Kalkputz und Lehmputz sind mineralische Putze, unterscheiden sich aber vor allem durch ihr Bindemittel, ihre Erhärtung und ihr Verhalten gegenüber Wasser. Beim Kalkputz dient Kalk als Bindemittel, beim Lehmputz übernehmen vor allem die Tonminerale diese Funktion.

Kalkputz erhärtet je nach verwendeter Kalkart durch Karbonatisierung und gegebenenfalls zusätzlich durch hydraulische Reaktionen. Reiner Kalkputz ist wasserdampfdurchlässig, sorptionsfähig und kapillar aktiv. Frischer Kalk besitzt aufgrund des enthaltenen Calciumhydroxids außerdem eine hohe Alkalität.

Lehmputz erhärtet dagegen nicht durch eine chemische Bindemittelreaktion, sondern hauptsächlich durch das Trocknen. Die Tonminerale sorgen für den Zusammenhalt. Wird Lehm erneut ausreichend mit Wasser durchfeuchtet, kann er wieder weich und formbar werden. Dadurch lässt sich Lehmputz besonders gut wiederverwenden und reparieren.

Lehmputz besitzt wie Kalkputz eine sehr gute Fähigkeit zur Feuchtepufferung und kann kurzfristige Schwankungen der Luftfeuchtigkeit aufnehmen und wieder ausgleichen. Gegen dauerhafte oder direkte Wasserbelastung ist er jedoch empfindlich. Kalkputz ist gegenüber Feuchtigkeit und Witterung grundsätzlich widerstandsfähiger, wobei seine Eignung immer von der verwendeten Kalkart, dem Putzaufbau und der jeweiligen Beanspruchung abhängt.

Lehmputz wird deshalb überwiegend im Innenbereich eingesetzt. Kalkputz kann sowohl innen als auch außen verwendet werden. Beide Materialien eignen sich besonders für diffusionsoffene und feuchteregulierende Wandaufbauten und werden häufig bei der Sanierung historischer Gebäude eingesetzt.

Welcher Putz besser geeignet ist, hängt daher vom Untergrund, der Feuchtebelastung, dem Einsatzbereich und der gewünschten Oberfläche ab.