumcarbonat unter Abgabe von Kohlendioxid Calciumoxid. Wird der Stückkalk anschließend mit Wasser gelöscht, entsteht Calciumhydroxid, also gelöschter Kalk.
Traditionell wird Stückkalk unter anderem zur Herstellung von Kalkteig, Sumpfkalk und Kalkmörtel verwendet. Auch bei historischen Mörteltechniken wie dem Kalkspatzenmörtel beziehungsweise Kalkspatzenputz spielt Stückkalk eine wichtige Rolle.
Sumpfkalk ist ein mit Wasserüberschuss gelöschter Kalk (Kalkteig), und anschließend feucht gelagerter Luftkalk. Er besteht im Wesentlichen aus Calciumhydroxid und Wasser und besitzt eine pastöse, geschmeidige Konsistenz.
Traditionell wird Sumpfkalk über längere Zeit unter Luftabschluss gelagert. Während der Lagerung verändert sich die Struktur des Kalkteiges und seine Verarbeitbarkeit kann sich verbessern.
Sumpfkalk wird insbesondere für hochwertige Kalkputze, Kalkmörtel, Kalkfarben und historische Kalktechniken eingesetzt. Eine besondere Bedeutung hat er deshalb auch in der Denkmalpflege und Restaurierung.
Im Unterschied zu trockenem Kalkhydrat liegt Sumpfkalk nicht als Pulver, sondern als feuchter Kalkteig vor.
Stuccofinto (italienisch für „vorgetäuschter Stuck“) bezeichnet eine Maltechnik, bei der Stuckornamente nicht plastisch modelliert, sondern illusionistisch aufgemalt werden. Durch geschicktes Setzen von Schattierungen, oft unter Berücksichtigung des natürlichen Lichteinfalls, entsteht eine verblüffend plastische Wirkung, die echtem Stuck täuschend ähnlich sieht. Diese Technik wurde besonders in Zeiten genutzt, in denen echter Stuck zu aufwendig oder teuer war, und diente als kostengünstige, aber eindrucksvolle Alternative.
Standöl ist heute die Bezeichnung für ein durch starke Erhitzung vorpolymerisiertes „trocknendes“ Öl, meist Leinöl. Leinöl-Standöl wird bei hohen Temperaturen unter weitgehendem Ausschluss von Sauerstoff erhitzt. Dadurch findet eine thermische Polymerisation statt und das Öl wird deutlich zähflüssiger.
Leinöl-Standöl besitzt gegenüber unbehandeltem Leinöl einen besseren Verlauf und bildet einen glatten, elastischen und widerstandsfähigen Film. Es vergilbt weniger stark und trocknet ohne zusätzliche Sikkative langsamer als gewöhnliches Leinöl.
Standöl wird als Bindemittel beziehungsweise Bestandteil von Ölfarben, Lacken, Druckfarben und Pigmentpasten verwendet.
Historisch hatte der Begriff Standöl teilweise eine andere Bedeutung. Früher wurde Leinöl in vollständig gefüllten Behältern unter Luftabschluss längere Zeit stehen gelassen. Dabei setzten sich Schleimstoffe, Verunreinigungen und andere Bestandteile am Boden ab, sodass das darüberstehende Öl abgenommen werden konnte. Aus diesem „Stehenlassen“ erklärt sich die historische Verwendung des Begriffs Standöl. Heute versteht man unter Leinöl-Standöl dagegen üblicherweise ein durch Erhitzen unter Sauerstoffabschluss polymerisiertes und dadurch eingedicktes Leinöl.
Standöl darf nicht mit Leinölfirnis verwechselt werden. Leinölfirnis ist ein anders aufbereitetes Leinölprodukt, dessen Trocknung häufig durch zugesetzte Sikkative beschleunigt wird. Standöl erhält seine besonderen Eigenschaften dagegen durch die thermische Polymerisation.
Eine Sinterhaut, auch Sinterschicht genannt, ist eine dünne, harte und häufig glänzende Schicht auf der Oberfläche eines mineralischen Putzes. Bei Kalkputzen entsteht sie durch eine Anreicherung von Bindemittel und Feinanteilen an der Oberfläche.
Begünstigt wird die Bildung einer Sinterhaut beispielsweise durch zu langes oder intensives Bearbeiten, Glätten oder Filzen, zu viel Wasser oder ungünstige Trocknungsbedingungen. Die Oberfläche wird dadurch dichter und weniger saugfähig.
Bei Kalkputzen ist eine ausgeprägte Sinterhaut problematisch, weil sie den Feuchtigkeitsaustausch und den Zutritt von Kohlendioxid behindern und damit die Karbonatisierung beeinträchtigen kann. Außerdem kann sie als Trennschicht wirken und die Haftung nachfolgender Putz- oder Farbschichten verschlechtern.
Erkennen lässt sich eine Sinterhaut häufig an einer glänzenden Oberfläche und einer verminderten Wasseraufnahme.
Am sinnvollsten wird eine Sinterhaut bereits während der Putzarbeiten mechanisch entfernt. Sobald der Kalkputz ausreichend steif und formstabil ist, meist am nächsten Tagm, kann die oberste Putzschicht beispielsweise mit einem Gitterrabott rabottiert werden. Dabei wird die verdichtete Oberflächenschicht abgetragen und gleichzeitig eine offene, griffige Oberfläche für die nachfolgende Putzlage geschaffen.
Ist der Putz bereits erhärtet, kann eine vorhandene Sinterhaut je nach Untergrund und weiterem Aufbau mechanisch aufgeraut beziehungsweise abgeschliffen oder mit einem dafür geeigneten Ätzmittel behandelt werden. Bei chemischen Mitteln müssen die jeweiligen Herstellerangaben, Schutzmaßnahmen und die Verträglichkeit mit dem mineralischen Untergrund beachtet werden.
Vor einer weiteren Putzlage oder Beschichtung muss sichergestellt sein, dass die störende Sinterhaut ausreichend entfernt wurde und der Untergrund tragfähig, ausreichend saugfähig und für die nachfolgende Schicht geeignet ist.
Sinterung bezeichnet einen Prozess, bei dem mineralische Ausgangsstoffe bei hohen Temperaturen miteinander reagieren und sich zu einem dichteren, festeren Gefüge verbinden, ohne dass das gesamte Material vollständig aufgeschmolzen wird.
Eine besondere Bedeutung hat die Sinterung bei der Herstellung von Zementklinker. Dabei wird ein fein aufbereitetes Rohstoffgemisch, hauptsächlich aus kalk- und tonhaltigen Ausgangsstoffen, im Drehrohrofen auf Temperaturen von etwa 1.450 °C erhitzt.
Bereits während des Aufheizens laufen verschiedene chemische Reaktionen ab. Im Bereich der sogenannten Sinterzone entsteht teilweise eine Schmelzphase. In dieser bilden sich die für Portlandzementklinker charakteristischen Klinkerphasen. Das Material wird dabei jedoch nicht vollständig aufgeschmolzen.
Nach dem Abkühlen liegt der Zementklinker in festen, körnigen Stücken vor. Dieser wird anschließend gemahlen und zusammen mit weiteren Bestandteilen zum fertigen Zement verarbeitet.
Der Sinterprozess ist ein wesentlicher Unterschied zwischen der Herstellung von Zement und Kalk. Auch bei der Kalkherstellung wird Kalkstein gebrannt, allerdings bei deutlich niedrigeren Temperaturen. Dabei wird Kohlendioxid (CO₂) aus dem Calciumcarbonat ausgetrieben und es entsteht Calciumoxid (CaO), der sogenannte Branntkalk. Eine Klinkerbildung durch einen Sinterprozess, wie sie bei der Herstellung von Portlandzement findet bei der Herstellung von Kalk nicht statt.
Sinterung darf nicht mit einer Sinterhaut auf Kalkputz verwechselt werden. Eine Sinterhaut ist eine verdichtete Oberflächenschicht eines Putzes und hat mit dem Hochtemperaturprozess bei der Zementherstellung nichts zu tun.
Scagliola ist eine historische Gestaltungstechnik, mit der durchgefärbte Massen aus Stuckmarmor so verarbeitet werden, dass sie Naturstein oder Einlegearbeiten aus Stein nachahmen.
Durch unterschiedliche Pigmente, Maserungen und Verarbeitungstechniken lassen sich verschiedenfarbige Steine und dekorative Muster darstellen. Scagliola wurde unter anderem für Säulen, Wandflächen, Tischplatten und kunstvolle Einlegearbeiten verwendet.
Die Technik ist eng mit der Pietra-Dura-Technik verwandt. Während bei Pietra Dura verschiedenfarbige Natur- und Halbedelsteine zusammengesetzt werden, werden die Farben und Strukturen bei Scagliola künstlich aus einer formbaren Masse hergestellt.
Pigmente sind farbgebende Stoffe, die im Gegensatz zu Farbstoffen nicht löslich sind. Sie bestehen aus festen Partikeln, die in einer Suspension verteilt werden, ohne sich chemisch aufzulösen. Meist handelt es sich um Minerale wie Ultramarin, Malachit, Azurit, Zinnober oder Hämatit, aber auch um Erden wie Ocker oder Grünerde. Die Farbwirkung hängt nicht nur von der chemischen Zusammensetzung und Kristallstruktur ab, sondern auch stark von der Partikelgröße: Sie bestimmt das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen und beeinflusst damit Glanz, Deckkraft und Farbton.
Der Begriff „pastös“ leitet sich von „Paste“ ab und beschreibt eine breiige bis dickflüssige Konsistenz. Im Anstrichwesen meint man damit einen Farb- oder Mörtelauftrag, der nicht flüssig, sondern eher zäh und streichfähig ist. Pastöse Materialien lassen sich gezielt strukturieren und erzeugen daher besondere Oberflächeneffekte.
Organische Bindemittel sind kohlenstoffhaltige Stoffe, die Bestandteile eines Materials miteinander verbinden und nach dem Trocknen oder Erhärten für dessen Zusammenhalt sorgen. Sie können natürlichen oder synthetischen Ursprungs sein.
Zu den natürlichen organischen Bindemitteln gehören beispielsweise Kasein, Stärke oder pflanzliche Öle. Synthetische organische Bindemittel sind beispielsweise Kunstharze und Kunststoffdispersionen, wie sie in vielen modernen Farben und Putzen eingesetzt werden.
Bei Anstrichstoffen sorgen organische Bindemittel dafür, dass Pigmente und Füllstoffe miteinander und mit dem Untergrund verbunden werden. Auch Putzen können organische Bindemittel zugesetzt werden, um beispielsweise Haftung, Festigkeit oder Wasserabweisung zu beeinflussen.
Bei Kalkputzen ist die Unterscheidung wichtig: Ein Produkt kann Kalk als mineralisches Hauptbindemittel enthalten und gleichzeitig zusätzlich ein organisches Bindemittel enthalten. Wer einen reinen Kalkputz beziehungsweise Naturkalkputz verwenden möchte, sollte deshalb die vollständige Zusammensetzung des Produktes prüfen.
Natürlich hydraulischer Kalk (NHL) ist ein Kalkbindemittel, das aus Kalkstein mit natürlich vorkommenden tonigen beziehungsweise kieselsäurehaltigen Bestandteilen hergestellt wird. Beim Brennen entstehen dadurch neben freiem Kalk auch hydraulisch reagierende Verbindungen.
Bei NHL laufen deshalb unterschiedliche Erhärtungsreaktionen ab. Die hydraulischen Bestandteile reagieren mit Wasser, während die freien Kalkanteile durch die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft karbonatisieren.
Das unterscheidet NHL von Luftkalk, der keine hydraulischen Bestandteile besitzt und nur durch Karbonatisierung erhärtet. Gleichzeitig ist NHL von hydraulischem Kalk (HL) zu unterscheiden, bei dem die hydraulischen Eigenschaften auch durch weitere zugesetzte Bestandteile erzeugt beziehungsweise beeinflusst werden können.
Natürlich hydraulischer Kalk wird nach EN 459-1 in die Klassen NHL 2, NHL 3,5 und NHL 5 eingeteilt. Die Zahlen beziehen sich auf die Festigkeitsklasse des Bindemittels.
NHL wird unter anderem für Kalkmörtel und Kalkputze eingesetzt, wenn neben den Eigenschaften von Kalk eine stärkere hydraulische Erhärtung beziehungsweise höhere Festigkeit erforderlich ist.
Mergel ist ein Sediment beziehungsweise Sedimentgestein, das aus einer Mischung von Carbonaten, insbesondere Calciumcarbonat, und Tonbestandteilen besteht. Je nach Verhältnis der Bestandteile unterscheidet man beispielsweise kalkreichen Mergel und tonreichen Mergel.
Für die Herstellung hydraulischer Bindemittel ist die Zusammensetzung des Ausgangsgesteins von besonderer Bedeutung. Die tonigen Bestandteile liefern unter anderem Silicium- und Aluminiumverbindungen, die beim Brennen mit dem Kalk reagieren und hydraulisch reagierende Verbindungen bilden können.
Natürlich vorkommende kalkig-tonige Ausgangsgesteine spielen deshalb unter anderem bei der Herstellung von natürlich hydraulischem Kalk (NHL) eine Rolle. Mergel ist außerdem ein wichtiger Rohstoff für die Zementherstellung.
Marmorino ist eine traditionelle italienische Kalkputz- und Gestaltungstechnik, mit der glatte bis leicht strukturierte, marmorähnliche Oberflächen hergestellt werden. Grundlage sind feine Kalkmassen, traditionell auf Basis von gelagertem Kalk und feinen Marmorzuschlägen beziehungsweise Marmormehl.
Der Marmorino wird in dünnen Schichten aufgetragen und mit der Kelle verdichtet und geglättet. Durch Materialzusammensetzung, Pigmentierung und Verarbeitung können Oberflächen mit unterschiedlicher Struktur, Farbtiefe und Glanz entstehen.
Anders als eine aufgemalte Marmorimitation entsteht die Wirkung beim Marmorino wesentlich durch Material, Schichtaufbau und Verdichtung der Kalkoberfläche.
Marmorino gehört zu den traditionellen dekorativen Kalktechniken und wird heute sowohl in der Restaurierung als auch zur Gestaltung hochwertiger Wandoberflächen eingesetzt.
Marmor ist ein metamorphes Gestein (Metamorphit), das überwiegend aus Calcit, Dolomit oder seltener Aragonit besteht. Damit ein Gestein als Marmor bezeichnet wird, muss es mindestens zu 50 Volumenprozent aus diesen Karbonatmineralen bestehen. Marmor entsteht durch Metamorphose, also die Umwandlung von Kalkstein oder Dolomitgestein unter hohem Druck und/oder hoher Temperatur. Je nach Zusammensetzung und Entstehung zeigen Marmore unterschiedliche Farben und Strukturen und werden seit der Antike als edler Baustoff und Werkstein geschätzt.
Löschkalk ist gelöschter Branntkalk und besteht im Wesentlichen aus Calciumhydroxid (Ca(OH)₂). Er entsteht, wenn Branntkalk (Calciumoxid, CaO) mit Wasser reagiert. Dieser Vorgang wird als Kalklöschen bezeichnet und setzt erhebliche Wärme frei.
