Trocknung und Erhärtung sind bei Kalkputz zwei unterschiedliche Vorgänge. Beim Trocknen gibt der Putz überschüssiges Wasser an seine Umgebung ab. Bei der Erhärtung laufen chemische Reaktionen ab, durch die der Kalkputz seine Festigkeit entwickelt.
Für die Trocknung kann als grobe Faustregel mit etwa 24 Stunden pro Millimeter Putzdicke gerechnet werden. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Untergrund, Luftbewegung und Putzart können diese Zeit jedoch deutlich beeinflussen.
Bei einem Luftkalkputz erfolgt die Erhärtung hauptsächlich durch Karbonatisierung. Calciumhydroxid reagiert dabei mit Kohlendioxid (CO₂) zu Calciumcarbonat. Dieser Vorgang dauert wesentlich länger als die reine Trocknung. Als sehr grobe Orientierung wird häufig von einer Karbonatisierungstiefe von etwa 1 mm pro Monat ausgegangen. Die tatsächliche Geschwindigkeit hängt jedoch stark von den jeweiligen Bedingungen ab.
Bei natürlich hydraulischem Kalk (NHL) laufen zusätzlich hydraulische Erhärtungsreaktionen ab. Gleichzeitig karbonatisiert der vorhandene freie Kalkanteil.
Für das Aufbringen der nächsten Putzlage muss die vorherige Lage jedoch nicht vollständig erhärtet oder karbonatisiert sein. Entscheidend ist der jeweilige Putzaufbau. Manche Kalkoberputze werden bereits nach kurzer Wartezeit nass in nass aufgebracht. Bei Kalkgrundputzen und größeren Schichtdicken wird dagegen meist eine entsprechende Trocknungszeit zwischen den einzelnen Lagen eingehalten.
Auch das Einziehen beziehungsweise Glätten einer Kalkputzoberfläche erfolgt lange vor der vollständigen Erhärtung. Maßgeblich ist dabei der richtige Bearbeitungszeitpunkt und nicht die abgeschlossene Karbonatisierung.
Trocknung bedeutet Wasserabgabe. Erhärtung bedeutet Festigkeitsentwicklung. Ein Kalkputz kann daher bereits für den nächsten Arbeitsgang geeignet sein, obwohl seine Erhärtung und Karbonatisierung noch lange nicht abgeschlossen sind.
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