Kalkputz ist in der Regel diffusionsoffen. Das bedeutet, dass Wasserdampf durch den Putz hindurchtransportiert werden kann. Wie diffusionsoffen ein Kalkputz tatsächlich ist, hängt jedoch von seiner Zusammensetzung, Rohdichte und Porenstruktur ab.

Beschrieben wird der Widerstand gegen Wasserdampfdiffusion häufig durch die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl μ (My). Je niedriger dieser Wert ist, desto geringer ist der Widerstand, den ein Baustoff der Wasserdampfdiffusion entgegensetzt. Für die Beurteilung eines gesamten Bauteils spielt zusätzlich die Dicke der jeweiligen Materialschicht eine Rolle.

Bei Kalkputz ist allerdings wichtig, Diffusionsoffenheit nicht mit Feuchteregulierung gleichzusetzen. Für das Feuchteverhalten sind neben der Wasserdampfdiffusion auch Sorption und kapillarer Feuchtetransport von Bedeutung. Ein geeigneter Kalkputz kann Feuchtigkeit an seiner Oberfläche aufnehmen, im Porengefüge verteilen und bei entsprechenden Umgebungsbedingungen wieder abgeben.

Auch die nachfolgende Beschichtung beeinflusst das Verhalten. Ein diffusionsoffener Kalkputz kann durch ungeeignete oder sehr dichte Beschichtungen in seinen Eigenschaften eingeschränkt werden.

Die Diffusionsoffenheit ist deshalb nur eine von mehreren Eigenschaften, die das Feuchteverhalten eines Kalkputzes bestimmen. Gerade bei Kalkputz sind Sorptionsfähigkeit und kapillarer Feuchtetransport mindestens ebenso wichtig.