Kalkputz wird heute seltener eingesetzt, weil er in der Verarbeitung mehr Fachwissen und Zeit erfordert. Er trocknet langsamer, braucht bestimmte klimatische Bedingungen und erfordert Erfahrung, um Oberflächen wie Filzen oder Freskoanstriche fachgerecht auszuführen.

Die Bauindustrie setzt stattdessen meist auf gips- und Zementhaltige Putze, die sich schneller und einfacher verarbeiten lassen und weniger Wartezeiten mit sich bringen. Dazu kommt, dass viele Handwerker nicht mehr ausreichend im Umgang mit Kalk geschult sind und deshalb auf „moderne“ Systeme zurückgreifen.

Ein weiterer Grund ist die Kosten- und Termindruck-Mentalität im heutigen Bauwesen: Kalkputz braucht Zeit zum Abbinden und Trocknen, etwas, das auf vielen Baustellen nicht eingeplant wird.

Dabei bietet Kalkputz große Vorteile: Er ist diffusionsoffen, feuchteregulierend, schimmelhemmend und wohngesund. Dass er heute kaum noch verwendet wird, liegt also weniger an seinen Eigenschaften, sondern an den Anforderungen des schnellen Bauens und fehlendem Wissen.