Je nachdem, wie viel Wasser beim Löschen verwendet wird und wie das Material anschließend aufbereitet wird, kann gelöschter Kalk beispielsweise als trockenes Kalkhydrat oder als pastöser Kalkteig beziehungsweise Sumpfkalk vorliegen.
Löschkalk ist ein traditioneller Ausgangsstoff für Kalkmörtel, Kalkputze und Kalkfarben.
Leinölfirnis ist ein Anstrich- und Bindemittel auf Basis von Leinöl, dessen Trocknung gegenüber rohem Leinöl beschleunigt ist. Dazu können dem Leinöl sogenannte Sikkative als Trocknungsbeschleuniger zugesetzt werden.
Leinölfirnis wird traditionell zur Behandlung und zum Schutz von Holz, als Grundierung sowie als Bindemittel für Ölfarben verwendet. Das Öl dringt in saugfähige Untergründe ein und bildet bei der oxidativen Trocknung einen zusammenhängenden Film.
Leinölfirnis ist nicht mit Standöl gleichzusetzen. Standöl entsteht durch eine thermische Behandlung beziehungsweise Polymerisation von trocknenden Ölen und besitzt dadurch andere Eigenschaften.
Leinöl ist ein pflanzliches Öl, das aus den reifen Samen der Flachspflanze beziehungsweise Leinpflanze gewonnen wird. Aufgrund seines hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren gehört es zu den trocknenden Ölen.
Leinöl trocknet nicht einfach durch Verdunstung. Es reagiert mit Sauerstoff aus der Luft und bildet dabei nach und nach einen festen Film. Dieser Vorgang wird als oxidative Trocknung beziehungsweise oxidative Polymerisation bezeichnet.
Seit Jahrhunderten wird Leinöl als Bindemittel für Ölfarben sowie zur Behandlung von Holz und anderen saugfähigen Untergründen verwendet.
Von rohem Leinöl sind weiterverarbeitete Produkte wie Leinölfirnis und Standöl zu unterscheiden. Durch unterschiedliche Aufbereitung und Behandlung verändern sich insbesondere Trocknungsverhalten, Viskosität und Verarbeitungseigenschaften.
Leimfarbe ist eine traditionelle, wassergebundene Anstrichfarbe, bei der ein wasserlöslicher Leim als Bindemittel dient. Als Bindemittel können beispielsweise tierische Leime oder pflanzliche Stärke- beziehungsweise Celluloseleime verwendet werden.
Leimfarben bestehen im Wesentlichen aus Leim, Wasser, Pigmenten und Füllstoffen wie Kreide. Sie ergeben in der Regel matte, wasserdampfdurchlässige Oberflächen und wurden früher häufig für Wand- und Deckenanstriche im Innenbereich verwendet.
Im Gegensatz zu Kalkfarbe erhärtet Leimfarbe nicht durch Karbonatisierung. Ihre Bindung entsteht durch das Trocknen des verwendeten Leimes.
Viele traditionelle Leimfarben bleiben wasserempfindlich beziehungsweise wieder anlösbar. Vor einer Überarbeitung muss deshalb geprüft werden, ob der vorhandene Anstrich ausreichend tragfähig ist oder entfernt beziehungsweise abgewaschen werden muss.
„Lederhart“ bezeichnet bei Putz und anderen mineralischen Materialien einen Zustand, in dem das frisch aufgetragene Material bereits angezogen und formstabil, aber noch nicht vollständig erhärtet ist.
Die Oberfläche lässt sich in diesem Stadium noch bearbeiten, ohne dass das Material stark verschoben oder verformt wird. Je nach Putz und gewünschter Oberfläche können in diesem Zustand beispielsweise weitere Bearbeitungsschritte durchgeführt werden.
Der Begriff beschreibt damit keine exakt festgelegte Zeitspanne, sondern einen Verarbeitungszustand zwischen frisch und erhärtet. Wann dieser erreicht ist, hängt unter anderem von Material, Untergrund, Schichtdicke, Temperatur und Feuchtigkeit ab.
Als Latexfarbe werden heute meist besonders strapazierfähige und abwaschbare Dispersionsfarben bezeichnet. Anders als der Name vermuten lässt, enthalten moderne Latexfarben in der Regel keinen natürlichen Latex aus Kautschuk, sondern synthetische Kunststoffdispersionen als Bindemittel.
Historisch wurden tatsächlich Anstrichstoffe mit natürlichem Latex beziehungsweise Kautschuk verwendet. Die Bezeichnung „Latexfarbe“ hat sich jedoch für besonders widerstandsfähige Dispersionsanstriche erhalten.
Latexfarben bilden vergleichsweise geschlossene und belastbare Oberflächen und werden deshalb häufig in Treppenhäusern, Fluren, Küchen oder anderen stark beanspruchten Bereichen eingesetzt.
Soll eine Latexfarbe auf einem Kalkputz eingesetzt werden, sollte auf die bauphysikalischen Eigenschaften des gesamten Anstrichsystems geachtet werden. Je nach Produkt können Kunststoffdispersionen die Wasserdampfdurchlässigkeit, Wasseraufnahme und das Feuchteverhalten der Oberfläche gegenüber einem rein mineralischen Anstrich deutlich verändern.
Bei reinen Kalkputzen kann eine sehr dichte Beschichtung zusätzlich die Karbonatisierung beeinträchtigen. Luftkalk und natürlich hydraulischer Kalk (NHL) benötigt für seine Erhärtung Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft und ausreichend Feuchtigkeit. Wird ein noch nicht ausreichend karbonatisierter Kalkputz frühzeitig mit einer sehr dichten Beschichtung versehen, kann der Zutritt von CO₂ zur Putzschicht stark vermindert werden. Dadurch kann die weitere Karbonatisierung behindert beziehungsweise deutlich verlangsamt werden.
Besonders problematisch kann eine dichte Beschichtung außerdem sein, wenn Feuchtigkeit in den Wandaufbau gelangt, aber über die Oberfläche nur eingeschränkt wieder abgegeben werden kann. Je nach Untergrund, Feuchtebelastung und Beschichtungsaufbau können dadurch langfristig Haftungsprobleme oder Putz- und Anstrichschäden begünstigt werden.
Auf reinen Kalkputzen bevorzuge ich deshalb mineralische, auf den Kalkputz abgestimmte Anstrichsysteme, die dessen Feuchteverhalten und weitere Karbonatisierung möglichst wenig beeinträchtigen.
Eine Lasur ist eine durchscheinende Malschicht, bei der das Verhältnis von Pigment zu Bindemittel oder Lösungsmittel so gewählt ist, dass die darunterliegenden Farbschichten sichtbar bleiben. Durch diese Technik entstehen weiche Übergänge zwischen den Tönen, eine besondere optische Tiefe sowie lebendige koloristische Effekte. Im Gegensatz dazu steht die deckende Malweise, bei der die unteren Schichten vollständig übermalt werden.
Lackmus ist ein organischer Farbstoff, der aus Flechten gewonnen wird und als klassischer Indikator für Säuren und Laugen dient. Er verändert seine Farbe je nach pH-Wert: Rotes Lackmuspapier wird durch Laugen blau, während blaues Lackmuspapier durch Säuren rot gefärbt wird. Damit ist Lackmus ein einfaches Hilfsmittel, um den Säure- oder Basencharakter einer Lösung sichtbar zu machen.
„Kreiden“ bezeichnet bei einem Anstrich das pulverförmige Ablösen von Pigmenten und Füllstoffen von der Oberfläche. Fährt man mit der Hand über einen kreidenden Anstrich, bleibt ein sichtbarer, meist heller oder farbiger Abrieb an der Hand zurück.
Ursache ist eine unzureichende Bindung der Pigmente und Füllstoffe beziehungsweise ein Abbau des Bindemittels. Je nach Anstrichsystem können dafür unterschiedliche Ursachen verantwortlich sein.
Bei Kalkfarben kann starkes Kreiden beispielsweise auftreten, wenn der Anstrich zu schnell austrocknet und nicht ausreichend karbonatisieren kann. Ein stark saugender oder zu trockener Untergrund sowie ungünstige Verarbeitungsbedingungen können dies begünstigen.
Vor einem neuen Anstrich muss deshalb geprüft werden, warum die vorhandene Oberfläche kreidet und ob sie ausreichend tragfähig ist.
Kreide ist ein weiches, feinkörniges und poröses Kalkgestein, das überwiegend aus Calciumcarbonat (CaCO₃) in Form des Minerals Calcit besteht.
Sie entstand hauptsächlich aus den kalkhaltigen Überresten mikroskopisch kleiner Meeresorganismen, die sich über lange Zeiträume am Meeresboden ablagerten und zu mächtigen Kreideschichten verfestigten.
Aufgrund ihrer feinen Struktur lässt sich Kreide leicht mahlen. Sie wird unter anderem als Füllstoff und Pigmentbestandteil in Farben, Putzen und Spachtelmassen sowie traditionell als Schreib- und Zeichenmaterial verwendet.
Chemisch besteht Kreide damit im Wesentlichen aus demselben Stoff wie viele Kalksteine: Calciumcarbonat. Ihre Entstehung und Gesteinsstruktur unterscheiden sich jedoch von anderen Kalksteinarten.
Unter Konsistenz versteht man die äußere Beschaffenheit eines Stoffes, bezogen auf den Zusammenhang seiner kleinsten Teilchen. Ein Material kann je nach Zusammensetzung und Feuchtigkeitsgehalt eine feste, weiche, harte, breiige, gallertartige oder flüssige Konsistenz aufweisen. Im Bauwesen ist die richtige Konsistenz entscheidend für die Verarbeitung und die Qualität des Endergebnisses.
Kohlensaurer Kalk ist eine ältere Bezeichnung für Calciumcarbonat (CaCO₃). Calciumcarbonat ist der Hauptbestandteil vieler natürlicher Kalksteine und kommt beispielsweise auch in Kreide und Marmor vor.
Calciumcarbonat bildet den Ausgangspunkt des Kalkkreislaufs. Beim Brennen von Kalkstein wird Kohlendioxid (CO₂) ausgetrieben und es entsteht Calciumoxid (CaO), der sogenannte Branntkalk. Durch Zugabe von Wasser wird daraus Calciumhydroxid (Ca(OH)₂), also gelöschter Kalk.
Bei der späteren Karbonatisierung nimmt das Calciumhydroxid wieder Kohlendioxid aus der Luft auf und wird erneut zu Calciumcarbonat.
Kohlensaurer Kalk darf nicht mit schwefelsaurem Kalk verwechselt werden. Dabei handelt es sich um Calciumsulfat beziehungsweise dessen wasserhaltige Formen, wie sie beispielsweise bei Gips vorkommen.
Kasein ist ein natürliches Milcheiweiß und macht den größten Teil der Proteine in Kuhmilch aus. Für technische Anwendungen kann Kasein aus entrahmter Milch ausgefällt und anschließend weiterverarbeitet werden.
Kasein ist in Wasser nur schwer beziehungsweise nicht direkt löslich. Durch die Reaktion mit alkalischen Stoffen wie Kalk kann daraus jedoch ein verwendbares Bindemittel entstehen. Solche Kaseinbindungen wurden traditionell unter anderem für Farben, Leime und Grundierungen eingesetzt.
Bei Kasein-Kalkfarben reagiert Kasein mit dem Kalk und kann die Bindung und Widerstandsfähigkeit des Anstrichs erhöhen. Die Dosierung ist dabei entscheidend, weil ein zu hoher organischer Anteil die Eigenschaften eines klassischen Kalkanstrichs verändern kann.
Kasein ist damit ein Beispiel für ein natürliches organisches Bindemittel und darf nicht mit synthetischen Kunstharz- oder Kunststoffdispersionen gleichgesetzt werden.
Karbonatisierung bezeichnet bei Kalk die Reaktion von Calciumhydroxid mit Kohlendioxid aus der Luft zu Calciumcarbonat. Dieser Vorgang ist entscheidend für die Erhärtung von Luftkalk und natürlich hydraulischem Kalk (NHL).
Vereinfacht lässt sich die Reaktion so darstellen:
Calciumhydroxid + Kohlendioxid → Calciumcarbonat + Wasser
Ca(OH)₂ + CO₂ → CaCO₃ + H₂O
Der beim Kalklöschen entstandene gelöschte Kalk wird dadurch wieder zu Calciumcarbonat, also chemisch zu dem Stoff, aus dem der ursprüngliche Kalkstein im Wesentlichen bestand.
Für eine gute Karbonatisierung benötigt Kalk Kohlendioxid und geeignete Feuchtigkeitsbedingungen. Trocknet ein Kalkputz oder Kalkanstrich zu schnell aus, kann die Karbonatisierung beeinträchtigt werden.
Bei natürlich hydraulischem Kalk (NHL) laufen neben der Karbonatisierung der freien Kalkanteile zusätzlich hydraulische Reaktionen ab.
Kalkteig ist eine pastöse Masse aus Calciumhydroxid und Wasser, die beim Löschen von Branntkalk mit Wasserüberschuss entsteht. Durch weitere Zugabe von Wasser kann daraus eine dünnflüssige Kalkmilch hergestellt werden.
Kalkteig wird traditionell als Bindemittel für Kalkmörtel, Kalkputze und Kalkfarben verwendet. Aufgrund seiner feinen, plastischen Konsistenz lässt er sich gut mit Zuschlägen und Pigmenten verarbeiten.
Wird Kalkteig über längere Zeit feucht und möglichst unter Luftabschluss gelagert, spricht man traditionell von Sumpfkalk. Durch die Lagerung können sich Struktur und Verarbeitungseigenschaften des Kalkteiges verändern.
Handelt es sich um Kalkteig aus Luftkalk, erfolgt seine spätere Erhärtung durch Karbonatisierung. Dabei reagiert Calciumhydroxid mit Kohlendioxid aus der Luft zu Calciumcarbonat.
Kalkspatzenputz ist ein traditioneller Kalkputz, bei dem Stückkalk beziehungsweise Branntkalk zusammen mit Sand gelöscht wird. Der Kalk wird dabei nicht zuvor separat zu Kalkhydrat oder Sumpfkalk verarbeitet, sondern direkt im Zuschlag gelöscht.
Durch die Reaktion des Branntkalks mit Wasser entsteht unter starker Wärmeentwicklung Calciumhydroxid. Dabei können im Mörtel kleine Kalkstücke beziehungsweise sogenannte Kalkspatzen erhalten bleiben, die dem historischen Putz seinen Namen geben.
Diese traditionelle Form der Mörtelbereitung wurde bereits in historischen Quellen beschrieben und war über Jahrhunderte bei der Herstellung von Kalkmörteln und Kalkputzen gebräuchlich.
Kalkspatzenputze werden heute vor allem bei der Sanierung und Restaurierung historischer Gebäude eingesetzt, wenn historische Materialien und Verarbeitungstechniken möglichst authentisch nachvollzogen werden sollen.
Kalksinterwasser ist die klare, wässrige Flüssigkeit, die sich über abgesetztem Kalk beziehungsweise Kalkteig bilden kann. Sie enthält in Wasser gelöstes Calciumhydroxid und ist frei von den sichtbaren Kalkpartikeln einer Kalkmilch.
