Kalkputz kann Feuchtigkeit aus einem feuchten mineralischen Untergrund kapillar aufnehmen und innerhalb seines Porengefüges weitertransportieren. Vereinfacht wird deshalb häufig gesagt, Kalkputz könne Feuchtigkeit „aus der Wand ziehen“.
Physikalisch handelt es sich um kapillaren Feuchtetransport. Steht der Kalkputz in gutem Kontakt mit einem feuchten, ebenfalls kapillar leitfähigen Mauerwerk, kann flüssiges Wasser in den Putz gelangen und sich dort bis zur Oberfläche verteilen. Dort kann die Feuchtigkeit an die Raumluft abgegeben werden.
Damit das Mauerwerk tatsächlich austrocknen kann, müssen jedoch auch die raumklimatischen Bedingungen stimmen. Besonders wichtig sind relative Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Luftbewegung. Für die praktische Austrocknung sollte die relative Luftfeuchtigkeit möglichst unter etwa 60 % liegen. Je trockener die Raumluft im Verhältnis zur feuchten Bauteiloberfläche ist, desto günstiger sind die Bedingungen für die Feuchteabgabe und damit für die weitere Austrocknung des Mauerwerks.
Ist die Raumluft dauerhaft sehr feucht, kann auch ein kapillar aktiver Kalkputz die aufgenommene Feuchtigkeit nur eingeschränkt an den Raum abgeben. Kapillarität allein trocknet deshalb keine Wand. Feuchtigkeit muss nicht nur aus dem Mauerwerk bis an die Oberfläche gelangen, sondern dort auch verdunsten und anschließend durch Lüftung oder Entfeuchtung aus dem Raum abgeführt werden.
Kalkputz beseitigt außerdem nicht die Ursache einer feuchten Wand. Bei aufsteigender Feuchtigkeit, seitlich eindringendem Wasser, Schlagregen oder undichten Leitungen muss die Ursache untersucht und gegebenenfalls beseitigt werden.
Kalkputz kann die Austrocknung eines feuchten Mauerwerks unterstützen, vorausgesetzt, der Putz ist kapillar aktiv und das Raumklima ermöglicht die Abgabe der Feuchtigkeit.
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