Alter Kalkputz sollte möglichst erhalten werden, wenn er noch ausreichend tragfähig ist oder sich fachgerecht sichern und festigen lässt. Gerade bei historischen Gebäuden ist alter Putz Teil der ursprünglichen Bausubstanz und muss nicht allein wegen Rissen, Fehlstellen, Hohlstellen oder einer sandenden Oberfläche vollständig entfernt werden.
Zunächst wird geprüft, wie fest der Putz noch mit dem Untergrund verbunden und wie stabil sein Gefüge ist. Tragfähige Flächen können bestehen bleiben, Fehlstellen lassen sich mit einem zum Bestand passenden Kalkmörtel ergänzen.
Auch hohlliegender Kalkputz muss nicht zwangsläufig abgeschlagen werden. Ist die Putzschale noch ausreichend stabil, kann sie beispielsweise durch Hinterspritzen beziehungsweise Hinterfüllen mit einem geeigneten mineralischen Mörtel wieder mit dem Untergrund verbunden werden.
Ein weiteres häufiges Problem ist sandender oder mürber Kalkputz. Ist der Putz grundsätzlich noch erhaltenswert, kann eine begrenzte Entfestigung beispielsweise durch wiederholtes Auftragen von Kalksinterwasser behandelt werden. Reicht dessen Festigungswirkung nicht aus, kann bei geeigneten mineralischen Untergründen auch Lithiumwasserglas zur Festigung eingesetzt werden.
Lithiumwasserglas dringt in den porösen mineralischen Untergrund ein und kann durch Reaktionen mit mineralischen Bestandteilen das Gefüge festigen. Gegenüber anderen Wassergläsern besitzt es für solche Anwendungen Vorteile und wird deshalb auch zur Festigung mineralischer Oberflächen eingesetzt.
Entscheidend ist jedoch, dass nicht nur eine harte Oberflächenschicht entsteht. Soll auf dem alten Kalkputz anschließend weiterverputzt werden, muss der vorhandene Putz insgesamt ausreichend tragfähig sein und die Festigung mit dem vorgesehenen Putzaufbau verträglich bleiben. Bei stark entfestigtem Putz sind auch der Festigung mit Kalksinterwasser oder Lithiumwasserglas Grenzen gesetzt.
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