Standöl ist heute die Bezeichnung für ein durch starke Erhitzung vorpolymerisiertes „trocknendes“ Öl, meist Leinöl. Leinöl-Standöl wird bei hohen Temperaturen unter weitgehendem Ausschluss von Sauerstoff erhitzt. Dadurch findet eine thermische Polymerisation statt und das Öl wird deutlich zähflüssiger.
Leinöl-Standöl besitzt gegenüber unbehandeltem Leinöl einen besseren Verlauf und bildet einen glatten, elastischen und widerstandsfähigen Film. Es vergilbt weniger stark und trocknet ohne zusätzliche Sikkative langsamer als gewöhnliches Leinöl.
Standöl wird als Bindemittel beziehungsweise Bestandteil von Ölfarben, Lacken, Druckfarben und Pigmentpasten verwendet.
Historisch hatte der Begriff Standöl teilweise eine andere Bedeutung. Früher wurde Leinöl in vollständig gefüllten Behältern unter Luftabschluss längere Zeit stehen gelassen. Dabei setzten sich Schleimstoffe, Verunreinigungen und andere Bestandteile am Boden ab, sodass das darüberstehende Öl abgenommen werden konnte. Aus diesem „Stehenlassen“ erklärt sich die historische Verwendung des Begriffs Standöl. Heute versteht man unter Leinöl-Standöl dagegen üblicherweise ein durch Erhitzen unter Sauerstoffabschluss polymerisiertes und dadurch eingedicktes Leinöl.
Standöl darf nicht mit Leinölfirnis verwechselt werden. Leinölfirnis ist ein anders aufbereitetes Leinölprodukt, dessen Trocknung häufig durch zugesetzte Sikkative beschleunigt wird. Standöl erhält seine besonderen Eigenschaften dagegen durch die thermische Polymerisation.
Hinterlasse einen Kommentar