Kalksinterwasser wird traditionell unter anderem bei Kalk- und Freskotechniken sowie zur vorsichtigen Festigung mineralischer Oberflächen eingesetzt. Es kann außerdem zum Ansetzen beziehungsweise Verdünnen bestimmter Kalklasuren und Pigmentmischungen verwendet werden.
Kalksinterwasser darf nicht mit Kalkmilch verwechselt werden. Kalkmilch enthält fein verteilte Calciumhydroxid-Partikel und erscheint deshalb milchig, während Kalksinterwasser klar ist.
Bei der Festigung historischer Oberflächen muss der Einsatz sorgfältig beurteilt werden. Der zusätzliche Wassereintrag kann beispielsweise bei vorhandenen bauschädlichen Salzen problematisch sein.
Kalkmörtel ist ein mineralischer Mörtel, bei dem Kalk als Bindemittel verwendet wird. Klassisch besteht er aus Kalk, Sand und Wasser. Als Kalkbindemittel können beispielsweise Luftkalk oder natürlich hydraulischer Kalk (NHL) eingesetzt werden.
Bei einem Luftkalkmörtel erfolgt die Erhärtung durch Karbonatisierung. Dabei reagiert Calciumhydroxid mit Kohlendioxid aus der Luft und wird zu Calciumcarbonat.
Wird natürlich hydraulischer Kalk (NHL) als Bindemittel verwendet, laufen zusätzlich hydraulische Reaktionen ab. Die Eigenschaften eines Kalkmörtels hängen deshalb wesentlich davon ab, welcher Kalk verwendet wird, wie das Mischungsverhältnis ist, welche Korngröße der Sand hat und welche Zuschläge enthalten sind.
Kalkmörtel werden zum Mauern, Verfugen und Verputzen verwendet. Aufgrund ihrer vergleichsweise guten Verformungsfähigkeit und ihres Feuchteverhaltens sind geeignete Kalkmörtel besonders für historische Mauerwerke und die Altbausanierung interessant.
Ein traditioneller reiner Kalkmörtel enthält keinen Zement als zusätzliches Bindemittel.
Eine Kalklasur ist ein dünner, durchscheinender Anstrich auf Kalkbasis, bei dem der Untergrund beziehungsweise darunterliegende Farbschichten sichtbar bleiben. Dadurch entstehen lebendige Oberflächen mit besonderer Farbtiefe.
Kalklasuren werden traditionell aus stark verdünnter Kalkmilch hergestellt und können mit kalkechten Pigmenten eingefärbt werden. Durch den geringen Kalk- und Pigmentanteil bleibt der Anstrich durchscheinend und bildet keine vollständig deckende Farbschicht.
Kalklasuren werden meist in mehreren dünnen Schichten aufgetragen. Durch den mehrlagigen Auftrag können unterschiedliche Hell-Dunkel-Abstufungen und Farbtiefen entstehen. Werden verschiedene Farbtöne übereinander lasiert, ergeben sich zusätzliche optische Farbmischungen.
Wie bei anderen Kalktechniken müssen Untergrund, Feuchtigkeit und Trocknungsbedingungen so abgestimmt sein, dass der Kalk ausreichend karbonatisieren kann.
Kalkhydrat ist gelöschter Kalk und besteht bei calciumreichem Kalk im Wesentlichen aus Calciumhydroxid (Ca(OH)₂). Es entsteht, wenn Branntkalk (Calciumoxid, CaO) kontrolliert mit Wasser gelöscht wird.
Bei der industriellen Herstellung wird die Wassermenge so dosiert, dass nach dem Löschen ein trockenes, pulverförmiges Kalkhydrat entsteht. Die Reaktion von Branntkalk mit Wasser setzt dabei erhebliche Wärme frei.
Kalkhydrat wird im Bauwesen unter anderem als Bindemittel für Kalkmörtel, Kalkputze und Kalkfarben verwendet.
Kalkhydrat und Sumpfkalk bestehen beide im Wesentlichen aus Calciumhydroxid, unterscheiden sich jedoch in ihrer Form und Herstellung. Kalkhydrat liegt als trockenes Pulver vor, Sumpfkalk als feuchter, pastöser Kalkteig.
Kalkglätte ist eine sehr feinkörnige Spachtel- beziehungsweise Putzmasse auf Kalkbasis, mit der besonders glatte mineralische Oberflächen hergestellt werden können.
Sie wird in dünnen Schichten auf einen geeigneten, tragfähigen Untergrund aufgetragen und anschließend mit der Glättkelle bearbeitet. Durch die feine Körnung lassen sich deutlich glattere Oberflächen herstellen als mit einem gröberen Kalkoberputz.
Die genaue Zusammensetzung einer Kalkglätte kann je nach Hersteller und Produkt unterschiedlich sein. Neben Kalk können Füllstoffe und weitere Zusätze enthalten sein. Die Bezeichnung „Kalkglätte“ allein sagt deshalb noch nichts über die vollständige Zusammensetzung aus.
Wer eine reine Kalkglätte ohne Zement, Gips oder organische Bindemittel verwenden möchte, sollte deshalb auch hier auf die Volldeklaration achten.
Kalkfarben sind mineralische Anstrichfarben, bei denen Kalk das Bindemittel bildet. Traditionelle Kalkfarben werden aus gelöschtem Kalk beziehungsweise Kalkmilch hergestellt und können mit kalkechten Pigmenten eingefärbt werden.
Die Erhärtung einer traditionellen Kalkfarbe erfolgt durch Karbonatisierung. Dabei reagiert Calciumhydroxid mit Kohlendioxid aus der Luft und wird zu Calciumcarbonat.
Kalkfarben sind wasserdampfdurchlässig und besitzen im frischen Zustand aufgrund des Kalkes eine hohe Alkalität. Unter geeigneten Bedingungen entstehen matte, mineralische Oberflächen mit der für Kalk typischen Lichtwirkung.
Nicht jedes Produkt, das als „Kalkfarbe“ angeboten wird, besteht jedoch ausschließlich aus Kalk, Wasser und Pigmenten. Moderne Kalkfarben können zusätzlich organische Bindemittel, Füllstoffe oder weitere Additive enthalten.
Wer eine traditionelle beziehungsweise reine Kalkfarbe verwenden möchte, sollte deshalb auch hier die vollständige Zusammensetzung beziehungsweise Volldeklaration des Produktes prüfen.
Kalkechte Pigmente sind Pigmente, die gegenüber der hohen Alkalität von Kalk beständig sind und sich deshalb für Kalkfarben und andere Kalktechniken eignen.
Viele traditionelle Erd- und Mineralpigmente wie Ocker und Umbra besitzen eine gute Kalkbeständigkeit. Nicht jedes Pigment ist jedoch für die Verwendung mit Kalk geeignet, da stark alkalische Bedingungen bestimmte Pigmente verändern oder zerstören können.
Kalkechte Pigmente können Kalkfarben und Kalklasuren zugesetzt werden, um farbige mineralische Oberflächen herzustellen. Entscheidend sind dabei neben der Kalkbeständigkeit auch Pigmentmenge, Verarbeitung und das verwendete Kalkbindemittel.
Eine Kalkbürste ist eine große, langborstige Bürste zum Auftragen und Verarbeiten von Kalkfarben, Kalkmilch und Kalkschlämmen. Ihre langen und dichten Borsten können viel Material aufnehmen und ermöglichen einen gleichmäßigen Auftrag auch auf strukturierten mineralischen Untergründen.
Anders als eine kurzflorige Farbrolle arbeitet die Kalkbürste das Material stärker in die Oberfläche ein. Das ist besonders bei traditionellen Kalkanstrichen auf mineralischen Putzen von Vorteil.
Kalkfarben werden mit der Bürste üblicherweise in dünnen Lagen verarbeitet. Die charakteristische Bürstenstruktur kann dabei bewusst Teil der fertigen Oberfläche sein.
Unter Kalk versteht man im Bauwesen verschiedene Kalkrohstoffe und Kalkbindemittel, die überwiegend auf Calciumcarbonat, Calciumoxid und Calciumhydroxid basieren. Ausgangsstoff ist meist natürlicher Kalkstein, der hauptsächlich aus Calciumcarbonat (CaCO₃) besteht.
Beim Brennen von Kalkstein wird Kohlendioxid freigesetzt und es entsteht Branntkalk (Calciumoxid, CaO). Wird Branntkalk mit Wasser gelöscht, entsteht Calciumhydroxid (Ca(OH)₂), beispielsweise in Form von Kalkhydrat oder Kalkteig.
Bei Kalkhydrat schließt sich der sogenannte Kalkkreislauf durch die Karbonatisierung: Calciumhydroxid nimmt Kohlendioxid aus der Luft auf und wird wieder zu Calciumcarbonat.
Im Bauwesen wird Kalk seit Jahrhunderten als Bindemittel für Kalkmörtel, Kalkputze und Kalkfarben verwendet. Je nach Ausgangsgestein und Herstellung unterscheidet man unter anderem Luftkalk, natürlich hydraulischen Kalk (NHL) und hydraulischen Kalk (HL).
Die unterschiedlichen Kalkarten besitzen unterschiedliche Eigenschaften. Deshalb ist die genaue Bezeichnung und Zusammensetzung entscheidend dafür, für welche Anwendung ein Kalkbindemittel geeignet ist.
Intonaco bezeichnet die feine oberste Putzschicht, auf der bei der traditionellen Freskomalerei gemalt wird. Der Begriff stammt aus dem Italienischen und bedeutet sinngemäß Putz beziehungsweise Verputz.
Der Intonaco wird auf den gröberen Unterputz, den sogenannten Arriccio, aufgetragen. Für ein echtes Fresko wird die Malerei ausgeführt, solange diese feine Kalkputzschicht noch frisch und feucht ist.
Dabei werden geeignete Pigmente mit Wasser auf den frischen Putz aufgebracht. Während der Karbonatisierung des Kalkes werden die Pigmente in die entstehende mineralische Oberfläche eingebunden.
Intonaco ist damit keine eigenständige Maltechnik, sondern die entscheidende oberste Putzschicht der Freskotechnik.
Hydraulischer Kalk (HL) ist ein Kalkbindemittel mit hydraulischen Eigenschaften. Er kann neben Kalk weitere Bestandteile enthalten, die zur hydraulischen Erhärtung beitragen.
Nach EN 459-1 ist HL (Hydraulic Lime) von NHL (Natural Hydraulic Lime beziehungsweise natürlich hydraulischer Kalk) zu unterscheiden. Bei NHL entstehen die hydraulischen Eigenschaften aus der natürlichen Zusammensetzung des verwendeten Ausgangsgesteins und dem anschließenden Brennprozess.
Bei HL können dagegen zusätzlich geeignete hydraulische oder puzzolanische Bestandteile eingesetzt werden. Dazu können je nach Produkt beispielsweise Zement, Hüttensand, Flugasche oder andere geeignete Materialien gehören.
Die hydraulisch reagierenden Bestandteile ermöglichen eine Erhärtungsreaktion mit Wasser. Sind freie Kalkanteile vorhanden, können diese zusätzlich durch die Aufnahme von Kohlendioxid karbonatisieren.
Für Kalkputze und Kalkmörtel ist die Unterscheidung zwischen HL und NHL wichtig. Die Bezeichnung „hydraulischer Kalk“ allein bedeutet deshalb nicht automatisch, dass es sich um einen natürlich hydraulischen oder zementfreien Kalk handelt. Wer die genaue Zusammensetzung wissen möchte, sollte die Volldeklaration des Produktes prüfen.
Als Hydraulefaktoren werden Bestandteile bezeichnet, die einem Kalkbindemittel hydraulische Eigenschaften verleihen oder dessen hydraulische Erhärtung beeinflussen. Dazu gehören insbesondere reaktionsfähige Verbindungen von Silicium, Aluminium und Eisen.
Bei der Herstellung hydraulischer Kalke können solche Bestandteile während des Brennprozesses mit Calcium reagieren. Dabei entstehen hydraulisch wirksame Verbindungen, die mit Wasser reagieren und erhärten können. Dadurch ist die Festigkeitsentwicklung nicht ausschließlich von der Karbonatisierung des freien Kalkes abhängig.
Bei natürlich hydraulischem Kalk (NHL) stammen die Ausgangsstoffe für diese hydraulisch reagierenden Bestandteile aus der natürlichen Zusammensetzung des Kalksteins beziehungsweise des kalkig-tonigen Ausgangsgesteins. Die hydraulischen Eigenschaften entstehen somit aus dem Rohstoff und dem Brennprozess und nicht durch die nachträgliche Zugabe von Zement oder anderen hydraulischen Bindemitteln.
Hydraulische Eigenschaften können einem Kalkbindemittel jedoch auch durch zugesetzte hydraulische, latent hydraulische oder puzzolanische Bestandteile verliehen beziehungsweise verstärkt werden. Dazu gehören beispielsweise Zement, Hüttensand und geeignete Puzzolane wie Trass.
Dabei wirken diese Stoffe unterschiedlich: Zement ist ein eigenständiges hydraulisches Bindemittel, das mit Wasser erhärtet. Hüttensand besitzt latent hydraulische Eigenschaften und kann unter geeigneten Bedingungen hydraulisch reagieren. Trass gehört zu den puzzolanischen Stoffen und kann mit Calciumhydroxid zu hydraulisch wirksamen Reaktionsprodukten reagieren.
Der Anteil und die Art der hydraulisch wirksamen Bestandteile beeinflussen unter anderem Erhärtung, Festigkeitsentwicklung und Eigenschaften des Kalkbindemittels.
Glätten bezeichnet das feine Überziehen und Bearbeiten von Putzoberflächen, um eine möglichst ebene, geschlossene und saubere Fläche zu erzielen. Es erfolgt in der Regel mit einer Glättkelle oder einem Traufel und ist ein wichtiger Arbeitsschritt, wenn eine besonders gleichmäßige oder dekorative Oberfläche gewünscht wird.
Für besonders feine Kalkoberflächen und dekorative Kalktechniken werden häufig spezielle venezianische Glättkellen verwendet. Sie besitzen abgerundete Kanten und eine sehr fein bearbeitete Oberfläche, wodurch sich der Kalkputz verdichten und besonders glatt ausarbeiten lässt.
Bei hellen und feinen Kalkoberflächen ist die Qualität des Werkzeugs besonders wichtig. Die Kelle sollte aus einem geeigneten, hoch abriebfesten Edelstahl bestehen und sauber sowie frei von Rost und Beschädigungen sein. Metallabrieb kann sich ansonsten auf der Putzoberfläche abzeichnen und zu grauen oder dunklen Verfärbungen führen.
Je nach Kalktechnik kann die Oberfläche durch wiederholtes Glätten und Verdichten zunehmend geschlossen und glänzend werden. Der richtige Zeitpunkt und der ausgeübte Druck haben dabei großen Einfluss auf das spätere Erscheinungsbild.
Gipsglätte ist eine feine Spachtel- beziehungsweise Glättmasse auf Gipsbasis, mit der sehr glatte Oberflächen im Innenbereich hergestellt werden können.
Sie kann je nach Produkt und Untergrund als dünne Glättschicht auf geeigneten Putzflächen beziehungsweise anderen dafür vorgesehenen Untergründen verarbeitet werden.
