Warum Putzmörtel haften

und was Kristalle damit zu tun haben?

 

 

Nicht jeder Untergrund ist für Kalkputze geeignet. Aber warum ist das so? Um diese Frage zu beantworten, muss das Haftverhalten von Putzmörteln betrachtet werden. Warum klebt ein Putz regelrecht am Untergrund und ein anderer fällt ständig ab? Warum bekomme ich manche Altputze mit der Spachtel entfernt und für andere brauche ich die Hilti?Pauschal können diese Fragen nicht beantwortet werden. Das Putzsystem, der Untergrund und die Verarbeitung haben einen großen Einfluss darauf. Indem wir uns mit der Putzmörtel-Haftung beschäftigen finden wir Antworten. Zudem erfahren wir so auch, welche Untergründe geeignet sind und wie ich den Putz während dem Abbinden schützen oder pflegen muss.

Wer Putzmörtel verarbeitet muss sich auch mit den Eigenschaften der Materialien befassen. Welches Bindemittel und welche Zusätze sind im Putz enthalten? Welche Putzuntergründe sind geeignet? Wie bereite ich ungeeignete Untergründe vor? Was ist während dem Abbinden zu beachten?

Wenn Sie auf diese Fragen, zum Produkt passende Antworten haben, wird der Putzauftrag gelingen. Auch an dieser Stelle möchte ich wieder auf die technischen Datenblätter der Hersteller hinweisen. Diese Datenblätter enthalten in der Regel nützliche Informationen. Sie nicht zu nutzen wäre sinnfrei und kann sehr teuer werden.

 

 

Putzgrund

Damit ein Putzmörtel haftet ist der Zustand vom Untergrund ganz entscheidend. Dieser muss fest, sauber, frei von Trennmitteln, hinreichend eben, trocken und frostfrei sein. Zudem ist die Saugfähigkeit und die Rauigkeit der Oberfläche noch wichtig, damit der Putzauftrag gelingt. Untergründe die diese Anforderungen nicht erfüllen, müssen entsprechend vorbehandelt werden.

Egal ob ein mineralischer (z. B. Kalkputz) oder organischer Putz (z. B. Gipsputz) verwendet wird, wenn der Untergrund nicht passt wird das nichts. Mehr zum Thema Untergründe möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben. Unser heutiges Thema ist die Putzmörtel-Haftung und nicht der Putzgrund.

 

 

Putzmörtel-Haftung

Wenn Putzmörtel verarbeitet wird gibt es drei wesentliche Faktoren, die für Haftung sorgen. Adhäsion, kapillare Saugfähigkeit und die mechanische Haftung. In den verschiedenen Phasen der Verarbeitung und Aushärtung sind unterschiedliche Kräfte für die Putzmörtelhaftung verantwortlich.

Schauen wir uns an welche Kräfte wirken, wenn frischer Putz aufgebracht wird und während dieser erhärtet.

 

 

Adhäsion – die Nasshaftung

Ganz entscheidend für die Anfangshaftung ist die Adhäsion. Gerade mineralische Putze müssen mit Schwung an die Wand, damit die Adhäsionskräfte wirken können. Frischer Putz soll von Hand angeworfen oder mit der Putzmaschine aufgespritzt werden. Nur so entsteht ein Vakuumeffekt (Adhäsion) an den Berührungsflächen von Mauerwerk und Putzmörtel. Dieser Unterdruck baut sich langsam wieder ab, ist aber für die Anfangshaftung sehr wichtig.

Deshalb ist es für Heimwerker besonders schwierig, Putze in größeren Schichtstärken oder an Decken zu verarbeiten. Wer wenig Übung hat neigt dazu Putze aufzuspachteln. Somit entstehen keine Adhäsionskräfte und der Putz hält nur mechanisch. Bei Putzen, die aufgrund von Bindemitteln (z. B. Gips) stark kleben oder die chemische Haftzusätze enthalten gelingt die Verarbeitung deshalb meist besser.

Schwierig wird es auch bei starken oder schweren Putzlagen. Die Adhäsionskräfte wirken nicht unbegrenzt. Aus dem Grund ist es bei Untergründen die wenig rau sind besser in mehreren Lagen und mit Leichtputzen zu arbeiten.

 

 

Kapillare Saugfähigkeit

Zur Adhäsion kommt noch die kapillare Saugfähigkeit hinzu, um den Putz an der Wand zu halten. Ein Putzmörtel besteht immer aus Sand, Zuschlagstoffen und Bindemitteln (z. B. Gips, Zement, Kalk). Diese Bindemittel sorgen nicht nur dafür, dass aus dem Gemisch ein abbinde fähiger Mörtel wird. Sie sind auch für die Haftung auf dem Untergrund zuständig.

Ein Mauerstein weist an der Oberfläche unzählige Kapillaren auf. Diese Hohlräume oder besser engen Röhren saugen das Wasser-Bindemittelgemisch an und füllen sich. In den Kapillaren reagiert das Bindemittel und beginnt zu kristallisieren. Bei hydraulischen Bindemitteln wird dafür Wasser, bei nicht hydraulischem Bindemittel CO2 aus der Luft benötigt, um die Kristallbildung zu starten. Die sich bildenden Kristalle pressen sich in die Mikroporen des Mauersteins und sorgen so für die Putzhaftung.

Deshalb ist es wichtig, Kalkputze mit natürlich hydraulischem Kalk (NHL) als Bindemittel in der Anfangsphase feucht zu halten. Nur so können ausreichend Kristalle gebildet werden. Bei Luftkalkputzen, welche CO2 zur Kristallbildung benötigen, ist die Schichtstärke ein ganz wichtiger Faktor. Bei Schichtstärken über 15 mm dringt zu wenig CO2 ein und die Kristallbildung schreitet nur sehr langsam voran. 

 

Mechanische Haftung/Verkrallung

Ein weiterer wichtiger Faktor damit der Putz an der Wand bleibt ist die mechanische Haftung.  Bei Lehmputzen, die keine Kristalle bilden aber auch für alle anderen Putzarten ist die mechanische Haftung sehr wichtig.

Wenn der Putz aufgetragen wird verteilt sich dieser in alle Erhöhungen und Vertiefungen. Beim Ansteifen und Aushärten vom Putzmörtel verzahnt er sich so mit dem Untergrund. Bei glattem Untergrund auf welchem eine mechanische Haftung nicht möglich ist, muss dieser entsprechend vorbereitet werden. Vom Aufbringen eines Spritzbewurfes bis hin zum Überspannen mit Putzträgern gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche das sind hängt vom Putzgrund und vom eingesetzten Putz ab.

 

Wer Untergründe richtig beurteilt und dem Putz das gibt was er braucht wird auch bei der Verarbeitung von natürlichen Kalkputzen super Ergebnisse erzielen.

 

In meinem nächsten Beitrag erfahren Sie welches die 10 häufigsten Fehler beim Verarbeiten von Kalkputzen sind. Bei Fragen oder Anregungen dürfen Sie mir gerne schreiben.

 

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