Kalkputz und Gipsputz unterscheiden sich vor allem durch ihre Bindemittel, ihre Erhärtung und ihr Verhalten gegenüber Feuchtigkeit. Bei Kalkputz ist Kalk das wesentliche Bindemittel, bei Gipsputz sind es Gips.

Kalkputz erhärtet je nach verwendeter Kalkart durch Karbonatisierung und gegebenenfalls zusätzlich durch hydraulische Reaktionen. Reine Kalkputze sind sorptionsfähig und kapillar aktiv. Sie können Feuchtigkeit aufnehmen, innerhalb ihres Porengefüges verteilen und wieder an die Umgebung abgeben.

Gipsputz erhärtet durch die Reaktion des Gipsbindemittels mit Wasser. Er erreicht vergleichsweise schnell seine Festigkeit, lässt sich gut verarbeiten und ermöglicht sehr glatte Oberflächen. Auch Gipsputz kann Wasserdampf aus der Raumluft aufnehmen gibt dieses aber wesentlich langsamer wieder ab. Gegenüber länger anhaltender oder stärkerer Feuchtebelastung ist Gips jedoch empfindlicher als ein dafür geeigneter Kalkputz.

Auch beim pH-Wert muss genau unterschieden werden. Reiner Kalk besitzt aufgrund des Calciumhydroxids eine hohe Alkalität. Handelsübliche Gipsputze können ebenfalls alkalisch eingestellt sein und beispielsweise Calciumhydroxid enthalten. Bei einzelnen Gipsputzen werden pH-Werte von 11 bis 12 angegeben. Ein hoher pH-Wert ist deshalb kein sicherer Beweis dafür, dass ein Putz ein Kalkputz ist.

Besonders bei Altbauten, historischem Mauerwerk und feuchtebelasteten Konstruktionen kann ein geeigneter Kalkputz aufgrund seiner kapillaren Eigenschaften und seiner Materialverträglichkeit Vorteile bieten. Gipsputze werden dagegen hauptsächlich in trockenen Innenräumen eingesetzt.

Entscheidend ist letztlich die tatsächliche Zusammensetzung des Putzes. Weder die Bezeichnung „Kalkputz“ noch „Gipsputz“ beschreibt automatisch alle enthaltenen Bindemittel und Zusatzstoffe.