Alten Kalkputz kann man anhand verschiedener Merkmale vermuten, eindeutig bestimmen lässt er sich allein durch eine Sichtprüfung jedoch nicht immer. Farbe, Festigkeit, Körnung, Bruchbild und das Verhalten gegenüber Wasser können erste Hinweise geben.

Traditionelle Kalkputze sind häufig weißlich, beige oder hellgrau, wobei die Farbe wesentlich von den verwendeten Sanden und Zuschlägen bestimmt wird. Sie sind meist vergleichsweise weich und lassen sich leichter ritzen oder abreiben als viele zementreiche Putze. Historische Kalkputze können außerdem sehr unterschiedliche Körnungen und örtlich auch gröbere Zuschläge besitzen.

Ein weiterer Hinweis ist das Feuchteverhalten. Unbeschichteter Kalkputz nimmt Wasser in der Regel relativ schnell auf und verteilt es kapillar. Alte Anstriche, Verschmutzungen oder nachträgliche Beschichtungen können dieses Verhalten allerdings deutlich verändern.

Auch eine Probe mit verdünnter Salzsäure kann einen Hinweis liefern. Enthält der Putz Calciumcarbonat, reagiert dieses mit der Salzsäure unter Freisetzung von Kohlendioxid (CO₂) und es kommt zu einem sichtbaren Aufbrausen. Salzsäure kann je nach Konzentration reizend oder ätzend wirken. Bei der Anwendung sind deshalb die Angaben des Herstellers und die entsprechenden Schutzmaßnahmen zu beachten.

Die Reaktion beweist jedoch nicht, dass es sich um einen reinen Kalkputz handelt. Auch Kalkzementputze, carbonathaltige Zuschläge und andere carbonathaltige Baustoffe können mit Salzsäure reagieren. Die Salzsäureprobe weist daher Carbonate nach, nicht die genaue Zusammensetzung oder die Art des Bindemittels.

An Farbe, Härte oder einer einzelnen Baustellenprobe lässt sich ein alter Putz deshalb nicht sicher als Kalkputz identifizieren. Wenn die genaue Zusammensetzung beispielsweise für eine denkmalgerechte Sanierung wichtig ist, kann eine Mörtel- beziehungsweise Laboranalyse sinnvoll sein.