Durch die feine Körnung beziehungsweise die weitgehend kornlose Zusammensetzung lassen sich sehr ebene und glatte Oberflächen herstellen. Die Verarbeitung erfolgt üblicherweise mit einer Glättkelle oder Traufel.
Gipsglätte ist von einer Kalkglätte zu unterscheiden. Während bei Gipsglätte Gips das maßgebliche Bindemittel ist, basiert eine Kalkglätte auf Kalk.
Gerade bei historischen oder feuchtebelasteten Untergründen sollte deshalb geprüft werden, welches Material zum vorhandenen Putz- und Wandaufbau passt.
Gerbsäuren beziehungsweise Tannine sind natürlich vorkommende pflanzliche Inhaltsstoffe, die unter anderem in Holz, Rinde, Blättern und Früchten enthalten sind. Besonders gerbstoffreiche Holzarten können größere Mengen dieser Stoffe enthalten.
Im Maler- und Bauhandwerk sind Gerbstoffe wichtig, weil sie bei Kontakt mit Wasser aus dem Holz gelöst und an die Oberfläche transportiert werden können. Dadurch können gelbliche bis bräunliche Verfärbungen in nachfolgenden Putzen oder Beschichtungen entstehen.
Besonders bei hellen oder weißen wasserbasierten Anstrichen und Putzen auf gerbstoffreichen Hölzern muss deshalb geprüft werden, ob eine geeignete isolierende beziehungsweise absperrende Grundierung erforderlich ist.
Ähnliche Verfärbungen kennen wir aus der Praxis auch von ehemals tapezierten Flächen. Alte Tapeten, Tapetenkleister, Druckfarben oder frühere Beschichtungen können wasserlösliche Inhaltsstoffe hinterlassen, die beim erneuten Befeuchten des Untergrundes mobilisiert werden. Diese können anschließend in einen neuen Putz oder Anstrich wandern und dort gelbliche oder bräunliche Flecken verursachen.
Solche Verfärbungen müssen vor dem weiteren Beschichten oder Verputzen fachgerecht beurteilt und gegebenenfalls entfernt, isoliert beziehungsweise abgesperrt werden, damit die wasserlöslichen Stoffe nicht in die neue Oberfläche durchschlagen.
Der umgangssprachliche Begriff „Gerbsäure“ wird häufig zusammenfassend für verschiedene pflanzliche Gerbstoffe verwendet. Nicht jede gelbliche oder bräunliche Verfärbung eines Untergrundes ist jedoch auf Gerbstoffe zurückzuführen.
„Gekalkt“ bedeutet, dass eine Oberfläche oder ein Material mit Kalk behandelt wurde. Welche Behandlung gemeint ist, hängt vom jeweiligen Zusammenhang ab.
Bei Wänden und Fassaden bezeichnet „gekalkt“ meist einen traditionellen Kalkanstrich mit Kalkmilch beziehungsweise Kalkfarbe. Solche Anstriche wurden seit Jahrhunderten auf mineralischen Untergründen eingesetzt.
Bei Holz kann „gekalkt“ dagegen eine Gestaltungstechnik bezeichnen, bei der eine helle Masse in die Poren des Holzes eingearbeitet wird, um dessen Struktur hervorzuheben.
Auch in der Landwirtschaft wird von „Kalken“ gesprochen, wenn kalkhaltige Stoffe zur Bodenverbesserung beziehungsweise Regulierung des pH-Wertes ausgebracht werden.
Im Zusammenhang mit Kalkputzen und historischen Gebäuden ist mit „gekalkt“ in der Regel ein Anstrich auf Kalkbasis gemeint.
Kalkputz eignet sich besonders für tragfähige, mineralische und ausreichend saugfähige Untergründe. Dazu gehören beispielsweise Ziegelmauerwerk, Natursteinmauerwerk und geeignete mineralische Altputze.
Entscheidend ist jedoch weniger die Bezeichnung des Untergrundes als dessen Tragfähigkeit, Saugverhalten, Festigkeit und Oberflächenbeschaffenheit. Der Untergrund muss frei von losen Bestandteilen, Staub und haftungsmindernden Verschmutzungen sein.
Grundsätzlich kann Kalkputz auf sehr vielen tragfähigen Untergründen eingesetzt werden, wenn diese entsprechend vorbereitet werden. Je nach Untergrund kann beispielsweise ein Vornässen, Aufrauen, Vorspritzen, eine geeignete Haftvermittlung oder der Einsatz eines Putzträgers erforderlich sein.
Stark oder unterschiedlich saugende Untergründe müssen so vorbereitet werden, dass dem frischen Kalkputz das Anmachwasser nicht zu schnell oder ungleichmäßig entzogen wird. Auf sehr glatten oder schwach saugenden Flächen muss dagegen für eine ausreichende Haftung gesorgt werden.
Im Außenbereich kommt einem ausreichend saugfähigen und griffigen Untergrund eine besondere Bedeutung zu. Der Kalkputz sollte einen guten Verbund mit dem Untergrund eingehen können. Sehr glatte, dichte oder schwach saugende Flächen benötigen deshalb eine entsprechend abgestimmte Untergrundvorbereitung oder können in manchen Fällen auch nicht mit Kalk beschichtet werden.
Bei historischen Gebäuden sollte außerdem darauf geachtet werden, dass der neue Putz in seinen Eigenschaften zum vorhandenen Untergrund passt. Ein sehr harter und steifer Putz auf einem weicheren historischen Mauerwerk oder Altputz kann problematisch sein.
Untergründe aus Gips, Holz, Holzwerkstoffen, Beton oder anderen für Kalkputz nicht unmittelbar geeigneten Materialien schließen einen Kalkputz nicht grundsätzlich aus. Sie müssen jedoch gesondert beurteilt und mit einer geeigneten Untergrundvorbereitung, Haftvermittlung oder einem abgestimmten Putzträger für den Kalkputz vorbereitet werden.
„Gallerte“ beschreibt einen gelartigen Zustand beziehungsweise ein Gel. Für deinen Baustoffbereich können wir es kurz halten:
Eine Gallerte ist eine gelartige, formstabile Masse, bei der eine Flüssigkeit in einer feinen räumlichen Struktur gebunden ist. Sie besitzt Eigenschaften zwischen einer Flüssigkeit und einem festen Stoff.
Gallertartige Strukturen können bei unterschiedlichen natürlichen und technischen Stoffen entstehen. Im Bereich von Farben und Baustoffen können beispielsweise bestimmte Leime, Celluloseverbindungen oder andere Verdickungs- und Bindemittel gelartige Zustände bilden.
Der Begriff beschreibt damit vor allem die Konsistenz beziehungsweise Struktur eines Stoffsystems und nicht einen bestimmten Baustoff.
Ein Fresko ist eine Wandmalerei, bei der geeignete Pigmente auf einen noch frischen und feuchten Kalkputz aufgetragen werden. Die Technik wird deshalb auch als al fresco, also „ins Frische“, bezeichnet.
Beim klassischen Buon Fresco werden die Pigmente traditionell mit Wasser angerieben und auf die noch frische oberste Putzschicht, den Intonaco, aufgetragen. Während der Kalk im Putz karbonatisiert, bildet sich Calciumcarbonat und die Pigmente werden in die entstehende mineralische Oberfläche eingebunden.
Dadurch entsteht eine sehr dauerhafte Verbindung zwischen Malerei und Putz. Die Farbe liegt nicht lediglich als separate Anstrichschicht auf der Oberfläche, sondern wird durch die Karbonatisierung des Kalkes gebunden.
Kalkwasser beziehungsweise Kalksinterwasser kann ebenfalls bei historischen Kalkmaltechniken verwendet werden, beispielsweise zum Anreiben von Pigmenten oder bei bestimmten Ausführungsvarianten. Es ist jedoch kein zwingender Bestandteil des klassischen Buon Fresco, bei dem die Pigmente auch ausschließlich mit Wasser angerieben werden können.
Vom echten Fresko zu unterscheiden ist die Seccomalerei, bei der auf bereits abgebundenem beziehungsweise trockenem Putz gemalt wird. Da die Pigmente dort nicht mehr durch die Karbonatisierung eines frischen Intonacos ausreichend eingebunden werden, wird ein zusätzliches Bindemittel benötigt beziehungsweise eingesetzt.
Freskal bedeutet, dass eine Malerei oder ein Kalkanstrich auf einen noch frischen, feuchten Kalkputz aufgetragen wird. Der Begriff leitet sich wie das Fresko vom italienischen fresco für „frisch“ ab.
Bei der klassischen Freskomalerei werden geeignete Pigmente mit Wasser oder Kalkwasser angerieben und auf den noch frischen Kalkputz aufgetragen. Während der Kalk karbonatisiert, werden die Pigmente in die sich bildende Calciumcarbonatschicht eingebunden. Dadurch entsteht eine besonders dauerhafte Verbindung zwischen Putz und Malerei.
Freskal kann aber auch ein einfacher Kalkanstrich ausgeführt werden. Beispielsweise kann Sumpfkalkfarbe auf einen noch frischen, ausreichend festen Kalkputz gestrichen werden. Putz und Kalkanstrich karbonatisieren dabei miteinander und der Anstrich verbindet sich besonders innig mit dem Untergrund.
Der Begriff freskal beschreibt somit in erster Linie die Verarbeitung auf dem noch frischen Kalkputz. Eine freskale Ausführung muss nicht zwangsläufig eine künstlerische Freskomalerei sein. Auch ein traditioneller Kalkanstrich kann freskal ausgeführt werden.
Davon zu unterscheiden ist die Secco-Technik, bei der eine Malerei oder Beschichtung auf bereits abgebundenem beziehungsweise trockenem Putz ausgeführt wird.
Formaldehyd ist eine farblose, stechend riechende und sehr reaktionsfähige chemische Verbindung mit der Formel CH₂O. Bei Raumtemperatur liegt reines Formaldehyd gasförmig vor. Eine wässrige Formaldehydlösung wird als Formalin bezeichnet.
Formaldehyd wird industriell unter anderem zur Herstellung von Kunstharzen, Klebstoffen und anderen chemischen Produkten eingesetzt. Im Baubereich ist es insbesondere im Zusammenhang mit bestimmten Holzwerkstoffen und Bindemittelsystemen bekannt.
Formaldehyd kann aus Materialien an die Raumluft abgegeben werden und die Schleimhäute und Atemwege reizen. Es ist außerdem als krebserzeugend eingestuft.
Historisch wurden Formaldehyd beziehungsweise Formalin aufgrund ihrer reaktiven und konservierenden Eigenschaften auch bei verschiedenen handwerklichen und technischen Verfahren eingesetzt.
Bei Baustoffen für Innenräume ist deshalb nicht nur entscheidend, ob Formaldehyd bei der Herstellung verwendet wurde, sondern auch, welche Emissionen das fertige Produkt an die Raumluft abgibt.
Fluate sind Lösungen von Fluorosilikaten, die im Bau- und Malerhandwerk zur Behandlung mineralischer Untergründe eingesetzt werden. Sie werden insbesondere zum Neutralisieren alkalischer Putzoberflächen, zum Entfernen von Sinterschichten und zur Vorbereitung mineralischer Untergründe für nachfolgende Beschichtungen verwendet.
Beim sogenannten Fluatieren reagieren die sauren Fluorosilikate mit Bestandteilen des mineralischen Untergrundes. Dadurch kann die hohe Alkalität neuer Putzflächen beziehungsweise von Ausbesserungsstellen reduziert werden. Gleichzeitig können oberflächliche Sinterschichten angeätzt und entfernt werden, wodurch die Aufnahmefähigkeit und Haftung für nachfolgende Beschichtungen verbessert werden kann.
Fluate werden beispielsweise bei neuen oder ausgebesserten Kalk- und Zementputzen, mineralischen Altputzen sowie zur Entfernung störender Sinterschichten eingesetzt. Je nach Produkt und Anwendungsgebiet kommen unterschiedliche Fluorosilikate zum Einsatz.
Auch heute werden Fluate im Malerhandwerk und in der Baudenkmalpflege verwendet. Sie sind beispielsweise dann sinnvoll, wenn mineralische Untergründe neutralisiert, gereinigt oder vorhandene Sinterschichten vor einer weiteren Beschichtung entfernt werden müssen.
Da Fluate chemisch mit dem Untergrund reagieren und je nach Produkt als saure und gesundheitlich relevante Arbeitsstoffe einzustufen sind, müssen bei der Verarbeitung die Herstellerangaben und vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen beachtet werden. Bei manchen Produkten ist nach der Behandlung außerdem ein gründliches Nachwaschen mit Wasser erforderlich.
Firnis ist ein transparenter beziehungsweise nicht pigmentierter Anstrichstoff, der eine schützende oder gestalterische Schicht auf einer Oberfläche bildet. Je nach Art kann er auf trocknenden Ölen, Harzen oder Kombinationen daraus basieren.
Ein bekanntes Beispiel ist Leinölfirnis, der traditionell zur Behandlung von Holz sowie als Grundlage beziehungsweise Bindemittel für Ölanstriche verwendet wird.
Firnisse können je nach Zusammensetzung in den Untergrund eindringen oder einen Film auf der Oberfläche bilden. Eigenschaften wie Trocknung, Glanz und Widerstandsfähigkeit hängen vom verwendeten Bindemittel und der Herstellung ab.
Der Begriff darf nicht mit Standöl gleichgesetzt werden. Standöl bezeichnet ein durch Wärmebehandlung verändertes trocknendes Öl, während Firnis einen verarbeitungsfähigen Anstrichstoff bezeichnet.
Dolomitkalk ist ein magnesiumreicher Kalk, dessen Ausgangsgestein einen hohen Anteil des Minerals Dolomit enthält. Dolomit besitzt die chemische Zusammensetzung CaMg(CO₃)₂ und enthält damit sowohl Calcium als auch Magnesium.
Beim Brennen dolomitischer Kalksteine entstehen deshalb neben Calciumoxid auch magnesiumhaltige Bestandteile, insbesondere Magnesiumoxid. Beim Löschen können daraus Calciumhydroxid und Magnesiumhydroxid entstehen.
Dolomitische Kalke wurden regional traditionell als Bindemittel für Mörtel und Putze verwendet, wenn entsprechende natürliche Kalksteinvorkommen vorhanden waren.
In der europäischen Kalkklassifizierung werden dolomitische Luftkalke mit DL (Dolomitic Lime) bezeichnet. Davon zu unterscheiden sind calciumreiche Luftkalke mit der Bezeichnung CL (Calcium Lime).
Als fettigen Kalk bezeichnet man traditionell einen calciumreichen, weitgehend reinen Luftkalk, der beim Löschen einen besonders plastischen und ergiebigen Kalkteig bildet. Wird dieser Kalk mit Wasserüberschuss gelöscht und feucht gelagert, entsteht ein entsprechend geschmeidiger Sumpfkalk.
Die Bezeichnung „fett“ beschreibt dabei nicht den Fettgehalt und auch nicht eine bestimmte Lagerdauer, sondern die hohe Plastizität und Ergiebigkeit des Kalkes beziehungsweise Kalkteiges.
Eine längere Lagerung des Sumpfkalkes kann dessen Struktur und Verarbeitungseigenschaften zusätzlich beeinflussen. Eine bestimmte Lagerzeit von beispielsweise mehreren Jahren ist jedoch keine allgemeine Voraussetzung dafür, einen Kalk als „fett“ zu bezeichnen.
