Aktualisierung September 2026:

Otterbein hat mich zwischenzeitlich zu diesem Beitrag kontaktiert. Dabei hat sich herausgestellt, dass eine meiner damaligen Aussagen zum hydraulischen Kalk fachlich nicht korrekt war.

Ich hatte aus der Bezeichnung „Kalk hydraulisch“ und der zugehörigen CAS-Nr. 85117-09-5 geschlossen, dass es sich um einen zementhaltigen hydraulischen Kalk (HL) handelt. Diese Schlussfolgerung ist so nicht zulässig. Aus der CAS-Nummer allein lässt sich kein Zementanteil dieses Bestandteils ableiten. Diese Aussage korrigiere ich im nachfolgenden Beitrag entsprechend.

An der Kernaussage dieses Beitrags zum CALCEA® Kalk-Dämmputz ändert diese Korrektur jedoch nichts: Otterbein hat mir im September 2026 ausdrücklich bestätigt, dass der CALCEA® Kalk-Dämmputz einen Anteil Weißzement als hydraulisches Bindemittel enthält.

Otterbein hat ebenfalls bestätigt, dass sich die in diesem Beitrag zitierte allgemeine Formulierung zur Zementfreiheit damals auf der Website befand. Diese Formulierung wurde inzwischen geändert.

Nach Angaben von Otterbein stammte die damalige allgemeine Formulierung aus einer Zeit vor der Entwicklung des CALCEA® Kalk-Dämmputzes und wurde nach dessen Entwicklung versehentlich nicht angepasst. Diese Entstehungsgeschichte kann ich selbst nicht überprüfen und gebe sie daher als Stellungnahme des Herstellers wieder.

Zement im Kalkputz kann Eigenschaften eines reinen Kalkputzes verändern. Das ist nichts Neues. Neu ist, und das freut mich sehr, dass Verbraucher auf solche „Kleinigkeiten“ immer mehr achten.

Aus diesem Grund liefere ich heute ein paar Informationen dazu, wie geprüft werden kann, ob als zementfrei beworbene Kalkprodukte tatsächlich keinen Zement enthalten.

Bevor wir in die Tiefe gehen, möchte ich aber erst noch eine kleine Geschichte erzählen, die gut zum Thema passt:

Mein Vater war in seinem ersten Leben Metzger. Daher nehme ich immer wieder mal Beispiele aus der Fleischtheke, um komplizierte Sachverhalte etwas besser verständlich zu machen.

Stell dir vor, du liebst Fleischwurst, verträgst sie aber nur, wenn kein Wasser enthalten ist. Schon eine geringe Menge Wasser in der Wurst löst bei dir Übelkeit aus.

Wenn dein Metzger jetzt behauptet: „In meine Fleischwurst kommt kein Wasser! Ich verwende nur Eiswürfel bei der Herstellung!“

Würdest du die Fleischwurst dann kaufen und essen?

Beim Zement im Kalkputz kann es ähnlich schwierig werden. In Sicherheitsdatenblättern finden sich unterschiedliche Stoffbezeichnungen und CAS-Nummern, deren Bedeutung für Verbraucher kaum nachvollziehbar ist. Deshalb schauen wir uns Zement und vor allem die Herstellung einmal etwas genauer an. Denn nur wenn die unterschiedlichen Begriffe bekannt sind, lässt sich besser beurteilen, was tatsächlich in einem Kalkputz enthalten ist.

Zementherstellung

Zement wird unter anderem aus kalk- und tonhaltigen Rohstoffen hergestellt. Diese werden aufbereitet, gemischt und gemahlen.

Die aufbereitete Rohstoffmischung wird anschließend bei Temperaturen von etwa 1.450 °C gebrannt. Dadurch entsteht Portlandzementklinker.

Dieser Klinker wird anschließend zusammen mit weiteren Bestandteilen, beispielsweise einem Calciumsulfatträger und – abhängig von der Zementart – weiteren Hauptbestandteilen, gemahlen. So entsteht der fertige Zement.

Portlandzementklinker ist damit der wesentliche gebrannte Ausgangsbestandteil von Portlandzement.

Für Verbraucher, die einen Kalkputz gerade deshalb auswählen, weil sie keinen Zement bzw. Portlandzementklinker im Produkt haben möchten, ist diese Information entscheidend.

Verbrauchertäuschung?

Daher halte ich es für höchst fragwürdig, Kalkputze pauschal als zementfrei zu bewerben, wenn einem Produkt dieser Produktlinie tatsächlich Portlandzementklinker bzw. Zement zugesetzt wird.

