Traditionelle reine Kalkputze werden heute seltener eingesetzt als industriell optimierte Gips-, Kalkzement- oder andere moderne Putzsysteme. Ein wesentlicher Grund liegt in den veränderten Anforderungen des heutigen Bauablaufs.
Traditionelle Kalkputze benötigen eine fachgerechte Untergrundvorbereitung, geeignete klimatische Bedingungen und ausreichend Zeit für Erhärtung und Trocknung. Insbesondere zementfreie Kalkputze dürfen nicht zu schnell austrocknen und benötigen für ihre Erhärtung durch Karbonatisierung entsprechende Bedingungen.
Moderne Baustellen sind dagegen häufig auf kurze Bauzeiten, hohe Flächenleistungen und möglichst genau planbare Arbeitsabläufe ausgerichtet. Industriell modifizierte Putzsysteme lassen sich an diese Anforderungen häufig leichter anpassen.
Gleichzeitig ist das praktische Wissen über traditionelle Kalktechniken in vielen Bereichen des heutigen Bauhandwerks weniger verbreitet als früher. Verarbeitungstechniken, die über Generationen selbstverständlich waren, spielen in der heutigen Ausbildung und Baustellenpraxis teilweise nur noch eine geringe Rolle.
Hinzu kommt, dass zahlreiche industriell hergestellte Produkte als „Kalkputz“ angeboten werden, obwohl neben Kalk weitere Bindemittel und Zusätze enthalten sein können. Dadurch ist der Unterschied zwischen einem traditionellen reinen Kalkputz und einem modernen kalkhaltigen Putz für Bauherren häufig nicht erkennbar.
Dass traditioneller Kalkputz heute seltener eingesetzt wird, bedeutet deshalb nicht, dass seine technischen Eigenschaften überholt sind. Besonders bei Altbauten und historischen Gebäuden kann ein passend ausgewählter Kalkputz weiterhin große Vorteile besitzen.
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