Kalkfarbe und Silikatfarbe sind mineralische Anstriche, unterscheiden sich aber vor allem durch ihr Bindemittel und die Art ihrer Erhärtung. Bei reiner Kalkfarbe ist Kalk das Bindemittel, bei Silikatfarbe ist es Wasserglas.

Kalkfarbe wird traditionell aus gelöschtem Kalk, beispielsweise Sumpfkalk, und Wasser hergestellt. Für farbige Anstriche können kalkechte Pigmente zugesetzt werden. Die Erhärtung erfolgt durch Karbonatisierung: Calciumhydroxid reagiert mit Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft zu Calciumcarbonat. Auf frischem Kalkputz kann Kalkfarbe auch freskal verarbeitet werden, sodass Putz und Anstrich gemeinsam karbonatisieren.

Reinsilikatfarbe verwendet in der Regel Kaliwasserglas als Bindemittel. Sie erhärtet durch Verkieselung, wobei das Wasserglas mit geeigneten mineralischen Bestandteilen des Untergrundes und der Farbe reagiert. Dadurch entsteht eine feste Verbindung mit dem mineralischen Untergrund.

Daneben gibt es Dispersionssilikatfarben. Sie enthalten zusätzlich organische Bestandteile beziehungsweise Dispersionsbindemittel und sind deshalb nicht mit einer reinen Silikatfarbe gleichzusetzen.

Beide Farbsysteme können diffusionsoffen sein und eignen sich grundsätzlich für mineralische Untergründe. Kalkfarbe passt besonders gut zu reinem Kalkputz, während Reinsilikatfarbe eine sehr widerstandsfähige mineralische Beschichtung ermöglichen kann.

Wer einen möglichst ursprünglichen und vollständig mineralischen Aufbau auf einem Kalkputz erhalten möchte, kann daher Kalkfarbe oder eine geeignete Reinsilikatfarbe verwenden. Entscheidend sind immer Untergrund, gewünschte Oberfläche, Beanspruchung und die tatsächliche Zusammensetzung der Farbe.