Kalkputz darf nicht zu schnell austrocknen, weil ausreichend Feuchtigkeit für seine Erhärtung erforderlich ist. Wird dem frischen Putz zu schnell Wasser entzogen, können Festigkeit, Haftung und Gefügeentwicklung beeinträchtigt werden.

Bei Luftkalkputz erfolgt die Erhärtung hauptsächlich durch Karbonatisierung. Dabei reagiert Calciumhydroxid mit Kohlendioxid (CO₂) zu Calciumcarbonat. Für diese Reaktion ist neben Kohlendioxid auch Feuchtigkeit erforderlich. Trocknet der Putz zu schnell aus, wird die Karbonatisierung stark verlangsamt.

Natürlich hydraulischer Kalk (NHL) erhärtet ebenfalls durch Karbonatisierung des freien Kalkanteils. Zusätzlich laufen hydraulische Erhärtungsreaktionen ab. Für beide Vorgänge ist Wasser beziehungsweise eine ausreichende Feuchtigkeit erforderlich. Zu schnelles Austrocknen kann deshalb auch bei NHL die Erhärtung beeinträchtigen.

Darüber hinaus kann ein schneller Wasserverlust zu Schwindrissen, Absanden und einer verminderten Festigkeit des Kalkputzes führen. Ursachen können stark saugende Untergründe, hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung, Wind oder eine zu geringe Luftfeuchtigkeit sein.

Frischer Kalkputz sollte deshalb vor zu schneller Austrocknung geschützt werden. Je nach Baustellenbedingungen kann es notwendig sein, den Untergrund vorzunässen, Fassaden zu beschatten und den Putz während der ersten Zeit vorsichtig nachzufeuchten.

Kalkputz muss trocknen aber kontrolliert und nicht zu schnell. Besonders die Bedingungen während der ersten Tage haben einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität des fertigen Putzes.