Kalkputz besitzt viele Vorteile, hat aber auch Eigenschaften, die je nach Baustelle und Anwendung als Nachteil empfunden werden können. Besonders traditionelle reine Kalkputze stellen höhere Anforderungen an Untergrund, Verarbeitung und Nachbehandlung als manche industriell stark modifizierten Putzsysteme.

Ein Nachteil kann die langsamere Festigkeitsentwicklung sein. Aus Luftkalk oder NHL hergestellte Kalkputze erhärten durch Karbonatisierung und benötigen dafür geeignete Feuchtigkeitsbedingungen und Kohlendioxid aus der Luft. Zu schnelle Austrocknung kann die Erhärtung beeinträchtigen.

Kalkputz muss außerdem zum Untergrund passen. Auf ungeeigneten, sehr glatten oder stark unterschiedlich saugenden Untergründen sind entsprechende Vorbereitungen erforderlich.

Reine Kalkputze erreichen in der Regel nicht die hohen Festigkeiten zementhaltiger Putze. Das ist auf vielen historischen und weicheren Untergründen gerade ein Vorteil, kann aber bei mechanisch stark beanspruchten Flächen oder speziellen Anwendungen eine Einschränkung sein.

Die Verarbeitung erfordert Erfahrung. Zeitpunkt von Auftrag, Nachbehandlung, Rabottieren, Filzen oder Glätten hängt stark von Material und Umgebungsbedingungen ab.

Ein weiterer Nachteil ist die uneindeutige Produktbezeichnung am Markt: Nicht jeder als Kalkputz bezeichnete Putz ist ein reiner Kalkputz. Wer gezielt bestimmte Eigenschaften sucht, muss deshalb die Zusammensetzung prüfen.

Kalkputz ist also nicht für jede Anwendung automatisch die beste Lösung. Richtig ausgewählt und verarbeitet, liegen gerade viele seiner vermeintlichen Nachteile, etwa die geringere Festigkeit, bei Altbauten gleichzeitig in seinen Stärken.