Luftkalk, natürlich hydraulischer Kalk (NHL) und hydraulischer Kalk (HL) sind Kalkbindemittel, unterscheiden sich jedoch in ihrer Zusammensetzung und ihrer Erhärtung.

Luftkalk ist ein nicht hydraulisches Kalkbindemittel. Er erhärtet hauptsächlich durch Karbonatisierung: Calciumhydroxid reagiert mit Kohlendioxid (CO₂) aus der Luft zu Calciumcarbonat. Nach EN 459-1 gehören dazu Calciumkalk (CL) und Dolomitkalk (DL).

Natürlich hydraulischer Kalk (NHL) wird aus kalkreichem Ausgangsgestein hergestellt, das von Natur aus Bestandteile enthält, aus denen beim Brennen hydraulisch reagierende Verbindungen entstehen. Deshalb erhärtet NHL sowohl durch hydraulische Reaktionen mit Wasser als auch durch Karbonatisierung des freien Kalkes.

Die Bezeichnungen NHL 2, NHL 3,5 und NHL 5 kennzeichnen Festigkeitsklassen. Die Zahlen beziehen sich auf die Mindestdruckfestigkeit nach 28 Tagen; die Norm legt zugleich einen Festigkeitsbereich fest.

Hydraulischer Kalk (HL) kann dagegen aus Kalk und weiteren Bestandteilen hergestellt werden. Nach EN 459-1 können dazu beispielsweise Zement, Hüttensand, Flugasche, Kalksteinfüller oder andere geeignete Materialien gehören. Auch HL erhärtet hydraulisch; Kohlendioxid aus der Luft trägt zusätzlich zur Erhärtung bei.

Der entscheidende Unterschied ist deshalb:

Luftkalk erhärtet hauptsächlich durch Karbonatisierung. NHL besitzt hydraulische Eigenschaften, die aus dem natürlichen Ausgangsgestein und dem Brennprozess entstehen. HL kann seine hydraulischen Eigenschaften auch durch weitere zugesetzte Bestandteile erhalten.

NHL und HL sind daher nicht dasselbe. Wer einen zementfreien Kalkputz herstellen oder verwenden möchte, sollte insbesondere bei HL die tatsächliche Zusammensetzung des Bindemittels beziehungsweise des fertigen Produktes prüfen.