Ob ein Kalkputz tatsächlich zementfrei ist, lässt sich weder am Produktnamen noch an der Bezeichnung „Kalkputz“ zuverlässig erkennen. Auch Begriffe wie „natürlich“, „ökologisch“, „mineralisch“ oder „für die Denkmalsanierung geeignet“ sagen zunächst nichts darüber aus, ob Zement als zusätzliches Bindemittel enthalten ist.

Die sicherste Möglichkeit ist eine Volldeklaration, in der sämtliche Bestandteile des Produktes angegeben werden. Fehlt diese, sollte beim Hersteller eine schriftliche Bestätigung angefordert werden, dass das Produkt keinen Zement enthält.

Zusätzliche Hinweise kann das Sicherheitsdatenblatt, insbesondere Abschnitt 3, liefern. Dort werden bestimmte Inhaltsstoffe eines Gemisches aufgeführt. Ein Sicherheitsdatenblatt ist jedoch keine Volldeklaration. Aus dem Fehlen von Zement in Abschnitt 3 kann deshalb nicht automatisch geschlossen werden, dass ein Produkt vollständig zementfrei ist.

Besondere Aufmerksamkeit ist bei hydraulischem Kalk (HL) geboten. Nach EN 459-1 kann HL neben Kalk weitere Bestandteile wie beispielsweise Zement enthalten. Die Bezeichnung „hydraulischer Kalk“ ist deshalb nicht mit natürlich hydraulischem Kalk (NHL) gleichzusetzen. NHL erhält seine hydraulischen Eigenschaften dagegen aus der natürlichen Zusammensetzung des Ausgangsgesteins.

Auch Druckfestigkeit und Wasserdampfdiffusionswiderstand können Hinweise auf die Eigenschaften eines Putzes geben. Niedrige Werte können für einen zementfreien Kalkputz sprechen. Sie sind aber kein sicherer Nachweis für Zementfreiheit. Ein zementfreier Putz kann je nach verwendetem Kalk und Rezeptur ebenfalls höhere Festigkeiten erreichen. Umgekehrt kann auch ein zementhaltiger Putz durch seine Rezeptur und entsprechende Zusätze weich und diffusionsoffen eingestellt werden.

Wer sicher wissen möchte, ob ein Kalkputz zementfrei ist, sollte deshalb nicht einen einzelnen technischen Kennwert betrachten, sondern vor allem auf eine vollständige Deklaration der verwendeten Bindemittel und Zusätze achten.