Fettiger Sumpfkalk wird traditionell für hochwertige Kalkputze, Kalkmörtel, Kalkfarben und dekorative Kalktechniken eingesetzt.
Erdfarben sind natürlich vorkommende mineralische Pigmente, die aus farbigen Erden und Gesteinen gewonnen und durch Mahlen, Sieben oder Schlämmen aufbereitet werden.
Zu den klassischen Erdfarben gehören beispielsweise Ocker, Umbra und Siena. Ihre Farbtöne entstehen insbesondere durch unterschiedliche Eisen- und Manganverbindungen sowie weitere mineralische Bestandteile.
Erdfarben gehören zu den ältesten vom Menschen verwendeten Pigmenten und wurden bereits seit vorgeschichtlicher Zeit für Malereien und Anstriche eingesetzt.
Viele Erdpigmente sind alkalibeständig und eignen sich deshalb gut für Kalkfarben und andere Kalktechniken. Ob ein Pigment tatsächlich kalkecht ist, muss jedoch für das jeweilige Pigment beurteilt werden.
Dispersionsfarben sind pigmentierte Anstrichstoffe, bei denen meist eine Kunststoffdispersion als Bindemittel dient. Sie sind wasserverdünnbar, vergleichsweise einfach zu verarbeiten und bilden beim Trocknen einen zusammenhängenden Kunststofffilm. Nach der Trocknung ist dieser Film nicht mehr mit Wasser löslich.
Dispersionsfarben gehören heute zu den am häufigsten verwendeten Anstrichstoffen für den Innen- und Außenbereich. Je nach Produkt unterscheiden sie sich erheblich hinsichtlich Deckvermögen, Abriebfestigkeit, Wasserdampfdurchlässigkeit und Wasseraufnahme.
Im Gegensatz zu rein mineralischen Kalkfarben enthält eine klassische Dispersionsfarbe organische Kunststoffbindemittel. Dadurch kann sie das Feuchteverhalten eines mineralischen Untergrundes verändern. Wie stark die Wasserdampfdiffusion oder die kapillare Wasseraufnahme eingeschränkt wird, hängt jedoch vom jeweiligen Produkt und der aufgetragenen Schichtdicke ab.
Dispersionsfarben können außerdem verschiedene Additive und Hilfsstoffe enthalten. Dazu gehören je nach Rezeptur beispielsweise Verdicker, Netz- und Dispergiermittel, Entschäumer sowie Konservierungsmittel. Als Weißpigment wird häufig Titandioxid (TiO₂) eingesetzt, das wesentlich zum hohen Deckvermögen vieler weißer Dispersionsfarben beiträgt.
Konservierungsmittel sind nicht in jeder Dispersionsfarbe enthalten. Es gibt inzwischen auch entsprechend formulierte konservierungsmittelfreie Produkte. Wer genau wissen möchte, welche Bestandteile eine Farbe enthält, sollte deshalb die Produktinformationen und, soweit verfügbar, eine Volldeklaration der Inhaltsstoffe prüfen.
Frischer gelöschter Kalk besitzt aufgrund des enthaltenen Calciumhydroxids eine stark alkalische Reaktion mit einem pH-Wert von etwa 12 oder darüber. Dieses stark alkalische Milieu kann viele Mikroorganismen schädigen beziehungsweise deren Wachstum hemmen.
Diese Eigenschaft wurde traditionell beispielsweise bei Kalkanstrichen in Ställen und anderen hygienisch sensiblen Bereichen genutzt.
Die hohe Alkalität ist jedoch nicht dauerhaft unverändert vorhanden. Während der Karbonatisierung reagiert Calciumhydroxid mit Kohlendioxid und wird zu Calciumcarbonat. Dadurch verändert sich auch der pH-Wert der Oberfläche.
Deshalb sollte zwischen der desinfizierenden beziehungsweise keimhemmenden Wirkung von frischem Kalk und den langfristigen Eigenschaften eines vollständig erhärteten Kalkputzes oder Kalkanstrichs unterschieden werden.
Carbonate sind die Salze der Kohlensäure und enthalten das Carbonat-Ion CO₃²⁻. Sie kommen in der Natur in zahlreichen Mineralen und Gesteinen vor.
Für Kalkbaustoffe ist vor allem Calciumcarbonat (CaCO₃) von Bedeutung. Es ist der Hauptbestandteil vieler Kalksteine und kommt unter anderem in Calcit, Kreide und Marmor vor.
Calciumcarbonat bildet zugleich Anfangs- und Endpunkt des Kalkkreislaufs: Kalkstein wird gebrannt und zu Branntkalk verarbeitet. Nach dem Löschen und der späteren Karbonatisierung entsteht wieder Calciumcarbonat.
Neben Calciumcarbonat gibt es zahlreiche weitere Carbonate, beispielsweise Magnesiumcarbonat und das Calcium-Magnesium-Carbonat Dolomit.
Calciumcarbonat (CaCO₃) ist eine natürliche chemische Verbindung aus Calcium, Kohlenstoff und Sauerstoff und der Hauptbestandteil vieler Kalksteine. Es kommt unter anderem in den Mineralen Calcit und Aragonit sowie in Gesteinen und Materialien wie Kalkstein, Kreide und Marmor vor.
Calciumcarbonat ist der Ausgangsstoff für die Herstellung vieler Kalkbindemittel. Beim Brennen von Kalkstein wird Kohlendioxid (CO₂) freigesetzt und aus Calciumcarbonat entsteht Calciumoxid (CaO), der sogenannte Branntkalk.
Wird Branntkalk anschließend mit Wasser gelöscht, entsteht Calciumhydroxid. Bei der späteren Karbonatisierung nimmt dieses wieder Kohlendioxid aus der Luft auf und wird erneut zu Calciumcarbonat.
Calciumcarbonat bildet damit sowohl den Ausgangspunkt als auch den Endpunkt des Kalkkreislaufs.
Branntkalk ist gebrannter Kalk und besteht bei calciumreichem Kalk überwiegend aus Calciumoxid (CaO). Er entsteht, wenn Kalkstein beziehungsweise Calciumcarbonat (CaCO₃) auf hohe Temperaturen erhitzt wird.
Beim sogenannten Kalkbrennen wird Kohlendioxid (CO₂) aus dem Calciumcarbonat ausgetrieben:
CaCO₃ → CaO + CO₂
Der entstandene Branntkalk reagiert stark mit Wasser. Beim sogenannten Kalklöschen entsteht unter erheblicher Wärmeentwicklung Calciumhydroxid (Ca(OH)₂).
Je nach Form und Weiterverarbeitung kann Branntkalk beispielsweise als Stückkalk vorliegen oder anschließend zu Kalkhydrat beziehungsweise Kalkteig weiterverarbeitet werden.
Branntkalk ist stark alkalisch und reagiert mit Wasser unter erheblicher Wärmeentwicklung. Der Umgang damit erfordert deshalb entsprechende Schutzmaßnahmen.
Borax ist ein natürlich vorkommendes beziehungsweise technisch hergestelltes Natriumborat. Es handelt sich um eine Borverbindung, die traditionell in verschiedenen handwerklichen und technischen Bereichen verwendet wurde.
Im Maler- und Restaurierungshandwerk ist Borax unter anderem im Zusammenhang mit Kasein bekannt. Borax kann dazu verwendet werden, Kasein aufzuschließen beziehungsweise in eine verarbeitbare Bindemittelform zu überführen.
Borax wurde darüber hinaus historisch für verschiedene Reinigungs-, Konservierungs- und technische Anwendungen eingesetzt.
Aufgrund seiner stofflichen Eigenschaften und der heutigen Einstufung bestimmter Borverbindungen ist bei der Verwendung auf die geltenden Sicherheits- und Gefahrstoffhinweise zu achten.
Bittersalz ist die gebräuchliche Bezeichnung für Magnesiumsulfat, meist in Form von Magnesiumsulfat-Heptahydrat (MgSO₄ · 7 H₂O). Es bildet farblose bis weiße, gut wasserlösliche Kristalle und besitzt einen bitteren Geschmack.
Magnesiumsulfat kommt natürlich in Mineralien und mineralhaltigen Wässern vor und wird für unterschiedliche technische, medizinische und landwirtschaftliche Anwendungen verwendet.
Im Bauwesen kann Magnesiumsulfat außerdem als bauschädliches Salz auftreten. Gelangt es mit Feuchtigkeit in Mauerwerk oder Putz und kristallisiert dort aus, können durch Kristallisationsvorgänge Schäden an mineralischen Baustoffen entstehen.
Bei historischen Gebäuden und feuchtebelastetem Mauerwerk sind vorhandene Salze deshalb ein wichtiger Bestandteil der Schadensanalyse.
Bindemittel sind Stoffe, die andere Bestandteile eines Baustoffes oder einer Beschichtung miteinander verbinden und nach dem Erhärten beziehungsweise Trocknen für deren Zusammenhalt sorgen.
Bei Putzen und Mörteln verbinden Bindemittel beispielsweise die Zuschläge wie Sand miteinander und sorgen für die Haftung am Untergrund. Typische mineralische Bindemittel sind Kalk, Zement und Gips.
Bei Farben verbinden Bindemittel Pigmente und Füllstoffe miteinander und mit dem Untergrund. Neben mineralischen Bindemitteln wie Kalk oder Wasserglas gibt es organische Bindemittel wie Kasein, pflanzliche Öle, Kunstharze und Kunststoffdispersionen.
Die Art des Bindemittels beeinflusst wesentliche Eigenschaften eines Baustoffes, beispielsweise Festigkeit, Elastizität, Feuchteverhalten, Wasserbeständigkeit und Verarbeitung.
Gerade bei Kalkputzen ist deshalb entscheidend, welche Bindemittel tatsächlich enthalten sind. Die Produktbezeichnung allein gibt darüber nicht immer vollständig Auskunft.
Die Bindekraft beschreibt die Fähigkeit eines Bindemittels, Zuschlagstoffe, Pigmente oder andere Bestandteile zu binden und dauerhaft zusammenzuhalten. Sie sorgt dafür, dass aus den einzelnen Bestandteilen eines Putzes, Mörtels oder Anstrichstoffes ein zusammenhängendes und ausreichend festes Gefüge entsteht.
Bei einem Putzmörtel bestimmt die Bindekraft beispielsweise mit, wie gut die einzelnen Sandkörner im erhärteten Mörtel miteinander verbunden sind. Bei einer Farbe sorgt das Bindemittel dafür, dass Pigmente und Füllstoffe zusammengehalten werden und nach dem Trocknen beziehungsweise Erhärten eine zusammenhängende Beschichtung bilden.
Bindekraft darf nicht mit der Haftung am Untergrund verwechselt werden. Die Bindekraft betrifft vor allem den inneren Zusammenhalt eines Materials. Die Haftung beschreibt dagegen die Verbindung zwischen dem Putz, Mörtel oder Anstrich und dem jeweiligen Untergrund.
Eine hohe Bindekraft bedeutet deshalb nicht automatisch eine hohe Haftung am Untergrund. Diese wird zusätzlich unter anderem durch Saugverhalten, Rauigkeit und Beschaffenheit des Untergrundes sowie durch die Verarbeitung beeinflusst.
Basen sind chemische Stoffe, die Säuren neutralisieren können und in wässrigen Systemen zu einer alkalischen Reaktion führen. Nach dem Brønsted-Konzept sind Basen Stoffe, die Protonen (H⁺) aufnehmen können.
Basen dürfen nicht mit Laugen gleichgesetzt werden. Als Lauge bezeichnet man eine alkalische wässrige Lösung, beispielsweise eine Natriumhydroxidlösung.
Auch Calciumhydroxid, der wesentliche Bestandteil von gelöschtem Kalk, ist eine Base. Da sich Calciumhydroxid nur begrenzt in Wasser löst, entsteht eine alkalische Lösung mit einem hohen pH-Wert.
Basische beziehungsweise alkalische Stoffe besitzen einen pH-Wert oberhalb von 7. Frischer gelöschter Kalk erreicht aufgrund des Calciumhydroxids einen pH-Wert von etwa 12 oder darüber.
Diese hohe Alkalität ist eine wichtige Eigenschaft von frischem Kalk und spielt unter anderem bei seiner keimhemmenden Wirkung und bei der Beständigkeit von Pigmenten eine Rolle.
Ein Anstrich ist eine auf einen Untergrund aufgebrachte Beschichtung aus einem flüssigen oder pastösen Anstrichstoff. Nach dem Trocknen beziehungsweise Erhärten entsteht eine zusammenhängende Schicht auf der Oberfläche.
Ein Anstrich kann unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Er kann eine Oberfläche gestalten, schützen oder ihre technischen Eigenschaften beeinflussen.
Je nach verwendetem Bindemittel unterscheidet man beispielsweise Kalkanstriche, Silikatanstriche, Dispersionsanstriche und Ölanstriche.
Ein Anstrich kann aus mehreren aufeinander abgestimmten Schichten bestehen, beispielsweise aus Grundierung, Zwischenanstrich und Schlussanstrich.
Bei mineralischen Untergründen wie Kalkputz ist die Wahl des Anstrichsystems wichtig, weil die Beschichtung unter anderem Wasserdampfdurchlässigkeit, Wasseraufnahme und Feuchteverhalten der Oberfläche beeinflussen kann.
Als Anteigen bezeichnet man das Anrühren eines pulverförmigen Stoffes mit einer kleinen Menge Flüssigkeit zu einer gleichmäßigen, pastösen Masse. Besonders häufig werden Pigmente angeteigt, bevor sie einer Farbe, Lasur oder einem anderen Beschichtungsstoff zugesetzt werden.
Durch das Anteigen werden die feinen Pulverteilchen möglichst gleichmäßig benetzt und Klumpenbildung wird vermieden. Dadurch lassen sich Pigmente anschließend besser und gleichmäßiger im jeweiligen Material verteilen.
Welche Flüssigkeit zum Anteigen verwendet wird, hängt vom späteren Bindemittel beziehungsweise Anstrichsystem ab. Verwendet werden können beispielsweise Wasser, Alkohol, Öl oder andere geeignete Flüssigkeiten.
Bei Kalkfarben und Kalklasuren werden kalkechte Pigmente beispielsweise mit Wasser oder Kalkwasser angeteigt und anschließend in das Kalkbindemittel eingerührt.
Alkalität beschreibt die basische beziehungsweise alkalische Eigenschaft eines Stoffes oder einer Lösung. Bei wässrigen Lösungen zeigt sich eine alkalische Reaktion durch einen pH-Wert oberhalb von 7.
Frischer gelöschter Kalk ist aufgrund des enthaltenen Calciumhydroxids stark alkalisch und erreicht einen pH-Wert von etwa 12 oder darüber.
Diese hohe Alkalität beeinflusst verschiedene Eigenschaften von Kalk. Sie schafft beispielsweise Bedingungen, unter denen viele Mikroorganismen nur eingeschränkt wachsen können. Gleichzeitig müssen Pigmente, die in Kalkfarben eingesetzt werden, gegenüber diesem alkalischen Milieu ausreichend beständig beziehungsweise kalkecht sein.
