Als Latexfarbe werden heute meist besonders strapazierfähige und abwaschbare Dispersionsfarben bezeichnet. Anders als der Name vermuten lässt, enthalten moderne Latexfarben in der Regel keinen natürlichen Latex aus Kautschuk, sondern synthetische Kunststoffdispersionen als Bindemittel.

Historisch wurden tatsächlich Anstrichstoffe mit natürlichem Latex beziehungsweise Kautschuk verwendet. Die Bezeichnung „Latexfarbe“ hat sich jedoch für besonders widerstandsfähige Dispersionsanstriche erhalten.

Latexfarben bilden vergleichsweise geschlossene und belastbare Oberflächen und werden deshalb häufig in Treppenhäusern, Fluren, Küchen oder anderen stark beanspruchten Bereichen eingesetzt.

Soll eine Latexfarbe auf einem Kalkputz eingesetzt werden, sollte auf die bauphysikalischen Eigenschaften des gesamten Anstrichsystems geachtet werden. Je nach Produkt können Kunststoffdispersionen die Wasserdampfdurchlässigkeit, Wasseraufnahme und das Feuchteverhalten der Oberfläche gegenüber einem rein mineralischen Anstrich deutlich verändern.

Bei reinen Kalkputzen kann eine sehr dichte Beschichtung zusätzlich die Karbonatisierung beeinträchtigen. Luftkalk und natürlich hydraulischer Kalk (NHL) benötigt für seine Erhärtung Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft und ausreichend Feuchtigkeit. Wird ein noch nicht ausreichend karbonatisierter Kalkputz frühzeitig mit einer sehr dichten Beschichtung versehen, kann der Zutritt von CO₂ zur Putzschicht stark vermindert werden. Dadurch kann die weitere Karbonatisierung behindert beziehungsweise deutlich verlangsamt werden.

Besonders problematisch kann eine dichte Beschichtung außerdem sein, wenn Feuchtigkeit in den Wandaufbau gelangt, aber über die Oberfläche nur eingeschränkt wieder abgegeben werden kann. Je nach Untergrund, Feuchtebelastung und Beschichtungsaufbau können dadurch langfristig Haftungsprobleme oder Putz- und Anstrichschäden begünstigt werden.

Auf reinen Kalkputzen bevorzuge ich deshalb mineralische, auf den Kalkputz abgestimmte Anstrichsysteme, die dessen Feuchteverhalten und weitere Karbonatisierung möglichst wenig beeinträchtigen.