Das ist für mich wie mit den Eiswürfeln in der Fleischwurst. Der Verbraucher erhält meines Erachtens nicht das, was er aufgrund einer solchen Werbeaussage erwarten darf.

Als Beispiel möchte ich den CALCEA® „Kalk-Dämmputz innen“ von Otterbein vorstellen.

Zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung dieses Beitrags war auf der Website von Otterbein unter der Überschrift „Was macht CALCEA® und CAREMA® so besonders?“ folgender Satz zu lesen:

„Die CALCEA®– und CAREMA®-Produkte sind frei von Zement sowie frei von synthetischen und organischen Bindemitteln.“

Diese damalige Fassung der Website liegt mir archiviert vor. Otterbein hat inzwischen ebenfalls bestätigt, dass sich diese allgemeine Formulierung zur Zementfreiheit auf der Website befand.

Die Aussage wurde zwischenzeitlich geändert.

Eine solche Aussage hört sich für Kalkliebhaber natürlich gut an und kann meines Erachtens auch die Kaufentscheidung beeinflussen. Interessant wird es allerdings beim Blick in das damalige Sicherheitsdatenblatt.

Inhaltsstoffe CALCEA® Kalk-Dämmputz innen

Im Sicherheitsdatenblatt „CALCEA® Kalk-Dämmputz innen“ vom 16.12.2019, Version 3.1.1, wurde unter Punkt 3.2 die Zusammensetzung folgendermaßen beschrieben:

„Gemisch aus Natürlich Hydraulischem Kalk, Zement, mineralischem Leichtzuschlag und Zusätzen.“

In der Tabelle zu den einzelnen Inhaltsstoffen wurde Folgendes aufgeführt:

  • Kalk hydraulisch: 20–30 %
  • Portlandzementklinker: 10–20 %
  • Calciumdihydroxid: 2–7 %
  • Mineralischer Leichtzuschlag: 35–45 %
  • Metakaolin: 5–10 %

Zementfrei geht für mich anders!

Inzwischen ist die entscheidende Frage übrigens eindeutig geklärt. Otterbein hat mir im September 2026 schriftlich mitgeteilt:

Der CALCEA® Kalk-Dämmputz enthält einen Anteil Weißzement als hydraulisches Bindemittel.

Schauen wir uns die einzelnen Bestandteile trotzdem etwas genauer an.

Kalk hydraulisch:

An dieser Stelle enthielt die ursprüngliche Fassung meines Beitrags einen fachlichen Fehler. Ich hatte den im Sicherheitsdatenblatt aufgeführten hydraulischen Kalk als HL nach DIN EN 459-1 eingeordnet und daraus geschlossen, dass dieser Bestandteil Zement enthält. Diese Schlussfolgerung war nicht korrekt.

Aus der Bezeichnung „Kalk (chemisch), hydraulisch“ bzw. der CAS-Nr. 85117-09-5 lässt sich allein nicht ableiten, dass dieser Bestandteil Zement enthält. Die CAS-Nummer dient der Stoffidentifikation und erlaubt für sich allein keine entsprechende Schlussfolgerung über einen Zementanteil. Diesen Punkt korrigiere ich ausdrücklich.

Portlandzementklinker:

Portlandzementklinker entsteht beim Brennen der entsprechend aufbereiteten Rohstoffmischung und ist der wesentliche Ausgangsbestandteil für die Herstellung von Portlandzement. Unabhängig von meiner damaligen falschen Einordnung des hydraulischen Kalks war Portlandzementklinker im Sicherheitsdatenblatt des CALCEA® Kalk-Dämmputzes separat mit 10–20 % angegeben.

Calciumdihydroxid:

Das ist jetzt tatsächlich Kalk, Calciumhydroxid bzw. Kalkhydrat.

Mineralischer Leichtzuschlag:

Beim CALCEA® Kalk-Dämmputz wird ein mineralischer Leichtzuschlag zur Verbesserung der Wärmedämmeigenschaften eingesetzt.

Metakaolin:

Dabei handelt es sich um ein künstlich hergestelltes Puzzolan, das in Gegenwart von Calciumhydroxid und Wasser puzzolanisch reagiert. Ein bekanntes natürliches Puzzolan ist beispielsweise Trass.

Wie hoch ist der Kalkanteil tatsächlich?