Während der Karbonatisierung wird Calciumhydroxid nach und nach zu Calciumcarbonat umgewandelt. Dadurch nimmt die hohe Alkalität des frischen Kalkes im Verlauf der Erhärtung ab.
Alkalität darf nicht mit Alkalien gleichgesetzt werden: Alkalität beschreibt eine Eigenschaft beziehungsweise das Säureneutralisationsvermögen eines Systems, während Alkalien bestimmte basisch reagierende Stoffe bezeichnen können.
Als Alkalien werden im engeren chemischen Sinn insbesondere die Hydroxide der Alkalimetalle bezeichnet. Für das Bau- und Malerhandwerk sind vor allem Natriumhydroxid (NaOH) und Kaliumhydroxid (KOH) von Bedeutung.
Werden diese Stoffe in Wasser gelöst, entstehen stark alkalische Lösungen, sogenannte Laugen. Natronlauge und Kalilauge können stark ätzend wirken und pflanzliches sowie tierisches Gewebe angreifen. Sie können außerdem Fette verseifen. Bei der klassischen Verseifung von Fetten entstehen dabei Glycerin und die Salze der enthaltenen Fettsäuren – also Seifen.
Im Bauwesen werden die Begriffe alkalisch und Alkalität jedoch weiter gefasst. Sie beschreiben eine basische Reaktion beziehungsweise Eigenschaft eines Stoffes. Deshalb ist beispielsweise auch frischer Kalk stark alkalisch. Verantwortlich dafür ist Calciumhydroxid Ca(OH)₂, obwohl Calcium nicht zu den Alkalimetallen, sondern zu den Erdalkalimetallen gehört.
Die Begriffe Alkalien, Basen, Laugen und Alkalität sollten deshalb nicht gleichgesetzt werden: Eine Base ist ein chemischer Oberbegriff, eine Lauge ist eine basische wässrige Lösung und Alkalität beschreibt die basische Eigenschaft beziehungsweise Reaktion eines Systems.
Lehmputz ist ein mineralischer Putz, bei dem Lehm beziehungsweise die darin enthaltenen Tonminerale die Bindung übernehmen. Traditionell besteht Lehmputz im Wesentlichen aus Lehm, Sand und gegebenenfalls natürlichen Fasern wie Stroh oder Pflanzenfasern.
Im Gegensatz zu Kalk, Gips oder Zement erhärtet Lehm nicht durch eine chemische Bindemittelreaktion. Seine Festigkeit entsteht im Wesentlichen durch Trocknung und die Bindekraft der Tonminerale. Wird unbehandelter Lehm erneut ausreichend mit Wasser befeuchtet, kann er deshalb grundsätzlich wieder plastisch werden.
Lehmputz kann Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und wieder abgeben und besitzt dadurch eine ausgeprägte Feuchtepufferung beziehungsweise Sorptionsfähigkeit. Diese Eigenschaft kann zu einem ausgeglicheneren Raumklima beitragen.
Lehmputz wird vor allem im Innenbereich, im ökologischen Bauen, im Fachwerkbau und bei der Altbausanierung eingesetzt. Dauerhafte starke Durchfeuchtung und direkte Bewitterung sind für klassischen Lehmputz dagegen problematisch.
Die genaue Zusammensetzung moderner Lehmputze kann je nach Hersteller unterschiedlich sein. Wer Wert auf einen traditionellen Lehmputz ohne zusätzliche Bindemittel oder andere Zusätze legt, sollte deshalb auch hier die Volldeklaration prüfen.
Ja, Kalkputz kann selbst gemischt werden. Ein traditioneller Kalkputz besteht im Wesentlichen aus einem geeigneten Kalkbindemittel, Sand und Wasser.
Entscheidend für einen guten Kalkputz sind jedoch die Art des Kalkes, die Körnung und Sieblinie des Sandes und das Mischungsverhältnis. Ein pauschales Mischungsverhältnis ist deshalb nicht für jede Anwendung gleichermaßen geeignet.
Als Bindemittel können beispielsweise Luftkalk in Form von Kalkhydrat oder Sumpfkalk sowie natürlich hydraulische Kalke (NHL) verwendet werden. Welcher Kalk geeignet ist, hängt unter anderem von Untergrund, Einsatzbereich und den gewünschten Eigenschaften des Putzes ab.
Auch der Sand ist nicht nur ein Füllstoff. Korngröße, Kornform und Kornverteilung beeinflussen Verarbeitung, Schwindverhalten, Porenstruktur und Festigkeit des fertigen Kalkputzes.
Wer Kalkputz selbst mischen möchte, sollte deshalb nicht einfach nach einem beliebigen Verhältnis von „Kalk zu Sand“ arbeiten, sondern die Rezeptur auf die konkrete Anwendung abstimmen.
Wie viel Kalkputz pro Quadratmeter benötigt wird, hängt vor allem von der Auftragsdicke und der Rohdichte des verwendeten Putzes ab. Einen für alle Kalkputze gültigen Verbrauchswert gibt es deshalb nicht.
Bei einem fertigen Kalkputz gibt der Hersteller den Materialverbrauch üblicherweise in Kilogramm pro Quadratmeter und Millimeter beziehungsweise Zentimeter Schichtdicke an.
Ein Beispiel: Benötigt ein Putz laut Hersteller etwa 1,5 kg/m² je Millimeter Schichtdicke, ergibt sich bei 15 mm Putzdicke ein theoretischer Verbrauch von etwa 22,5 kg/m².
Bei der Berechnung sollten zusätzlich Unebenheiten des Untergrundes, unterschiedliche Schichtdicken und ein angemessener Materialzuschlag berücksichtigt werden.
Bei selbst gemischtem Kalkputz hängt der Verbrauch zusätzlich von der verwendeten Rezeptur, den Zuschlägen und der Verdichtung des Mörtels ab.
Wie lange Kalkputz feucht gehalten werden muss, hängt von Kalkart, Putzdicke, Untergrund und Witterungsbedingungen ab. Entscheidend ist, dass der frische Kalkputz nicht zu schnell austrocknet.
Besonders Luftkalkputze aber auch natürlich hydraulische Kalkputze (NHL) benötigen in der frühen Erhärtungsphase ausreichend Feuchtigkeit. Trocknet die Oberfläche durch Sonne, Wind, hohe Temperaturen oder einen stark saugenden Untergrund zu schnell aus, können Verarbeitung, Festigkeitsentwicklung und Karbonatisierung beeinträchtigt werden.
Bei Bedarf wird der Kalkputz deshalb nach dem Auftrag vorsichtig feucht gehalten beziehungsweise nachgenässt. Wie häufig und wie lange das erforderlich ist, lässt sich nicht pauschal festlegen und muss an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden.
Wichtiger als eine starre Vorgabe wie „drei Tage feucht halten“ ist deshalb die Regel: Kalkputz muss vor zu schneller Austrocknung geschützt werden.
Kalkputz kann grundsätzlich tapeziert werden, allerdings beeinflusst die Tapete zusammen mit Grundierung, Kleister und gegebenenfalls vorhandenen Beschichtungen die Eigenschaften der fertigen Wandoberfläche.
Wer Kalkputz wegen seiner Feuchtepufferung, Sorptionsfähigkeit und mineralischen Oberfläche gewählt hat, sollte deshalb überlegen, ob eine Tapete überhaupt sinnvoll ist. Je dichter der nachfolgende Wandaufbau ist, desto stärker können diese Eigenschaften an der Oberfläche eingeschränkt werden.
Soll dennoch tapeziert werden, sind wasserdampfdurchlässige Papiertapeten oder andere entsprechend offene Systeme in der Regel besser als sehr dichte Vinyl- oder Kunststofftapeten. Auch der verwendete Kleister und eine eventuell notwendige Grundierung müssen zum Untergrund passen.
Aus meiner Sicht ist es bei einem hochwertigen Naturkalkputz meist sinnvoller, die mineralische Oberfläche sichtbar zu lassen und bei Bedarf mit einer geeigneten Kalk- oder Silikatfarbe zu gestalten.
Eine Tapete macht einen Kalkputz also nicht automatisch funktionslos. Sie kann jedoch Eigenschaften der ursprünglichen mineralischen Oberfläche verändern oder einschränken.
Auf einen Kalkputz im Innenbereich muss grundsätzlich keine weitere Beschichtung aufgebracht werden. Ein fachgerecht ausgeführter Kalkoberputz kann selbst die fertige Wandoberfläche bilden.
Soll die Oberfläche farbig gestaltet werden, eignen sich insbesondere mineralische Anstrichsysteme, die auf den Kalkputz und die gewünschte Nutzung abgestimmt sind. Dazu gehören beispielsweise traditionelle Kalkfarben und geeignete Silikatfarben.
Kalkfarben passen besonders gut zu reinen Kalkputzen, da auch hier Kalk als Bindemittel dient. Bei einer freskalen Ausführung kann die Kalkfarbe bereits auf den noch frischen Kalkputz aufgetragen werden und gemeinsam mit der Putzoberfläche karbonatisieren.
Auch geeignete Silikatfarben können auf Kalkputzen eingesetzt werden und wasserdampfdurchlässige mineralische Oberflächen ermöglichen. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass sich reine Silikatfarben und Dispersionssilikatfarben in ihrer Zusammensetzung unterscheiden.
Im Außenbereich sollte ein Kalkputz in der Regel zusätzlich vor Witterungseinflüssen geschützt werden. Bewährt haben sich hierfür insbesondere Sumpfkalkanstriche sowie geeignete Silikatanstriche. Sie vermindern die direkte Beanspruchung der Putzoberfläche durch Schlagregen und Witterung, ohne den für Kalkputze wichtigen Feuchtetransport unnötig stark einzuschränken. Je nach Exposition können mehrere Anstriche erforderlich sein.
Andere Beschichtungen sind technisch grundsätzlich möglich. Grundierungen, Dispersionsfarben, Latexfarben oder Tapeten können jedoch das Saug-, Sorptions- und Feuchteverhalten der Kalkputzoberfläche verändern. Bei noch nicht ausreichend karbonatisierten Kalkputzen können sehr dichte Beschichtungen zusätzlich den Zutritt von Kohlendioxid (CO₂) behindern und damit die weitere Karbonatisierung beeinträchtigen.
Wer die besonderen Eigenschaften eines reinen Kalkputzes möglichst wenig verändern möchte, sollte deshalb ein darauf abgestimmtes mineralisches Beschichtungssystem wählen oder im Innenbereich den Kalkoberputz ohne zusätzliche Beschichtung als fertige Oberfläche belassen.
Kalkputz eignet sich sehr gut für Wand- und Deckenflächen im Badezimmer, weil er Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben kann. Dadurch kann er kurzfristige Feuchtespitzen, wie sie beispielsweise beim Duschen entstehen, abpuffern.
Zusätzlich besitzt frischer beziehungsweise noch nicht vollständig karbonatisierter Kalk aufgrund seiner hohen Alkalität Bedingungen, die das Wachstum vieler Mikroorganismen erschweren. Für dauerhaft schimmelfreie Oberflächen sind jedoch immer auch ausreichende Lüftung, Beheizung und ein funktionierender Feuchtehaushalt erforderlich.
Kalkputz ist allerdings nicht automatisch für jeden Bereich eines Badezimmers geeignet. In direkt und regelmäßig mit Wasser belasteten Bereichen, beispielsweise innerhalb einer Dusche, ist ein entsprechend wasserbeständiger und fachgerecht ausgeführter Wandaufbau erforderlich. Ein normaler Kalkputz ersetzt dort keine erforderliche Abdichtung.
Auch bei Fliesen auf Kalkputz muss genauer hingeschaut werden. Insbesondere weiche, geringfeste reine Kalkputze sind als Untergrund für Fliesen nicht ohne Weiteres geeignet. Entscheidend sind die Festigkeit und Tragfähigkeit des Putzes, das Gewicht und Format der Fliesen sowie der gesamte vorgesehene Systemaufbau. Soll eine Fläche verfliest werden, sollte deshalb bereits bei der Auswahl des Putzsystems berücksichtigt werden, dass sie später als Fliesenuntergrund dienen soll.
Außerhalb der unmittelbar mit Wasser belasteten Bereiche kann ein geeigneter Kalkputz eine sehr gute mineralische Oberfläche für Badezimmer sein.
Besonders sinnvoll ist es, den Kalkputz dort mit einer wasserdampfdurchlässigen mineralischen Oberfläche, beispielsweise einer geeigneten Kalkfarbe, zu kombinieren, statt seine feuchteregulierenden Eigenschaften durch unnötig dichte Beschichtungen einzuschränken.
Albumine sind eine Gruppe wasserlöslicher Proteine, die unter anderem in Blut, Milch und Hühnerei vorkommen. Ein bekanntes Beispiel ist Ovalbumin, ein wesentlicher Proteinbestandteil des Eiklars.
In historischen Mal- und Handwerkstechniken wurden eiweißhaltige Stoffe aufgrund ihrer bindenden und filmbildenden Eigenschaften verwendet.
Albumine können beim Trocknen beziehungsweise durch äußere Einflüsse ihre Struktur verändern und wurden deshalb unter anderem als Bestandteile historischer Bindemittel, Grundierungen und Beschichtungen eingesetzt.
Heute ist der Begriff vor allem bei der Untersuchung und Restaurierung historischer Mal- und Beschichtungstechniken von Bedeutung.
Akrolein ist eine farblose bis gelbliche, sehr reaktionsfähige und stechend riechende chemische Verbindung mit der Formel C₃H₄O. Es gehört zur Stoffgruppe der Aldehyde.
Akrolein kann unter anderem entstehen, wenn Fette und Öle stark erhitzt oder thermisch zersetzt werden. Auch bei Verbrennungsprozessen kann es freigesetzt werden.
Der Stoff reizt bereits in geringen Konzentrationen Augen und Atemwege und ist gesundheitsschädlich.
Im Zusammenhang mit historischen Anstrichstoffen und trocknenden Ölen ist Akrolein vor allem als chemischer Begriff beziehungsweise mögliches Zersetzungsprodukt von Interesse. Für die praktische Verarbeitung moderner Kalkputze spielt es dagegen keine wesentliche Rolle.
Additive sind Stoffe, die einem Baustoff in meist vergleichsweise kleinen Mengen zugesetzt werden, um bestimmte Eigenschaften gezielt zu beeinflussen. Sie können natürlichen oder synthetischen Ursprungs sein.
In Putzen und Mörteln können Additive beispielsweise Verarbeitung, Wasserhaltevermögen, Haftung, Abbindezeit, Luftporengehalt oder Wasseraufnahme verändern.
Zu den möglichen Additiven gehören beispielsweise Celluloseether, Stärkeether, Luftporenbildner, Hydrophobierungsmittel oder Verzögerer. Welche Stoffe eingesetzt werden, hängt von der jeweiligen Rezeptur und den gewünschten Eigenschaften des Produktes ab.
Additive sind nicht grundsätzlich negativ zu bewerten. Entscheidend ist, welcher Stoff enthalten ist, in welcher Menge er eingesetzt wird und welche Eigenschaften des Baustoffes dadurch verändert werden.
Bei Kalkputzen ist außerdem zwischen Additiven und zusätzlichen Bindemitteln zu unterscheiden. Zement, Gips oder eine Kunststoffdispersion sind nicht einfach mit jedem Verarbeitungshilfsmittel gleichzusetzen.
Wer genau wissen möchte, welche Bestandteile ein Baustoff enthält, benötigt eine Volldeklaration.
Ein fachgerecht hergestellter und verarbeiteter Kalkputz kann viele Jahrzehnte und unter geeigneten Bedingungen sogar Jahrhunderte erhalten bleiben. Historische Gebäude zeigen, dass Kalkputze bei passendem Untergrund und funktionierendem Feuchtehaushalt eine sehr hohe Lebensdauer erreichen können.
Entscheidend für die Haltbarkeit sind unter anderem Untergrund, Zusammensetzung des Putzes, Verarbeitung, Witterungsbelastung und Feuchteverhältnisse. Ebenso wichtig ist, womit der Kalkputz im Laufe seines Lebens beschichtet oder überarbeitet wird.
Ungeeignete Grundierungen, Anstriche oder Beschichtungen können das Saug-, Sorptions- und Austrocknungsverhalten eines Kalkputzes verändern. Insbesondere bei Feuchtigkeit im Wandaufbau können zu dichte Beschichtungen die Austrocknung über die Oberfläche behindern und dadurch langfristig Putz- und Anstrichschäden begünstigen.
Kalkputz ist im Vergleich zu sehr harten und starren Putzsystemen relativ verformungsfähig und kann deshalb besonders auf historischen und weicheren Untergründen von Vorteil sein. Schäden entstehen häufig nicht allein durch das Alter des Putzes, sondern beispielsweise durch dauerhafte Durchfeuchtung, Salze, ungeeignete Beschichtungen, Bewegungen des Untergrundes oder nicht aufeinander abgestimmte Materialien.
Auch kleinere Schäden bedeuten nicht automatisch, dass ein alter Kalkputz vollständig entfernt werden muss. Tragfähige und gut erhaltene historische Kalkputze können häufig erhalten und Fehlstellen mit geeigneten Kalkmörteln ergänzt beziehungsweise repariert werden.
Davon zu unterscheiden ist die Lagerfähigkeit eines noch nicht verarbeiteten Kalkputzes. Bei trockenen oder gebrauchsfertigen Fertigprodukten richtet sie sich nach der jeweiligen Zusammensetzung, Lagerung und den Angaben des Herstellers.
Traditioneller Kalkputz wird aus Kalk als Bindemittel, mineralischen Zuschlägen wie Sand und Wasser hergestellt. Je nach gewünschter Eigenschaft und Anwendung können unterschiedliche Kalkarten, Zuschläge und Rezepturen verwendet werden.
Als Bindemittel können beispielsweise Luftkalk in Form von Kalkhydrat oder Sumpfkalk sowie natürlich hydraulischer Kalk (NHL) eingesetzt werden.
Bei einem traditionellen Luftkalkputz werden Kalk, Sand und Wasser zu einem verarbeitbaren Mörtel gemischt. Nach dem Auftrag erhärtet der Kalk durch Karbonatisierung. Dabei reagiert Calciumhydroxid mit Kohlendioxid aus der Luft und wird zu Calciumcarbonat.
Bei Putzen mit NHL laufen zusätzlich hydraulische Reaktionen ab.
Industriell hergestellte Produkte, die als Kalkputz angeboten werden, können neben Kalk und mineralischen Zuschlägen weitere Bindemittel und Additive enthalten. Dazu können je nach Produkt beispielsweise Zement, Gips, organische Bindemittel oder Verarbeitungshilfen gehören.
Deshalb beschreibt die Bezeichnung „Kalkputz“ allein noch keine eindeutige Rezeptur. Wer einen reinen beziehungsweise von mir als Naturkalkputz bezeichneten Kalkputz verwenden möchte, sollte die vollständige Zusammensetzung prüfen.
Kalkputz kann ein vergleichsweise einfacher und langlebiger mineralischer Baustoff sein, ist aber nicht automatisch umweltfreundlich. Seine Umweltwirkung hängt von Rohstoffen, Herstellung, Rezeptur, Transport, Lebensdauer und späterer Entsorgung beziehungsweise Wiederverwendung ab.
Für die Herstellung von Kalk muss Kalkstein gebrannt werden. Dabei wird Energie benötigt und Kohlendioxid sowohl durch den Brennstoff als auch durch die Entsäuerung des Kalksteins freigesetzt.
Während der späteren Karbonatisierung nimmt Luftkalk einen Teil des zuvor beim Brennen aus dem Calciumcarbonat freigesetzten Kohlendioxids wieder auf. Dadurch wird die Herstellung jedoch nicht automatisch klimaneutral, da unter anderem die für den Brennprozess benötigte Energie berücksichtigt werden muss.
Ein traditioneller Kalkputz kann gleichzeitig Vorteile besitzen: Er besteht aus vergleichsweise wenigen mineralischen Rohstoffen, kann eine sehr lange Lebensdauer erreichen und lässt sich auf geeigneten historischen Untergründen häufig reparieren, statt vollständig ersetzt zu werden.
Nicht jeder als Kalkputz bezeichnete Fertigputz besitzt jedoch dieselbe Zusammensetzung. Zusätzliche Bindemittel, organische Bestandteile und Additive können die Umweltbilanz verändern.
Ob ein Kalkputz ökologisch sinnvoll ist, sollte deshalb nicht allein anhand des Wortes „Kalk“, sondern anhand der gesamten Zusammensetzung und des vorgesehenen Einsatzes beurteilt werden.
Kalkputz kann auf sehr vielen Untergründen aufgebracht werden, allerdings ist nicht jeder Untergrund ohne entsprechende Vorbereitung dafür geeignet. Entscheidend ist, dass der Untergrund ausreichend tragfähig ist und so vorbereitet wird, dass der Kalkputz dauerhaft daran haften kann.
Besonders gut eignen sich mineralische und ausreichend saugfähige Untergründe wie Ziegelmauerwerk, Natursteinmauerwerk und geeignete mineralische Altputze. Hier kann der Kalkputz bei richtiger Vorbereitung einen guten Verbund mit dem Untergrund eingehen.
Auch auf Beton, Gips, glatten oder schwach saugenden Untergründen kann Kalkputz grundsätzlich möglich sein. Je nach Untergrund sind jedoch besondere Maßnahmen erforderlich, beispielsweise Aufrauen, eine geeignete Haftvermittlung, ein Vorspritzmörtel oder ein darauf abgestimmter Putzaufbau.
Bei Holz und Holzwerkstoffen kann Kalkputz nicht unmittelbar wie auf einem mineralischen Mauerwerk aufgebracht werden. Hier ist in der Regel ein geeigneter Putzträger oder ein entsprechend aufgebautes Putzsystem erforderlich. Außerdem müssen mögliche Bewegungen und Feuchteeinflüsse des Untergrundes berücksichtigt werden.
Besondere Vorsicht ist bei alten Anstrichen, Beschichtungen, Tapetenresten oder unbekannten Altputzen erforderlich. Nicht tragfähige oder haftungsmindernde Schichten müssen entfernt beziehungsweise fachgerecht vorbereitet werden.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, aus welchem Material der Untergrund besteht. In vielen Fällen lässt sich durch eine geeignete Untergrundvorbereitung ein funktionierender Putzgrund für Kalkputz herstellen. Dabei müssen jedoch auch Festigkeit, Saugverhalten, Feuchtebelastung und mögliche Bewegungen des Untergrundes zum verwendeten Kalkputz passen.
Gerade bei historischen Gebäuden gilt: Der neue Putz sollte auf den vorhandenen Untergrund abgestimmt werden, nicht der Untergrund mit möglichst harten oder dichten Materialien an den Putz angepasst werden.
Ein guter Kalkputz sollte in erster Linie zum Untergrund, zum Gebäude und zur vorgesehenen Nutzung passen. Die Bezeichnung „Kalkputz“ allein ist dafür kein ausreichendes Qualitätsmerkmal.
Für die Sanierung von Altbauten und historischen Gebäuden bevorzuge ich reine, zementfreie Kalkputze, bei denen Kalk das Bindemittel ist und die Zusammensetzung vollständig offengelegt wird.
Ein guter Kalkputz sollte deshalb aus meiner Sicht eine Volldeklaration besitzen. So lässt sich erkennen, ob neben Kalk weitere Bindemittel wie Zement, Gips oder organische Bindemittel sowie andere Zusätze enthalten sind.
Wichtig sind außerdem die technischen Eigenschaften. Festigkeit, Porenstruktur, Wasseraufnahme, Wasserdampfdurchlässigkeit und Verformungsfähigkeit müssen zum jeweiligen Untergrund und Einsatzzweck passen. Härter ist bei einem Putz nicht automatisch besser.
Besonders bei historischen und weichen Untergründen kann ein vergleichsweise weicher und kapillar aktiver Kalkputz sinnvoller sein als ein hochfester Putz.
Einen reinen Kalkputz ohne Zement, Gips und organische Bindemittel bezeichne ich als Naturkalkputz. Entscheidend ist dabei nicht der Produktname, sondern die tatsächliche Zusammensetzung und Eignung für das jeweilige Gebäude.
Kalkputz besitzt viele Vorteile, hat aber auch Eigenschaften, die je nach Baustelle und Anwendung als Nachteil empfunden werden können. Besonders traditionelle reine Kalkputze stellen höhere Anforderungen an Untergrund, Verarbeitung und Nachbehandlung als manche industriell stark modifizierten Putzsysteme.
Ein Nachteil kann die langsamere Festigkeitsentwicklung sein. Aus Luftkalk oder NHL hergestellte Kalkputze erhärten durch Karbonatisierung und benötigen dafür geeignete Feuchtigkeitsbedingungen und Kohlendioxid aus der Luft. Zu schnelle Austrocknung kann die Erhärtung beeinträchtigen.
Kalkputz muss außerdem zum Untergrund passen. Auf ungeeigneten, sehr glatten oder stark unterschiedlich saugenden Untergründen sind entsprechende Vorbereitungen erforderlich.
Reine Kalkputze erreichen in der Regel nicht die hohen Festigkeiten zementhaltiger Putze. Das ist auf vielen historischen und weicheren Untergründen gerade ein Vorteil, kann aber bei mechanisch stark beanspruchten Flächen oder speziellen Anwendungen eine Einschränkung sein.
Die Verarbeitung erfordert Erfahrung. Zeitpunkt von Auftrag, Nachbehandlung, Rabottieren, Filzen oder Glätten hängt stark von Material und Umgebungsbedingungen ab.
Ein weiterer Nachteil ist die uneindeutige Produktbezeichnung am Markt: Nicht jeder als Kalkputz bezeichnete Putz ist ein reiner Kalkputz. Wer gezielt bestimmte Eigenschaften sucht, muss deshalb die Zusammensetzung prüfen.
Kalkputz ist also nicht für jede Anwendung automatisch die beste Lösung. Richtig ausgewählt und verarbeitet, liegen gerade viele seiner vermeintlichen Nachteile, etwa die geringere Festigkeit, bei Altbauten gleichzeitig in seinen Stärken.
Kalkputz kann Feuchtigkeit aufnehmen, weiterleiten und wieder an die Umgebung abgeben und eignet sich deshalb besonders für mineralische Wandaufbauten und viele historische Gebäude. Welche Eigenschaften tatsächlich erreicht werden, hängt jedoch von Zusammensetzung, Porenstruktur, Untergrund und Verarbeitung ab.
Reine Kalkputze sind wasserdampfdurchlässig und kapillar aktiv. Sie können Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben und dadurch kurzfristige Feuchtespitzen im Raum abpuffern.
Frischer Kalk besitzt aufgrund des enthaltenen Calciumhydroxids eine hohe Alkalität, die für viele Mikroorganismen ungünstige Bedingungen schafft. Ein Kalkputz ersetzt jedoch keine funktionierende Baukonstruktion, Lüftung oder Beheizung und kann Schimmel nicht unter allen Bedingungen verhindern.
Ein weiterer Vorteil ist die vergleichsweise gute Verformungsfähigkeit weicher Kalkputze. Dadurch können sie besonders gut zu historischen Mauerwerken und anderen weniger festen Untergründen passen.
Traditionelle Kalkputze können außerdem sehr langlebig und reparaturfähig sein. Historische Gebäude zeigen, dass fachgerecht ausgeführte Kalkputze über sehr lange Zeiträume erhalten bleiben können.
Diese Vorteile dürfen allerdings nicht automatisch auf jedes Produkt mit der Bezeichnung „Kalkputz“ übertragen werden. Zusätzliche Bindemittel und Additive können die Eigenschaften verändern. Wer gezielt die Eigenschaften eines reinen Kalkputzes nutzen möchte, sollte deshalb die vollständige Zusammensetzung prüfen.
Bei Kalkputz sind vor allem ein geeigneter Untergrund, die richtige Materialwahl, ausreichende Feuchtigkeit während der frühen Erhärtung und passende Umgebungsbedingungen wichtig.
Der Untergrund muss tragfähig, sauber und für den verwendeten Kalkputz geeignet sein. Stark saugende Untergründe müssen gegebenenfalls vorgenässt werden, damit dem frischen Putz nicht zu schnell Wasser entzogen wird.
Kalkputz sollte nicht bei ungeeigneten Temperaturen verarbeitet werden. Besonders Frost, starke Hitze, direkte Sonneneinstrahlung und Zugluft können die Erhärtung beziehungsweise Trocknung negativ beeinflussen.
Frischer Kalkputz darf nicht zu schnell austrocknen. Besonders bei Luftkalkputzen sind geeignete Feuchtigkeitsbedingungen wichtig, damit die Karbonatisierung stattfinden kann. Putze mit natürlich hydraulischem Kalk benötigen außerdem Wasser für ihre hydraulischen Reaktionen.
Auch die Schichtdicke und die Wartezeit zwischen einzelnen Putzlagen müssen zum verwendeten Material passen. Zu dicke Lagen oder eine zu schnelle Weiterbearbeitung können Risse und andere Schäden begünstigen.
Schließlich sollte auch die spätere Beschichtung zum Kalkputz passen. Wer dessen mineralische und feuchteregulierende Eigenschaften erhalten möchte, sollte ein entsprechend abgestimmtes mineralisches Anstrichsystem wählen.
Entscheidend ist deshalb nicht eine einzelne Regel, sondern ein aufeinander abgestimmtes System aus Untergrund, Kalkputz, Verarbeitung, Trocknungsbedingungen und Beschichtung.
Kalkputz ist ein mineralischer Putz, bei dem Kalk des Bindemittels bildet. Traditioneller Kalkputz besteht im Wesentlichen aus Kalk, mineralischen Zuschlägen wie Sand und Wasser.
Als Kalkbindemittel können unterschiedliche Kalkarten eingesetzt werden. Luftkalk erhärtet durch Karbonatisierung, also durch die Reaktion von Calciumhydroxid mit Kohlendioxid aus der Luft. Bei natürlich hydraulischem Kalk (NHL) laufen zusätzlich hydraulische Reaktionen ab.
Die Bezeichnung „Kalkputz“ bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Kalk das einzige Bindemittel ist. Industriell hergestellte Kalkputze können neben Kalk beispielsweise Zement, Gips, organische Bindemittel und weitere Additive enthalten.