Auch an dieser Stelle muss ich meine ursprüngliche Berechnung korrigieren. Ich hatte damals geschrieben, der Kalk-Dämmputz enthalte lediglich 2–7 % „reinen Kalk“. Dabei hatte ich den Anteil „Kalk hydraulisch“ nicht als Kalk berücksichtigt, weil ich diesen fälschlicherweise pauschal als zementhaltigen HL eingeordnet hatte.

Diese Berechnung war deshalb nicht korrekt. Aus den Angaben des Sicherheitsdatenblattes lässt sich auf diese Weise kein Anteil von lediglich 2–7 % Kalk ableiten. Das ändert jedoch nichts daran, dass im damaligen Sicherheitsdatenblatt zusätzlich Portlandzementklinker mit 10–20 % aufgeführt wurde und Otterbein inzwischen ausdrücklich bestätigt hat, dass dem CALCEA® Kalk-Dämmputz Weißzement als hydraulisches Bindemittel zugesetzt wird. Zudem enthält der Dämmputz weitere Zusätze. Welche Stoffe sich dahinter im Einzelnen verbergen, lässt sich anhand der mir vorliegenden Angaben nicht abschließend beurteilen.

Fazit

Mein Fazit lautet auch nach der Korrektur:

Wer ganze Produktlinien pauschal mit bestimmten Eigenschaften bewirbt, sollte vorher genau prüfen, ob diese Werbeaussagen tatsächlich auf alle Produkte der jeweiligen Linie zutreffen. Beim CALCEA® Kalk-Dämmputz ist die entscheidende Frage inzwischen eindeutig beantwortet:

Das Produkt enthält Zement.

Otterbein selbst hat mir im September 2026 ausdrücklich bestätigt, dass dem CALCEA® Kalk-Dämmputz ein Anteil Weißzement als hydraulisches Bindemittel zugesetzt wird. Damit steht ebenfalls fest, dass jedenfalls nicht alle CALCEA®-Produkte zementfrei sein können, wenn der CALCEA® Kalk-Dämmputz Bestandteil dieser Produktlinie ist.

Meine ursprüngliche weitergehende Aussage, alle CALCEA®-Produkte enthielten aufgrund des darin verwendeten hydraulischen Kalks automatisch auch Zement, war dagegen fachlich nicht korrekt. Diese Aussage nehme ich ausdrücklich zurück. Ob andere CALCEA®- oder CAREMA®-Produkte Zement enthalten oder tatsächlich vollständig zementfrei sind, kann und möchte ich ohne Kenntnis der jeweiligen vollständigen Rezepturen nicht beurteilen.

Otterbein hat mir hierzu mitgeteilt, dass die übrigen entsprechend gekennzeichneten Kalkputze der CALCEA®- und CAREMA®-Produktlinien zementfrei seien. Da mir die vollständigen Rezepturen dieser Produkte nicht vorliegen, gebe ich dies ausdrücklich als Aussage des Herstellers wieder und nicht als eigene Feststellung. Ebenso hat Otterbein erklärt, dass die frühere allgemeine Formulierung zur Zementfreiheit aus einer Zeit vor der Entwicklung des CALCEA® Kalk-Dämmputzes gestammt habe und nach dessen Entwicklung versehentlich nicht angepasst worden sei. Auch diese Erklärung gebe ich als Stellungnahme von Otterbein wieder.

Für mich bleibt der entscheidende Punkt die Transparenz:

Verbraucher sollten anhand der Produktinformationen möglichst eindeutig erkennen können, welche Bindemittel in einem Kalkputz eingesetzt werden. Gerade wenn mit Begriffen wie „zementfrei“ geworben wird, sollte diese Aussage eindeutig und für die entsprechend beworbenen Produkte zutreffend sein.

Wo ich selbst in meinem ursprünglichen Beitrag fachlich falsch lag, habe ich dies mit dieser Aktualisierung korrigiert. Wo meine damalige Kritik dagegen zutraf, bleibt sie bestehen: Die allgemeine Aussage zur Zementfreiheit befand sich nachweislich auf der damaligen Website, und der CALCEA® Kalk-Dämmputz enthält nach heutiger ausdrücklicher Bestätigung von Otterbein Weißzement.

Soviel zum Thema „Zementfreier Kalk-Dämmputz oder Verbrauchertäuschung?“

Letztendlich muss jeder Verbraucher selbst entscheiden, wie er solche Produkt- und Werbeaussagen bewertet.

 

 

 

 

Über eine Rückmeldung zu diesem Beitrag freue ich mich. Schreiben Sie mir, wie Sie über versteckte Zusätze im Kalkputz denken und ob meine Beiträge zu kritisch an solche Themen herangehen.