Deshalb unterscheide ich zwischen allgemein als Kalkputz bezeichneten Produkten und einem reinen Kalkputz, den ich Naturkalkputz nenne. Ein Naturkalkputz enthält nach dieser Definition keinen Zement, keinen Gips und keine organischen Bindemittel. Entscheidend ist eine transparente beziehungsweise vollständig deklarierte Zusammensetzung.
Reine Kalkputze sind wasserdampfdurchlässig, kapillar aktiv und können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Aufgrund ihrer vergleichsweise guten Verformungsfähigkeit eignen sie sich besonders für viele Altbauten und historische Gebäude.
Welche Eigenschaften ein Kalkputz tatsächlich besitzt, hängt jedoch immer von Bindemittel, Zuschlägen, weiteren Bestandteilen, Untergrund und Verarbeitung ab. Die Produktbezeichnung „Kalkputz“ allein reicht deshalb nicht aus, um die Qualität oder Zusammensetzung eines Produktes zu beurteilen.
Kalkputz kann bei der Vorbeugung von Schimmel vorteilhaft sein, weil er Feuchtigkeit puffern kann und frischer Kalk aufgrund seiner hohen Alkalität ungünstige Bedingungen für viele Schimmelpilze schafft.
Besonders reine, poröse Kalkputze können Wasserdampf aus der Raumluft aufnehmen und bei sinkender Luftfeuchtigkeit wieder abgeben. Dadurch können kurzfristige Feuchtespitzen an der Wandoberfläche abgepuffert und die Zeiträume mit hoher Oberflächenfeuchte reduziert werden.
Darüber hinaus kann ein entsprechend aufgebauter Kalkputz flüssige Feuchtigkeit kapillar aufnehmen und verteilen. Dadurch kann sich Feuchtigkeit auf eine größere Fläche verteilen und unter geeigneten Bedingungen wieder an die Raumluft abgegeben werden.
Frischer Kalk besitzt aufgrund des enthaltenen Calciumhydroxids einen hohen pH-Wert. Während der Karbonatisierung wird Calciumhydroxid jedoch nach und nach zu Calciumcarbonat umgewandelt. Die hohe Alkalität des frischen Kalkes bleibt deshalb nicht dauerhaft in gleicher Stärke bestehen.
Kalkputz kann Schimmel allerdings nicht verhindern, wenn die Ursache einer dauerhaften Feuchtebelastung bestehen bleibt. Wärmebrücken, eindringende Feuchtigkeit, Leckagen, unzureichende Beheizung oder Lüftung und andere bauphysikalische Ursachen müssen deshalb untersucht und gegebenenfalls beseitigt werden.
Auch auf Kalkputz kann Schimmel wachsen, insbesondere wenn die Oberfläche über längere Zeit ausreichend feucht bleibt oder sich organische Stoffe wie Staub, Schmutz oder andere Nährstoffe darauf ablagern.
Kalkputz ist deshalb kein Mittel zur Beseitigung der Ursache eines Schimmelproblems. Als sorptionsfähige, kapillar aktive und mineralische Oberfläche kann ein geeigneter Kalkputz jedoch dazu beitragen, die Bedingungen für Schimmelwachstum ungünstiger zu gestalten.
Traditionelle reine Kalkputze werden heute seltener eingesetzt als industriell optimierte Gips-, Kalkzement- oder andere moderne Putzsysteme. Ein wesentlicher Grund liegt in den veränderten Anforderungen des heutigen Bauablaufs.
Traditionelle Kalkputze benötigen eine fachgerechte Untergrundvorbereitung, geeignete klimatische Bedingungen und ausreichend Zeit für Erhärtung und Trocknung. Insbesondere zementfreie Kalkputze dürfen nicht zu schnell austrocknen und benötigen für ihre Erhärtung durch Karbonatisierung entsprechende Bedingungen.
Moderne Baustellen sind dagegen häufig auf kurze Bauzeiten, hohe Flächenleistungen und möglichst genau planbare Arbeitsabläufe ausgerichtet. Industriell modifizierte Putzsysteme lassen sich an diese Anforderungen häufig leichter anpassen.
Gleichzeitig ist das praktische Wissen über traditionelle Kalktechniken in vielen Bereichen des heutigen Bauhandwerks weniger verbreitet als früher. Verarbeitungstechniken, die über Generationen selbstverständlich waren, spielen in der heutigen Ausbildung und Baustellenpraxis teilweise nur noch eine geringe Rolle.
Hinzu kommt, dass zahlreiche industriell hergestellte Produkte als „Kalkputz“ angeboten werden, obwohl neben Kalk weitere Bindemittel und Zusätze enthalten sein können. Dadurch ist der Unterschied zwischen einem traditionellen reinen Kalkputz und einem modernen kalkhaltigen Putz für Bauherren häufig nicht erkennbar.
Dass traditioneller Kalkputz heute seltener eingesetzt wird, bedeutet deshalb nicht, dass seine technischen Eigenschaften überholt sind. Besonders bei Altbauten und historischen Gebäuden kann ein passend ausgewählter Kalkputz weiterhin große Vorteile besitzen.
Kalkputz eignet sich im Innenbereich besonders wegen seines Feuchteverhaltens, seiner mineralischen Oberfläche und seiner vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten.
Reine, poröse Kalkputze können Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben. Dadurch können sie kurzfristige Schwankungen der Raumluftfeuchte abpuffern.
Frischer Kalk besitzt außerdem aufgrund des enthaltenen Calciumhydroxids eine hohe Alkalität, die für viele Mikroorganismen ungünstige Bedingungen schafft. Kalkputz kann deshalb eine sinnvolle Oberfläche in Räumen sein, in denen Feuchtespitzen auftreten.
Ein weiterer Vorteil ist die mineralische Gestaltung. Kalkputze können glatt, gefilzt, strukturiert oder mit geeigneten mineralischen Pigmenten farbig gestaltet werden.
Ob ein Kalkputz frei von Kunststoffen, Zement, Gips oder anderen Zusätzen ist, lässt sich allerdings nicht am Begriff „Kalkputz“ erkennen. Wer im Innenraum gezielt einen möglichst einfachen mineralischen Aufbau möchte, sollte deshalb die vollständige Zusammensetzung des Produktes prüfen.
Besonders bei Altbauten und historischen Gebäuden können reine Kalkputze aufgrund ihrer Eigenschaften sehr gut zu traditionellen mineralischen Wandaufbauten passen.
Kalkputz kann gefilzt werden, wenn er ausreichend angezogen hat, aber noch nicht zu stark erhärtet ist. Der richtige Zeitpunkt lässt sich deshalb besser am Zustand des Putzes als an einer festen Zeitangabe erkennen.
Die Oberfläche sollte nicht mehr nass glänzen und der Putz muss bereits ausreichend stabil sein. Beim Filzen dürfen Sandkörner und Putz nicht großflächig verschoben oder aus der Oberfläche herausgerissen werden.
Wird zu früh gefilzt, kann die Oberfläche verschmiert werden und der Putz kann aufschwimmen. Wird zu spät gefilzt, lässt sich die Oberfläche nur noch schwer bearbeiten.
Der richtige Zeitpunkt hängt unter anderem von Putzart, Schichtdicke, Saugfähigkeit des Untergrundes, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Eine allgemeingültige Angabe wie „nach 30 Minuten“ ist deshalb nicht sinnvoll.
Entscheidend ist der Bearbeitungszustand des Kalkputzes, nicht die Uhr.
Kalkputz kann im Innen- und Außenbereich sowie bei Neubauten, Altbauten und historischen Gebäuden eingesetzt werden, sofern Putz, Untergrund und Beanspruchung aufeinander abgestimmt sind.
Im Innenbereich eignet sich Kalkputz beispielsweise für Wohn- und Schlafräume, Küchen, Bäder außerhalb dauerhaft wasserbelasteter Flächen sowie Keller, wenn die jeweiligen Feuchte- und Untergrundbedingungen berücksichtigt werden.
Im Außenbereich werden Kalkputze seit Jahrhunderten eingesetzt. Hier müssen Zusammensetzung, Festigkeit und Wasseraufnahme jedoch an Mauerwerk, Witterungsbeanspruchung und konstruktiven Wetterschutz angepasst sein.
Besonders geeignet sind mineralische Untergründe wie Ziegel, Naturstein und geeignete mineralische Altputze. Andere Untergründe wie Beton, Gips, Holzwerkstoffe oder bestehende Beschichtungen müssen gesondert beurteilt und gegebenenfalls entsprechend vorbereitet werden.
Kalkputz ist damit kein Baustoff nur für einen bestimmten Raum oder Gebäudetyp. Entscheidend ist, welcher Kalkputz auf welchem Untergrund und für welche Beanspruchung eingesetzt wird.
Kalkputz wird rabottiert, wenn er ausreichend angezogen und formstabil, aber noch nicht vollständig erhärtet ist. Beim Rabottieren werden Unebenheiten abgetragen, die Oberfläche egalisiert und gegebenenfalls eine entstandene Sinterhaut entfernt.
Der Putz darf dabei nicht mehr so weich sein, dass er durch das Werkzeug verschoben oder aufgerissen wird. Gleichzeitig darf er noch nicht so stark erhärtet sein, dass sich die Oberfläche nur mit großem Kraftaufwand bearbeiten lässt.
Der richtige Zeitpunkt hängt von Kalkart, Putzrezeptur, Schichtdicke, Untergrund, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Eine feste Zeitangabe nach dem Auftrag ist deshalb nur bedingt sinnvoll.
Entscheidend ist auch hier der Bearbeitungszustand des Putzes: Er muss fest genug zum Abtragen und gleichzeitig noch weich genug zum Rabottieren sein. Meist ist dies nach 12 bis 24 h der Fall.
Wann Kalkputz gestrichen werden kann, hängt vom verwendeten Kalkputz, seinem Erhärtungs- und Trocknungszustand sowie vom vorgesehenen Anstrichsystem ab. Eine für alle Kalkputze und Farben gültige Wartezeit gibt es nicht.
Eine traditionelle Kalkfarbe kann bei geeigneter Technik bereits auf frischem beziehungsweise noch feuchtem Kalkputz verarbeitet werden. Beim Fresko werden Pigmente beziehungsweise kalkgebundene Anstriche bewusst in den noch frischen Putz eingebracht. Kalkfarben können aber auch auf bereits erhärteten geeigneten Kalkputzen verwendet werden.
Bei Silikatfarben müssen die Vorgaben des jeweiligen Farbsystems und Herstellers beachtet werden. Der Untergrund muss für die Verkieselung geeignet, ausreichend fest und entsprechend vorbereitet sein. Eine pauschale Wartezeit von beispielsweise sechs Wochen gilt nicht für jedes System.
Auch andere Anstrichstoffe können technisch auf Kalkputz eingesetzt werden, sofern Untergrund und Beschichtung miteinander verträglich sind. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass stärker kunststoffgebundene oder weniger wasserdampfdurchlässige Beschichtungen die Eigenschaften der mineralischen Oberfläche verändern können.
Vor jedem Anstrich muss außerdem geprüft werden, ob der Kalkputz tragfähig und ausreichend trocken beziehungsweise für das vorgesehene Anstrichsystem ausreichend erhärtet ist und ob eine störende Sinterhaut vorhanden ist.
Wer die mineralischen Eigenschaften eines reinen Kalkputzes möglichst weitgehend erhalten möchte, ist mit einem abgestimmten mineralischen Anstrichsystem in der Regel gut beraten.
Kalkputz besitzt von Natur aus meist einen hellen Farbton, der von Weiß über Creme und Beige bis Hellgrau reichen kann. Der genaue Farbton hängt von der verwendeten Kalkart und insbesondere von den mineralischen Zuschlägen ab.
Sand, Marmormehl und andere Zuschläge beeinflussen Farbe und Erscheinungsbild des fertigen Putzes. Auch Feuchtigkeit und Oberflächenbearbeitung verändern die optische Wirkung.
Kalkputz kann außerdem mit geeigneten kalkechten beziehungsweise alkalibeständigen Pigmenten eingefärbt werden. Dadurch lassen sich zahlreiche natürliche Farbtöne direkt im Putz erzeugen.
Ein unbehandelter Kalkputz muss deshalb nicht zwingend reinweiß sein. Gerade die natürlichen Unterschiede der mineralischen Bestandteile können zu einer lebendigen Oberfläche beitragen.
Auch auf Kalkputz kann Schimmel wachsen, wenn an der Oberfläche über längere Zeit ausreichend Feuchtigkeit und geeignete Nährstoffe vorhanden sind. Kalkputz bietet deshalb keinen absoluten Schutz vor Schimmel.
Frischer Kalk besitzt aufgrund seiner hohen Alkalität zunächst ungünstige Bedingungen für viele Mikroorganismen. Während der Karbonatisierung verändert sich die chemische Zusammensetzung der Oberfläche jedoch, und die hohe Alkalität nimmt ab.
Entscheidend für Schimmelwachstum ist vor allem die Feuchte an der Oberfläche. Ursachen können beispielsweise Wärmebrücken, niedrige Oberflächentemperaturen, eindringende Feuchtigkeit, Leckagen, Neubaufeuchte oder eine dauerhaft hohe Raumluftfeuchtigkeit sein.
Auch die Oberfläche selbst spielt eine Rolle. Staub, Schmutz und andere organische Ablagerungen können Schimmelpilzen Nährstoffe bieten, selbst wenn der darunterliegende Putz rein mineralisch ist.
Beschichtungen können das Feuchteverhalten eines Kalkputzes ebenfalls verändern. Wie stark, hängt von Art, Schichtdicke und Wasserdampfdurchlässigkeit des gesamten Beschichtungsaufbaus ab.
Tritt Schimmel auf Kalkputz auf, sollte deshalb nicht nur die Oberfläche behandelt, sondern vor allem die Ursache der erhöhten Feuchtigkeit untersucht werden.
Wann Kalkputz trocken ist, hängt von Schichtdicke, Putzart, Untergrund, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung ab. Eine allgemeingültige Trocknungszeit gibt es deshalb nicht.
Als grobe Orientierung wird im Bauhandwerk teilweise mit etwa einem Tag Trocknungszeit je Millimeter Putzdicke gerechnet. Diese Faustregel kann bei der Terminplanung hilfreich sein, ersetzt aber keine Beurteilung der tatsächlichen Bedingungen auf der Baustelle.
Ein dünner Oberputz kann unter günstigen Bedingungen wesentlich schneller oberflächlich trocken erscheinen als ein mehrlagiger Grundputz oder ein mehrere Zentimeter dicker Kalkdämmputz. Bei niedrigen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit oder geringer Luftbewegung kann sich die Trocknung deutlich verlängern.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Trocknung und Erhärtung. Ein Kalkputz kann trocken erscheinen, obwohl die Karbonatisierung noch lange nicht abgeschlossen ist. Bei natürlich hydraulischem Kalk laufen zusätzlich hydraulische Erhärtungsreaktionen ab.
Ob anschließend gestrichen oder eine weitere Putzlage aufgebracht werden kann, sollte deshalb nicht ausschließlich anhand einer rechnerischen Trocknungszeit entschieden werden. Maßgeblich sind Putzsystem, tatsächlicher Zustand und die Anforderungen der nachfolgenden Beschichtung beziehungsweise Putzlage.

